Vereinsleben: Mitglieder des Billard Clubs Neu-Ulm spielen Pool und Karambol

Zwei Sätze hören die Mitglieder des Billard Clubs Neu-Ulm nicht gern: Billard, "das spielt man bloß in Kneipen" und "das ist doch kein Sport".

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Doch, sagt Annette Neulist, Billard ist Sport. Und wie! "Es verlangt Disziplin, viel Konzentration und Ausdauer." Die kann sogar ausschlaggebend sein bei Turnieren, die sich über Stunden hinziehen. Wer dann gegen Mitternacht noch am fittesten ist, geht oft als Sieger vom Tisch.

Billard ist offiziell als Sport anerkannt, "es gibt ein Regelwerk wie im Fußball", sagt der Vereinsvorsitzende Udo Gleich. Und es gibt sogar einen Ligabetrieb. Der Billard Club Neu-Ulm spielt im Pool Billard mit einer Mannschaft in der bayerischen Landesliga und im Karambol mit je einer Mannschaft in der Landes- und der Bezirksliga.

Die Mannschaften sind buchstäblich Mann-Schaften, Annette Neulist ist die einzige Frau unter den Aktiven im Verein. Sie spielt Pool, also die Billard-Variante mit 15 farbigen Kugeln, die von einer weißen Kugel in Löcher versenkt werden müssen. Pool war vor allem in den 80er und 90er Jahren populär, in vielen Lokalen standen Billard-Tische, fast jeder probierte sich daran mal aus.

Der Kneipen-Sport also. Auch Annette Neulist und der stellvertretende Vorsitzende Mark Winter haben so angefangen. "Am Kneipen-Tisch die Bälle wild rumgeschubst", so beschreibt Annette Neulist ihre ersten Versuche mit Queue und Kugeln. Bei Mark Winter war es ähnlich. "Ich hab' mich regelmäßig mit Kumpeln zum Billard getroffen und Spaß gehabt." Nach einer Weile wollte er mehr. "Ich habe einen Verein gesucht, jemand, der mich ein bisschen weiter bringt."

Seither trainiert er regelmäßig mindestens einmal pro Woche. Wer sein Niveau verbessern und dann halten will, muss dranbleiben, sagt Winter. "Der Übungsaufwand ist relativ hoch." Man lernt durchs Spielen, klar, aber wer weit kommen will, müsse sich auch allein an den Tisch stellen und Stöße üben.

Neben Disziplin, Ausdauer und Konzentration ist beim Billard natürlich Technik wichtig. "Eine gute Hand-Auge-Koordination", sagt Udo Gleich. Beim Stoßen komme es auf eine geradlinige Bewegung an und darauf, den Ball präzise zu treffen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, ergänzt Winter. "Kombinationsgabe und strategisches Denken sind wichtig. Man muss weit vorausplanen können." Entscheidend ist zudem "die Ballphysik": Der Spieler muss wissen, wie er die Kugeln spielen muss, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen.

Schließlich geht es beim Billard darum, möglichst einen erfolgreichen Stoß nach dem anderen zu schaffen und so den Gegner gar nicht erst drankommen zu lassen. Erfolgreich heißt: regelgerecht. Im Pool Billard gibt es unterschiedliche Disziplinen mit unterschiedlichen Regeln. Zum Beispiel: Mal muss ein Spieler alle halben Kugeln, also die mit einem farbigen Streifen, versenken, mal alle Kugeln nach aufsteigenden Nummern.

Im Karambol gibt es diese reiche Auswahl an Kugeln nicht. Gespielt wird nur mit dreien. Sie werden auch nicht versenkt - der Karambol-Tisch hat keine Löcher. Der Spielball wird so gestoßen, dass es zur Karambolage kommt, also beide anderen Kugeln getroffen werden. Auch im Karambol gibt es mehrere Varianten, mal muss keine Bande berührt werden, mal muss über eine oder sogar drei gespielt werden, erklärt Karambol-Spieler Norbert Mikolaschek.

Billard wird nie langweilig, sagt Mark Winter. "Jede Partie ist anders, und ich hab' schon tausende gespielt. Das macht den Reiz aus."

Die Tische des Billard Clubs Neu-Ulm stehen in den Vereinsräumen auf dem Gelände der früheren Nelson-Kaserne gleich hinter der Polizei. Die knapp 50 Mitglieder, Männer wie Frauen, sind stolz auf ihr Vereinsheim und dankbar, dass die Stadt Neu-Ulm es ihnen zu günstigen Konditionen überlassen hat, wie der Vorsitzende Gleich sagt. In den Räumen bieten sich jedenfalls beste Trainingsbedingungen.

Der Vorstand will Billard bei Jugendlichen wieder populärer machen und plant dazu beispielsweise eine Kooperation mit der Peter-Schöllhorn-Schule. Der Club will eine Nachmittagsbetreuung mit Trainer anbieten. Eine tolle Sache, findet auch die CSU-Stadträtin Annette Neulist. Und sie sagt lachend: "Wenn man hier geübt hat, dann kann man in Kneipen richtig Eindruck schinden".

Info Der Billard Club Neu-Ulm in der Hirthstraße 3 auf dem Gelände der ehemaligen Nelson-Kaserne bietet freies Training an: montags und donnerstags ab 19 Uhr. Weitere Informationen unter billard-neu-ulm.de.

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