Videoclips sollen Flüchtlingen bei Bewerbung helfen

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Viele geflüchtete Jugendliche haben bereits in ihrem Land gearbeitet und wurden gerne in Deutschland ihren Beruf ausüben. Das ist aber nicht so einfach: „Omar aus Syrien ist Raumausstatter, und das was er kann, wird hier nicht anerkannt. Deshalb will er Elektroniker werden“, sagt Theaterpädagogin Beate Duvenhorst. Sie und die selbständige Filmerin Katrin Becker drehen zusammen mit jungen Flüchtlingen im Rahmen der Projektreihe „Ankommen im Beruf“ Videos, die der Bewerbungsmappe hinzugefügt werden können.

„Das ist eine tolle Sache“, sagt Norman Kurock von der Caritas Ulm, der sich bei der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) für das mediengestützte Bewerbungstraining beworben hat. Es lief nun von Montag bis Mittwoch an der Meinloh-Grundschule in Söflingen. Fördermittel dafür flossen seitens der Landesanstalt für Kommunikation.

Der Jugendsozialarbeiter sieht in den Bewerbungsvideos einen Vorteil für Flüchtlinge, denn nach seiner Erkenntnis werden ausländisch klingende Namen bei der Auswahl nicht immer berücksichtigt. Deshalb sollen die Videos Interesse beim Personalchef wecken, der sich das Bewerbungsschreiben dann vielleicht doch nochmal anschaut.

Ölwechsel in der Werkstatt

In zweiminütigen Videos stellen sich die jungen Flüchtlinge vor. Sie sollen in ganzen Sätzen sprechen, was für viele nicht einfach ist. Deshalb zeigen sie auch ihre Hobbys und Fähigkeiten in realer Umgebung. Denn das, was die Flüchtlinge schwer ausdrücken können, halten Bilder fest.

So wird Laluddin Esami in der Kfz-Werkstatt des Autodiensts Schmid in Söflingen gefilmt. Geschäftsführer Günter Schmid stellte die Werkstatt gern zur Verfügung: „Ich finde es gut, wenn ich helfen kann, und das ist wirklich kein großer Aufwand.“ Die Szene die gefilmt wird, ist folgende: Der Afghane macht einen Ölwechsel am Auto, was möglichst authentisch herüberkommen soll.

Für Esami ist das kein Problem, weil er schon mit sieben Jahren angefangen hat als Kfz-Mechaniker zu arbeiten: „Ich musste das tun, weil mein Vater starb und meine Familie das Geld brauchte“. Den Beruf möchte er weiter in Deutschland ausüben, braucht dafür aber eine Ausbildung und muss erst Deutsch lernen.

Obwohl er als Analphabet vor einem Jahr nach Deutschland kam, hat er in drei Monaten gelernt, sich auf Deutsch zu verständigen. „Es ist unglaublich, wie motiviert sie sind. Und alle sind super sympathisch“, sagt Duvenhorst über die sieben Teilnehmer. Sie möchte ihnen auch mitgeben, dass sie sich auf das verlassen sollen, was sie schon an Fähigkeiten mitbringen.

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