Verteidiger kritisieren Sicherheitsfirma

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In ihren Plädoyers kommen die fünf Verteidiger im Prozess wegen des fingierten Überfalls auf einen Werttransporter zu einer anderen Einschätzung als der Staatsanwalt. Der hatte vergangene Woche auf schweren Bandendiebstahl plädiert und Strafen zwischen viereinhalb und sieben Jahren Gefängnis gefordert. Die Verteidiger werten die Tat dagegen „nur“ als Unterschlagung.

Im Wesentlichen ging es in dem Prozess um zwei Punkte. Der äußere Rahmen des gestellten Überfalls auf den Transporter mit Uhren im Wert von mehreren Millionen Euro ist unstrittig. Alle Angeklagten, einschließlich der Fahrer des Werttransporters, haben Geständnisse abgelegt. Strittig ist dagegen die Höhe der Beute und eine Rechtsfrage, ob der Fall als Bandendiebstahl oder nur als Unterschlagung zu ahnen ist, was milder bestraft wird.

Die Frage nach dem Wert der Beute ist bis heute unklar. Ein Gutachter hatte aufgrund der Frachtpapiere acht Millionen Euro genannt, eine erste Schätzung lag nur bei vier Millionen Euro. Was tatsächlich in den noch fehlenden Beutesäcken war, könne niemand sagen, kritisierten die Anwälte. Im Zweifel müsse deshalb von 2,3 Millionen Euro Schaden ausgegangen werden. So viel sind die Uhren wert, die nach dem Überfall sichergestellt werden konnten. Der Rest der Beute fehlt noch immer.

Keine ausreichende Sicherheit

Der zweite Knackpunkt besteht in der Frage, wer während des Transports die so genannte Sachherrschaft hatte, also den tatsächlichen Zugriff. Lag die bei der Sicherheitsfirma, wie der Staatsanwalt behauptet, dann stellt die Tat einen schweren Bandendiebstahl dar. Lag die Sachherrschaft derweil nur bei den Fahrer, handelt es sich rechtlich „nur“ um Unterschlagung.

Genau so lautet die Argumentation der Verteidiger. Die Transportfirma habe eklatant gegen die Sicherheitsauflagen der Versicherung verstoßen. Weder ist der Transport per GPS verfolgt worden, noch war ein zweites Begleitfahrzeug mit einem bewaffneten Fahrer eingesetzt, wie es bei Transporten mit Werten von mehr als drei Millionen Euro zwingend vorgeschrieben ist. Auch sonst hätten die Fahrer viele Freiheiten gehabt, weshalb niemand von der Firma tatsächlich hätte eingreifen können.

Die Verteidiger forderten für die Fahrer und einen vom Staatsanwalt als Hintermann qualifizierten Angeklagten jeweils zwei Jahre auf Bewährung. Für die beiden anderen Angeklagten lautete das geforderte Strafmaß auf drei Jahren und acht Monaten und drei Jahren und drei Monaten. Das Urteil wird am 23. November verkündet.

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