Vereinsleben: Die Donau Diamonds lieben Square Dance

In unserer Sommerserie "Vereinsleben" stellen wir Vereine vor, die sich einem Thema ganz und gar verschrieben haben. Dieses Mal: Square Dance.

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Hoch fliegt der Petticoat beim schwungvollen Square Dance öfters mal.  Foto: 

Rudi war früher Pettipants-Inspektor. „Manche tanzen mit Radlerhosen, das ist natürlich unmöglich“, sagt er und schüttelt den Kopf. Ohne Spitzenhöschen unterm Petticoat geht gar nichts beim Square Dance. Heute macht den Job seine Frau Ilse. Kontrollieren, ob die Tänzer ordnungsgemäß angezogen sind: Das gehört dazu als Sheriff bei den Donau Diamonds, einem von vier Square-Dance-Vereinen in der Region.

Doch dazu später mehr. Erstmal: Square Dance und die Menschen, die ihn tanzen. Die haben nur ein, zwei Sekunden, um zu reagieren und die Figuren auszuführen: den Do sa do, Right and left thru, die Ocean Wave Formation. Wer Square Dance macht, muss nicht nur flott auf den Beinen, sondern vor allem im Kopf sein. Rund 200 verschiedene Figuren gibt es und 4000 Kombinationsmöglichkeiten. „Wir tanzen aber eher auf einem einfachen Level, bei uns sind auch Anfänger willkommen“, sagt Helmut Biberacher. Der Präsident der Donau Diamonds macht seit fast 30 Jahren Square Dance. Entstanden ist er aus den Volkstänzen der Auswanderer in den USA. Die Donau Diamonds gibt es seit 1978, sie wurden von im Wiley stationierten amerikanischen Soldaten gegründet. Bei rund 100 Square Dancern in Ulm und Neu-Ulm haben sie knapp 20 Mitglieder.

An diesem warmen Sommerabend tanzen die Donau Diamonds zusammen mit den Neu-Ulmer Puss’n’Boots im Glacis – und die Zuschauer werden, genauso wie die Autorin, auf die Bühne gezogen und bekommen einen Grundkurs. Square kommt aus dem Englischen und heißt „Quadrat“. Das gibt dem Tanz seinen Namen, weil die Paare – immer vier an der Zahl – zu Beginn im Quadrat stehen. Und dann ist es um einiges weniger folkloristisch, als man sich den Square Dance vorstellt: Ein speziell ausgebildeter Caller ruft oder singt den Tänzern die Figuren zu, ist also dafür zuständig, einen flüssigen Tanz zu choreographieren. Country und Western? Sind dabei sowas von gestern. „Inzwischen geht fast alles“, sagt Biberacher. Highway to Hell zum Beispiel. Oder Pop-Songs von Adele.

Rudi tanzt zwar aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, guckt Ilse aber immer noch gerne dabei zu. Die hat erst kürzlich ihre Röcke ausgemistet, 78 waren es, alle selbstgenäht, „aber es sind immer noch fast 40“. Mehr als 150 Figuren hatten die beiden drauf. Da wird’s schnell mal warm – und jetzt kommt wieder die Kleiderordnung ins Spiel: „Es ist einer Frau nicht zuzumuten, den verschwitzten, haarigen Arm eines Mannes anfassen zu müssen.“ Findet nicht nur Rudi.

Und deshalb müssen Männer Hemden mit langen Ärmeln tragen, dazu schwarze Tuchhose und Bolo Tie, eine Krawattenschnur mit verzierten Enden. Für Frauen gilt: Petticoat mit Pettipants, Bluse und Gürtel müssen sein. Der Mann hat ein kleines Handtuch bei sich, um es der Dame zu reichen oder sich die Stirn abzuwischen. Auch Badges, an der Kleidung angebrachte Clubabzeichen, gehören zum Outfit, mit Name, Verein und Funktion. Kleine Buttons zeigen, in welchen Vereinen man zu Gast war oder besondere Orte, an denen getanzt wurde – zum Beispiel im Stau auf der Autobahn, wie Helmut Biberacher: „Da sind wir einfach aus dem Bus raus, haben eine Kassette eingelegt und los ging’s.“

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Sommerserie: Vereinsleben

Für fast jeden und für fast alles gibt es den passenden Verein. In unserer Sommerserie beschäftigen wir uns mit Vereinen, die sich einem einizigen Thema ganz und gar veschrieben haben; beispielsweise der Zucht von Hunden oder einem bestimmten Tanz.

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