Verein Katzenhilfe: Tiere kastrieren, tätowieren und füttern

Mit herrenlosen Katzen an einem Glascontainer fing alles an. Die Katzenhilfe Ulm/Neu-Ulm kümmert sich seit 25 Jahren darum, dass solche Tiere gefüttert, kastriert, tatöwiert und bei Bedarf behandelt werden.

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Diese jungen Katzen in Einsingen sind etwa fünf Wochen alt, werden aber erst mit zehn Wochen an neue Besitzer vermittelt. Foto: Oliver Schulz

Ein einziges Katzenpärchen kann unter optimalen Bedingungen wie warmen Außentemperaturen in einem Zeitraum von zehn Jahren für mehr als 80 Millionen Nachkommen sorgen. Dann nämlich, wenn es pro Jahr zwei Würfe auf die Welt bringt, von denen jeweils im Durchschnitt drei, manchmal auch nur zwei Tiere überleben, die ihrerseits wieder sehr schnell Junge kriegen können, die dann wieder . . . Das Ganze nennt sich Fortpflanzungspyramide - oder Katzenschwemme.

"Deshalb hilft nur kastrieren", sagt Christine Erbert, erste Vorsitzende der Katzenhilfe Ulm/Neu-Ulm. Diesbezüglich war der Verein "zum Schutz herrenloser Katzen in Not", wie er auch heißt, in den 25 Jahren seines Bestehens schon sehr erfolgreich. In dem Zeitraum wurden pro Jahr etwa 300, also bisher rund 7500 Kätzinnen und Kater kastriert. Auch bei den weiblichen Katzen sagt man inzwischen kastriert, nicht mehr sterilisiert.

Finanziert werden die Rundumpakete des Tierarztes - entwurmen, entflohen, kastrieren, tätowieren oder unter der Haut chippen lassen - "über Spenden und Beiträge unserer aktuell 204 Mitglieder", sagt die zweite Vorsitzende Elisabeth Ziehn. Und über die Vermittlungsgebühren: Eine Kätzin kostet 85 Euro, ein Kater 60, ein Welpe 35 Euro. Zum Glück habe sich das Bewusstsein vieler Landwirte zum Positiven geändert, sagt Elisabeth Ziehn. Katzenbabys beispielsweise zu ertränken, sei längst nicht mehr so gang und gäbe wie früher. "Auch die Bauern kommen auf uns zu, wenn zu viele eigene und meist noch fremde Katzen an der Milchschüssel sitzen."

Darüberhinaus gibt es derzeit 45 wilde Futterstellen mit insgesamt 470 Katzen - in Ulm, Neu-Ulm und dem Alb-Donau-Kreis. Das Futter bringen ehrenamtliche Helfer dorthin, manche zahlen es sogar aus der eigenen Tasche.

So ähnlich hat es vor 25 Jahren angefangen mit dem Verein: Eine Tierfreundin fütterte herrenlose Katzen an einem Glascontainer in Ulm. Als diese immer mehr wurden, schaltete sie eine Anzeige in der Zeitung. "SOS, wer hilft mir, die Tiere zu füttern!" Zwei Frauen meldeten sich, bestanden aber darauf, die Katzen - damals noch mit Obstkisten, heute mit Spezialfallen - einzufangen, kastrieren zu lassen und dort wieder freizulassen, weil sie bereits zu wild waren, um sich noch an eine neue Umgebung zu gewöhnen.

Inzwischen kümmern sich die aktiven Mitglieder so intensiv um die herrenlosen Katzen, dass 95 Prozent von ihnen vermittelt werden können: Wer sich für solch ein Tier interessiert, liest sich die Beschreibungen der einzelnen Katzen auf der Homepage der Katzenhilfe durch. Danach darf er sich das Tier, das ihm zusagt, bei der jeweiligen privaten Pflegestelle anschauen. "Dann muss er noch einmal drüber schlafen", sagt Christine Erbert. Als nächstes bringt ein Katzenhilfe-Mitglied das Tier persönlich in das neue Zuhause, denn die Vereinssatzung schreibt eine "Platzkontrolle" vor. Die Beratung vor Ort werde jedoch stets gerne angenommen.

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