Verhandlungen bei Evobus um Standortpaket laufen weiter

Daimler will die Fertigung in Neu-Ulm straffen. Die Gespräche mit dem Betriebsrat dauern an. Die neuen Zahlen sind gut, allerdings nicht so sehr für Reisebusse.

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Buschef Hartmut Schick mit dem brandneuen Setra-Doppeldecker aus der aktuellen Fahrzeug-Generation der Topclass.  Foto: 

Bei dem zu Daimler gehörenden Omnibushersteller Evobus gehen die Verhandlungen um ein Standortpaket weiter. Der Chef für Daimler-Bussse, Hartmut Schick, sagte bei einer Konferenzschaltung, man wolle eine „saubere Lösung“ für die so genannte Zielbild-Vereinbarung (wir berichteten) mit dem Betriebsrat erzielen. Die Ergebnisse seien nach der Sommerpause zu erwarten.

Schick zeigte erneut Verständnis dafür, dass die Veränderungen mit Umstellung der Produktion zu Ängsten in der Belegschaft führen. Das Daimler-Unternehmen Evobus beschäftigt in der Bus-Montage in Neu-Ulm etwa 3900 Mitarbeiter. Die Neuorganisation der Fertigung sieht vor, dass die bisher eher handwerklich ausgerichtete Produktion auf nur noch ein einziges Montageband umgesteuert wird – das aber in den Augen von Kritikern eher wie ein Flaschenhals wirkt und auch wegen industriell durchrationalisierter Taktzeiten die Fehlerbehebung erschwert. Es müssen auch 300 Zeitarbeiter gehen.

Die Standortsicherung soll zu deutlichen Effizienzgewinnen führen. Als Gegenleistung für Zugeständnisse der Belegschaft will Schick die 2018 auslaufende Standortsicherung verlängern. Er betonte erneut, Daimler sei der einzige Bushersteller, der noch in Deutschland produziert – nicht nur im Werk für Reisebusse der Marken Setra und Mercedes in Neu-Ulm, sondern auch am Stadtbus-Standort Mannheim.

„Hervorragende Perspektive“

Während Mannheim auch mit dem jüngsten Großauftrag über 600 Citaros für Riad exzellent ausgelastet ist, gibt es in Neu-Ulm im Herbst mindestens 46 Schließungstage, an denen die Belegschaft also mangels Aufträgen zu Hause bleiben muss. Schick sagte, dieser Zyklus sei bei Reisebussen normal, man könne dies mit Überstunden ausgleichen.

Das Neu-Ulmer Werk hat aus seiner Sicht eine „hervorragende Perspektive“, zumal mit dem neuen Setra-Doppelstockbus die ganze Produktpalette modernisiert worden sei. Derweil hat die Bussparte sowohl im zweiten Quartal als auch im ersten Halbjahr bei Absatz und Umsatz zugelegt. Im Inland war der Zuwachs von April bis Juni mit zwölf Prozent zweistellig (siehe Infokasten).

Quartal Die Sparte Daimler Buses hat im zweiten Quartal bei den Stückzahlen um acht Prozent auf 7504 Einheiten zugelegt. Komplettbusse in Westeuropa gingen leicht um 2 Prozent zurück, dagegen legten Fahrgestelle in Lateinamerika stark zu.

Ebit Der Produktmix war also schwächer, so stieg der Umsatz nur um 3 Prozent. Das Ergebnis (Ebit) ging auf 64 Millionen Euro zurück. Rendite: 5,5 Prozent, Ziel: 6 Prozent. Belastend war außerdem der Rückgang bei Reisebussen in der Türkei um 60 Prozent.

Halbjahr Im ersten Halbjahr legte der Umsatz um fünf Prozent auf rund zwei Milliarden Euro zu. Der Absatz verbesserte sich um zehn Prozent auf 12 908 Stück, das Ebit um zwei Prozent auf 129 Millionen Euro. Renditeziel erreicht: 6,3 Prozent.

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Kommentare

27.07.2017 17:14 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Begründete Ängste”””

Meinem ehemaligen Büronachbarn am SOFI, der heute dem wissenschaftlichen Beirat der Hans-Böckler-Stiftung vorsitzt und zugleich davon unabhängig Direktor des Instituts ist, teilte ich bereits vor Wochen schriftlich mit, dass die besagte Verpflichtung ihrer Angehörigen auf einen nahezu reinen Naturalismus auf direktem Weg in die Irre führt. Dessen anhaltendes Stillschweigen und der Verzicht auf einen Einspruch im Angesicht meiner Bitte, darin innezuhalten, weist zumindest deren Forschungsförderung in die Schranken und schützt sie vor Beliebigkeit. Ob allerdings sich alle daran ausrichten, muss sich erst noch zeigen. Mithin ist zu erwarten, dass welche sich dazu anschicken, Prof. Dr. Berthold Vogel (vulgo: Berti) über alle Maße hinweg zu spotten und sich letztlich von der Treue zur Verfassung Artikel 5 Absatz 3 Satz 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland frontal zuwider selbst zu entbinden. Die Belegschaft im Neu-Ulmer Werk der EvoBus GmbH und der von ihr gewählte Betriebsrat sind dann außerstande, die Gespräche zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen, weil sie bei unveränderten Bedingungen dazu verdonnert sind, bis zum Sankt Nimmerleinstag mit der Geschäftsleitung verhandeln zu müssen. Falls Ergebnisse nach der Sommerpause erzielt werden, wie die SÜDWEST PRESSE vorausschauend schreibt, gilt es ab jetzt, sich von dem Unfug schleunigst zu verabschieden.

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27.07.2017 15:39 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Begründete Ängste””

Die unter der EvoBus-Belegschaft herrschenden Ängste sind infolge des seltsamen Fehlverhaltens von Teilen der Frankfurter Gewerkschaftsspitze, das allen voran die Hans-Böckler-Stiftung aus unerfindlichen Gründen heraus bis heute stützt, deswegen in der Tat nachvollziehbar, wie Herr Schick zu verstehen gibt, und nicht im Mindesten paranoid, wie psychiatrisch unerfahrene Ärzte eventuell mutmaßen und sie fälschlich als behandlungsbedürftig inkriminieren. Ließe der Erste Vorsitzende, Hofmann, in den eigenen Reihen die sittlich vom Souverän gebotene Vernunft als erinnerte Natur walten, bestünden sogar Aussichten darauf, dass die illegitimen Einschränkungen der Entfaltung von an die jeweilige Person gebundener Potenziale brechen und anschließend eine Lösung zur Frage der Umstrukturierung augenblicklich in erreichbare Nähe rückt. Wenn man so will, könnte die Kritik geübt werden, dass massive Interessen Dritter den Diskurs versperren und die in Rede stehenden Zeitgenossen dabei keinerlei Scheu kennen, "jene Grenzen zu überschreiten, die dem Menschen gesetzt sind" (Spaemann, 2002: 9), nur um solch einen kaum mehr sagbaren Frevel als vermeintlich heldenhafte Befreiung von den Ketten des Lohnarbeiterdaseins auszugeben.

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27.07.2017 13:16 Uhr

Antwort auf „Begründete Ängste”

Damit die geänderten Voraussetzungen sozialer Effizienz notwendig erfüllt werden und die dafür unabdingbare Restrukturierung industrieller Arbeit nicht gleichsam ins Blaue hinein erfolgt, ist eine Orientierung sämtlicher Maßnahmen an theoretisch angeleitet und empirisch kontrolliert erhobenen Befunden unerlässlich. Ohne eine dementsprechende Berücksichtigung der einschlägig dazu angestellten Grundlagenforschung ist ein sinnvoller Austausch zwischen der Geschäftsleitung der EvoBus GmbH und dem Betriebsrat nicht denkbar. Sollen also die Gespräche fruchten, kommen beide Seiten nicht umhin, längst unabweisbar auf dem Tisch liegende Erkenntnisse als solche endlich wahrzunehmen anstatt sie in einem ungeheuren Anflug eines zutiefst umnachteten Geistes von demselben zu wischen. Insbesondere manche beim Vorstand der Industriegewerkschaft Metall als auch bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung tätige Dritte sind angesichts dieser hohen Anforderungen äußerst schlechte Ratgeber. Es wäre nicht das erste Mal, dass sie verboten eigenmächtig ideologischen Versatzstücken den ihnen nicht gebührenden Vorrang einräumen und dadurch auf dem Rücken ihrer eigenen Mitgliedschaft völlig belanglose, aber überaus kräftezehrende Konflikte gewaltsam austragen möchten, die sich von vornherein lediglich im Nichts verflüchtigen können.

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27.07.2017 10:41 Uhr

Begründete Ängste

In der breiten Öffentlichkeit mag zwar die Frage, zu welchen Bedingungen menschliche Arbeitskraft im Betrieb zu verausgaben ist, auf zunehmend größeres Desinteresse stoßen. Für ihre Träger ist sie jedoch keineswegs trivial zu handhaben. Schon der Versuch, sie erschöpfend zu beantworten, gehört zweifelsfrei zu den anspruchsvollsten Vorhaben eines privatwirtschaftlich geführten Unternehmens. Die Gespräche mit dem Betriebsrat im Neu-Ulmer Werk der EvoBus GmbH zur anstehenden Restrukturierung industrieller Arbeit sind deshalb von Beginn an beispielgebend für andere Firmen in der Region. Entscheidend bleibt, dass sie von Erfolg gekrönt sind. Ansonsten geht die Wettbewerbsfähigkeit nicht allein der Tochter der Daimler AG für immer verlustig. Die Fertigung von Reisebussen in hiesigen Gefilden würde von vornherein unmöglich; wobei es keine Alternative gäbe, sie an andere Orte zu verlagern, weil dort die Verhältnisse noch unwägbarer wären. Die organisatorisch, arbeitspolitisch und technologisch zu ergreifenden Maßnahmen bestimmen demnach, ob künftig die Anlagen bloß auf Verschleiß gefahren werden oder ob ein nachhaltiges Wirtschaften ermöglicht ist. Es nimmt somit nicht wunder, wenn die dortige Belegschaft sich davor ängstigt, ohne Not ihrer Preisgabe entgegenblicken zu müssen.

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