Vibrieren als Fitness-Signal

Tiere können akustische Signale aber auch Schallwellen aussenden. Damit grenzen sie ihr Revier ab und locken vor allem Partner zur Paarung an. Die Ulmer Biologin Dr. Taina Conrad belauscht Mauerbienen.

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Das Weibchen der Roten Mauerbiene ist sehr wählerisch. Es prüft sein Männchen selbst dann noch, wenn es bereits zur Paarung aufsitzt. "Zum Zuge kommt letztendlich dasjenige Männchen, das am längsten und ohne Pause mit den Flügeln vibrieren kann, alle anderen wirft das Weibchen wieder ab", erklärt Dr. Taina Conrad. Die Ulmer Biologin hat sich - zunächst am Institut für Evolutionsökologie, derzeit als selbstständige Wissenschaftlerin - auf das Thema Vibrations-Kommunikation bei Tieren spezialisiert.

Während ihrer Diplom- und später bei der Doktorarbeit hat die heute 32-Jährige entdeckt und nachgewiesen, dass Mauerbienen vor der Paarung im Sitzen diese Fitness-Signale mit der Flugmuskulatur erzeugen. Um dies nachzuweisen, setzte Taina Conrad verschiedene Bienenpaare unter den Lichtstrahl eines so genannten Laserdoppler-Vibrometers. Der Lichtstrahl wird von den Bienenkörpern reflektiert und im Gerät in Hertz umgewandelt, die physikalische Einheit für Frequenz. Dann wird je nach Höhe der Amplitude angezeigt, wie stark und wie lange ein Mauerbienenmännchen vibrieren kann.

Genauso hat Taina Conrad die Vibration bei Hummeln gemessen, während diese Tomaten bestäuben. Damit das Insekt an die begehrten Pollen in der Blüte gelangt, muss es erst eine die Pollen umschließende Kapsel sprengen. Das gelingt der Hummel, indem sie ihre Flugmuskeln in einer gewissen Frequenz vibrieren lässt. Und während sie von Blüte zu Blüte an den Pollen nascht, werden diese ganz nebenbei bestäubt. Honigbienen sind nicht so effektiv. Viele Gärtner setzen daher bewusst Hummelvölker ein, die zu diesem Zweck gezüchtet und verschickt werden. Damit wilde Hummeln auch im Hobbygarten die Tomaten befruchten, sollten dort Blumen wachsen, die Hummeln anlocken wie Sommerflieder, Taubnessel, Mohn, Malve und Clematis.

Aber zurück zur Vibrations-Kommunikation: Die Forschung stecke noch in den Kinderschuhen, hat Taina Conrad bei Recherchen für ihre Vorlesungen vor Bachelorstudenten oder für ihre Vorträge vor Schülern festgestellt. Denn sie gehört seit vielen Jahren zur BUND-Hochschulgruppe der Universität Ulm. Den Kindern erzählt sie dann, dass Haustiere wie Kaninchen und Wüstenrennmäuse mitunter mit ihren Hinterfüßen auf den Boden klopfen, wenn sie sich in der Wohnung vor irgendetwas erschreckt haben. Es ist eine instinktive Reaktion, mit der sie in der freien Natur ihre Artgenossen vor einer Gefahr warnen würden. Auch große Tiere, etwa Elefanten, stampfen in der Wildnis in einem gewissen Rhythmus auf den Boden und senden somit kilometerweit Schallwellen an noch weit genug entfernte Herden, sollte Gefahr am eigenen Wasserloch drohen. Dies hat man mit Hilfe von Geophonen festgestellt, die Bodenschwingungen messen können und eigentlich in Erdbebengebieten zum Einsatz kommen.

Ebenso erzeugen Elefanten mit dem Rüssel tiefe, für den Menschen unhörbare Infraschalltöne. Diese Schallwellen werden über die Luft verbreitet und zählen deshalb zu den akustischen Signalen im Tierreich.

In den Steppen des östlichen Mittelmeerraumes leben unterirdisch Blindmäuse, die so heißen, weil sie tatsächlich nichts sehen. Damit sich diese Mäuse mit ihren Gangsystemen gegenseitig nicht ins Gehege kommen, schlagen sie als Reviermarkierung mit ihrer harten Kopfplatte gegen die unterirdischen Wände.

Auf Vibration reagiert auch jede Spinne, wenn sie spürt, dass ein Insekt im Netz zappelt, hat Taina Conrad noch ein Beispiel für die Vibrations-Kommunikation parat. Das wissen wiederum Fraßfeinde der Spinne, die bewusst am Netz rütteln, um die Spinne aus ihrem Versteck zu locken und sie dann zu vertilgen. Und manche Spinnenmännchen zupfen am Netz, um die Weibchen in Paarungsstimmung zu bringen - womit wir wieder beim Thema wären.

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