Vereinsleben: Für jedes Musikstück die Klangfarbe erarbeiten

Noch fünf Jahre und das Ulmer Zupforchester feiert seinen 100. Dabei sind seine Klänge modern und auch die Leidenschaft an der Musik ist ungebrochen; was besonders auch an einem liegt: dem Dirigenten.

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Die Vorsitzende Erika Fuchs spielt seit ihrem 16. Lebensjahr im Verein - erst Gitarre, jetzt schon seit einigen Jahren Mandoline.  Foto: 

Rainer Ungermann dirigiert das Orchester nicht nur, er spielt auch Trompete, Harfe, Kontrabass und Hackbrett zum Spaß - wofür die Musik ja auch schließlich da sei, sagt er.

Eigentlich sei er von Haus aus unmusikalisch, davon war er zumindest immer überzeugt. Bis er als Junge im Musikverein Beimerstetten seine musische Ader entdeckte. Vor knapp zwei Jahren hat der ausgebildete Chorleiter dann beim Ulmer Zupforchester seinen Kontrabass gegen den Dirigentenstab eingetauscht.

Seit 15 Jahren ist Ungermann in dem 1920 als "1. Ulmer Mandolinen- und Gitarren-Club" gegründeten Verein, der sich 1978 in "Ulmer Zupforchester" umbenannte. Zusammengewachsen ist der Verein anfangs durch regelmäßige Orchesterproben, gemeinsamen Aktivitäten und Kontakten zu anderen Vereinen. Schon früh trat er an die Öffentlichkeit mit Konzerten und der Teilnahme an Wertungsspielen.

Bald darauf schloss sich der Verein dem Landesverband Württemberg und dem Bund Deutscher Zupfmusiker an. Insgesamt 16 Aktive zupfen aktuell die aus dem Barock bekannten Instrumente. Auch die Vorsitzende Erika Fuchs spielt seit ihrem 16. Lebensjahr im Verein, erst die Gitarre, dann stieg sie auf Mandoline um. Seit 37 Jahren ist sie im Vorstand und schwärmt von der Veränderung, die der Verein mit dem neuen Dirigenten durchlebt. "Keiner hier hat Musik studiert; der eine macht es besser als der andere, aber seit dem Dirigentenwechsel ist die Leidenschaft zurückgekehrt", sagt sie: Zu den Proben, die jeden Donnerstagabend im Klosterhof stattfinden, erscheinen die Musiker fast immer vollständig mit ihren Mandolinen, Mandolas und Gitarren. Nur ein Kontrabass fehlt, seit Ungermann dirigiert. Und der weiß, dass er die Musiker pflegen muss, so wie man zuhause auch seine Instrumente pflegen müsse. Denn ein Orchester zu leiten sei mehr, als den Ton und den Takt anzugeben. "Wir müssen uns die Klangfarbe und die Klangverteilung erarbeiten, nicht nur die Stücke runterspielen. Erst wenn das verstanden ist, lasse ich spielen", sagt der 53-Jährige. Dazu übt er oft zuhause vorm Spiegel die Einsätze; er müsse eine Sprache finden, die jeder der Musiker versteht, eine Sprache, die Musik zu gestalten vermag. Das schließlich sei der Job eines Dirigenten. Und dafür wird er im Zupforchester geschätzt.

"Mehr Nachwuchs wäre allerdings schön", sagt Fuchs. Denn außer einer jungen Frau, nähern sich die meisten Mitglieder schon dem Rentenalter. Erst neulich habe ein Musiker seinen 90. Geburtstag gefeiert. Dabei sei ihr Repertoire umfangreich: von Folklore über Klassik bis hin zur modernen Filmmusik.

Aktuell kämpfen sie mit La Cucaracha, einem mexikanischen Revolutionslied, das verschiedene Rhythmen hat und schwierig zu zupfen ist. Leider gebe es immer weniger Mandolinen-Lehrer an den Musikschulen, sagt Fuchs, da bleibe der Nachwuchs halt aus. Und Ungermann wünscht sich für die Zukunft des Orchesters ein wenig mehr Internationalität: "Vielleicht neue Mitglieder mit Migrationshintergrund." Ihm schwebt vor, ausländische Klänge mit den schwäbischen zu verknüpfen. Am 25. Oktober hat das Ulmer Zupforchester sein nächstes Konzert, in Beimerstetten, da wo für Ungermann musikalisch alles begann.

Info www.ulmer-zupforchester.de

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