Verursacher der Sandplage steht fest

Die Laboranalyse bestätigt den Verdacht der Bewohner des Sandhakens: Für den Dreck, der aufs Wohngebiet rieselt, ist ein Asphaltmischwerk verantwortlich.

|

Auf die Post von der Stadt, Abteilung Umweltrecht und Gewerbeaufsicht, haben die Anwohner des Wohngebietes Sandhaken monatelang gewartet. Schließlich hatten sie Ende vergangenen Jahres die städtische Gewerbeaufsicht informiert, dass auf ihr Wohngebiet immer nachts Sand niedergeht. Der Sand lagert auf den Häusern, vor der Haustür, in den Häusern. Wo kommt er her?

Um das herauszufinden, hatten die Anwohner Proben des Sandes gesammelt und der städtischen Abteilung Gewerbeaufsicht übergeben. Deren Leiter Olaf Schwark hat die Proben in einem Umweltanalyselabor untersuchen lassen. Am Mittwoch erfuhren die Anwohner per Brief: Der Verursacher ist das Donau-Asphalt-Mischwerk (DAM) im benachbarten Donautal.

Freuen können sich die Anwohner des Wohngebiets Sandhaken angesichts dieser Nachricht nicht. Denn: Inzwischen rieselt es wieder auf die Menschen nieder. Vor allem in der letzten Woche sei das der Fall gewesen, berichtet Anwohnerin Nicole Renner. Die Plage sei zwar nicht so schlimm wie im Dezember, aber deutlich sichtbar. An Türen, an der Gartenbank, auf Autos.

Die Geschäftsführung des DAM wird dagegen Einspruch erheben, dass sie die Verursacher der Verschmutzung sein sollen. Das lassen die Geschäftsführer durch Joachim Vinzelberg, Betriebsleiter des Mischwerks, ausrichten. Für Vinzelberg steht fest: „Das Gutachten taugt  nichts.“ Demnach arbeitet das Mischwerk mit Sanden, die aus dem Erbacher Kieswerk stammen, eine Firma, die zur Heim-Gruppe gehört, wie das Donau-Asphalt-Mischwerk auch. Die Kiese stammen aus der Donau. „Die benutzen andere Firmen auch“, sagt Vinzelberg. Im Donautal und in Betriebe von Memmingen bis Reutlingen.

Produktion seit 1. März

Der Produktionsbeginn ist für ihn ein weiterer Beleg, dass der Sand, der auf den Sandhaken niedergeht, nicht aus dem Schornstein des Asphalt-Mischwerkes stammen kann. Nach einer Winterpause, in der die Anlage gewartet wurde, begann das Mischwerk mit der Produktion zum 1. März. Die Anwohner am Sandhaken haben im März und April wenig bis keinen Niederschlag festgestellt. Dafür aber in der vergangenen Woche. „Dann können wir es ja gar nicht sein. Wir produzieren schon länger.“

Laut Vinzelberg „kommt bei uns aus dem Schornstein nichts raus als Wasserdampf“. Zudem seien in den Sandproben, die vom Wohngebiet Sandhaken untersucht wurden, keine schwarzen Anhaftungen gefunden wurden. „Wir produzieren mit Asphalt.“ Würde das Asphalt-Mischwerk Sand ausstoßen, müssten darin schwarze Partikel zu finden sein. Das habe die Umweltanalyse jedoch nicht ergeben.

Schwark beruft sich freilich auf die Analyse. Gleichwohl liege kein gesetzlicher Verstoß des Werkes vor, da der gesetzlich vorgeschriebene Emissionswert nicht überschritten wurde. Ein Rätsel für ihn bleibt: „Warum jahrelang Ruhe war und im letzten halben Jahr so viele Niederschläge runterkamen – ich weiß es nicht.“ Erklärungen bietet Betriebsleiter Vinzelberg an: Er verweist auf die vielen Baustellen in Ulm, auf den Schwerlastverkehr, und auf Staub, der weit weht wie der Wüstensand.

Staubmessanlage angeordnet

Schwark hat angeordnet, dass ins Asphalt-Mischwerk eine Staubmesseinrichtung eingebaut wird. Mehr, sagt er, könne er nicht tun. Seine Möglichkeiten seien ausgeschöpft. Feinstaubmessungen etwa sind Landessache. Er verweist darauf, dass Anwohner klagen könnten.

Die Anwohner sind sauer. Nicole Renner, die von älteren Nachbarn gebeten wurde, die Beschwerde gegenüber der Stadt weiter zu vertreten,  macht ihrem Unmut Luft: „Wir alle werden verdonnert, Umweltplaketten fürs Auto zu kaufen und auf uns prasselt munter Sand nieder?“ Natürlich sei der Schaden nicht irrsinnig hoch und eine Analyse eines Labors habe ergeben, dass der Sand nicht gesundheitsschädigend sei. Aber die Anwohner wollen, dass es aufhört. Für sie steht fest, dass es sich bei den Niederschlägen nicht nur um Staub handelt. Dafür braucht sie nur mit dem Finger über ihre Tür zu fahren: „Da liegt Sand drauf. “

Kommentar zu folgenlosen Analyseberichten: Betroffene Bürger ernst nehmen

Die Anwohner der kleinen Siedlung Am Sandhaken werden mit ihren Sorgen offenbar allein gelassen. Auf sie regnen seit Monaten – mal mehr, mal weniger – Sand und Schmutz nieder. Deswegen beschwerten sie sich bei der städtischen Gewerbeaufsicht. Deren Chef hat sich als Behördenvertreter der Beschwerde zwar ernsthaft angenommen und in Betriebsanlagen Detektivarbeit geleistet. Aber für die Anwohner ändert sich: erstmal nichts.

Der Fall hört sich an wie ein Abenteuer aus Absurdistan. Der Verursacher steht mittels Analysebericht fest, weist aber alle Schuld von sich. Und: Die Möglichkeiten der Gewerbeaufsicht sind mit der vorliegenden Analyse anscheinend ausgeschöpft.

Was ist mit den Betroffenen?  Die haben ernsthafte Sorgen. Sie wollen, dass der Sandregen aufhört. Sie möchten in diesem Sommer draußen sitzen, ohne ständig zu putzen und ohne sich zu fragen, wie unbedenklich die Luft ist, die sie einatmen. Die Vorstellung, dass sie permanent weiter berieselt werden, ist ein Unding. Und die Menschen fragen sich, wer ihnen noch helfen kann.

Angesichts dieser Vorgänge ist es in der Tat unklar, ob wir uns noch in Deutschland mit seinen klaren Regeln und Vorschriften befinden. Die Aussage, dass der Verursacher fest steht, aber nicht belangt werden kann, ist schlicht unakzeptabel. Das ist mehr als Sand im Getriebe.

Ein Kommentar von Beate Rose.

Emission Olaf Schwark von der Gewerbeaufsicht hat die Anwohner informiert, dass der Sand vom Donau-Asphalt-Mischwerk (DAM) stammt. Der Ausstoß ist rechtlich in Ordnung. Ein Ausstoß an Staub sei beim Werk bis 20 Milligramm je Kubikmeter Abluft zulässig. Die Messungen belegen, dass der Wert nie überschritten wurde. „DAM betreibt die Anlage genehmigungskonform.“ Alle drei Jahre prüft die Emissionsbehörde, das nächste Mal in zwei Wochen.Betriebsleiter Vinzelberg sieht dem Termin gelassen entgegen.

Kommentieren

Kommentare

20.05.2017 19:00 Uhr

Sandprobe anhand Analyse Gewerbeaufsichtsamt Ulm

Die Sandproben wurden anhand Sandproben vom Niederschlag am Sandhaken und Sandproben des Unternehmens in Auftrag gegeben. In ein Labor zur Untersuchung und Übereinstimmung dessen.

Schriftlich liegt nach monatelanger Ermittlung nun als Verursacher die Firma DAM vor. Wenn man dies nach wir vor bestreitet, frage ich mich warum... Wieso geht man nicht auf die betroffenen Bürger zu, sondern dementiert weiter?

Schwerlastverkehr, Wüstensand... Ist alles ein Witz.. Der Verkehr, die Ausdehnung des Industriegebietes Donautal hat in den letzten Jahren nicht zugenommen, da es ohnehin im Landschaftsschutzgebiet liegt und keine weiteren Flächen, seit Jahren mehr bebaubar sind.

Ich vertraue schon auf die unabhängige Analyse des Gewerbeaufsichtsamtes Ulm. Denen nun ja auch die Hände gebunden zu scheinen...

Der anfänglich herangezogene Wüstensand ist rötlich, wäre überall in der Umgebung niedergegangen und verliert durch die lange Flugdauer nicht seine rötliche Farbe :-))

Wasserdampf hat keine Farbe. Die Farbe vom DAM Mischwerk ist dunkler. Also, nicht nur reiner Wasserdampf m.E., und wie behauptet. Vergleich: Müllverbrennungsanlage, der Ausstoß ist farblos.

Es bleibt die Frage, wieso wehrt und dreht man sich derart....?

Antworten Kommentar melden

19.05.2017 14:31 Uhr

Warum sollte der Sand aus dem Schornstein

kommen? Ich halte es eher für möglich, dass der im Freien gelagerte Sand aufgewirbelt wird und dann in
Richtung Sandkaken geweht wird, die Windrichtung stimmt zumindest. Da sollte man sich vielleicht Gedanken machen wie man das verhindern könnte.

Antworten Kommentar melden

19.05.2017 06:59 Uhr

der Bürger wird im Stich gelassen

viel Wind und am Ende kommt nichts raus - der Bürger soll selber klagen! Ähnlich ergeht es in Ulm den Anwohnern von verkehrsberuhigten Bereichen. Sie haben Angst und Sorge um ihre Kinder da sich die Autofahrer in den verkehrsberuhigten Bereichen (ohne Gehwege) nicht an die Tempolimits (6 bis 9 km/h) halten. Die Polizei verweist auf die Stadt, die Stadt wiegelt ab: es werden Messungen durchgeführt (meist zu Zeiten in denen in den betroffenen Gebieten nichts los ist!). Wem fallen die Parallelen auf???
Der Bürger bleibt alleingelassen zurück, ärgert sich weiter oder schluckt es einfach runter. Die Stadt Ulm kümmert sich derweil um den Strassenbahn- und Parkhausbau - es gibt ja schließlich wichtige Sachen im Leben!

Antworten Kommentar melden

19.05.2017 06:23 Uhr

Verursacher steht fest?

Leider steht nirgends wie das Gutachten zu dem Schluss kommt, es handle sich um das Asphaltwerk. Im Kommentar zu behaupten der Verursacher steht fest, halte ich bei den gezeigten Fakten (keine) für überzogen. Weiß jemand genaueres? Dann schreibt es bitte.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Der Rinderflüsterer 

Ernst Hermann Maier setzt sich seit Jahrzehnten für das Wohl seiner Tiere ein. Fast hätte er deswegen seinen Hof verloren. weiter lesen