Vegan auf Zeit

Fleischverzicht gehört traditionell zur Fastenzeit. Doch kann man auch auf alle anderen tierische Produkte verzichten? Kein Käse, keine Milch und Eier. Bis Ostern wollen sich unsere Autoren rein vegan ernähren.

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Sie wollen's wissen: Unsere Autoren Uwe Keuerleber und Christine Liebhardt verzichten in den nächsten Wochen auf tierische Nahrungsmittel und essen in der Fastenzeit vegan.  Foto: 
Uwe Keuerleber: Kann Vegan wirklich schmecken?

Ich will es wissen. Die Fastenzeit bricht an, also der beste Zeitpunkt für das Vegan-Experiment. Dann heißt es: Adieu Schinkenpizza, Schweinesteak und Erdbeerjoghurt, willkommen Sojamilch, Tofu und Reiswaffel. Aber kann das wirklich schmecken? Und wie ersetze ich die ganzen anderen Lebensmittel? Eier? Verboten. Käse? Geht auch nicht. Ein knuspriger Toast mit Butter und Marmelade zum Frühstück? Gar nicht dran zu denken. Meinen Kaffee ohne einen Schuss Milch? Gibt es tatsächlich zu allen Lebensmitteln die passenden Alternativen? Und vor allem: Schmecken sie auch und sind sie genau so lecker wie etwa mein Tiramisu oder ein Stück Torte? Die letzten Tage als Nicht-Veganer hab ich mich ausgiebig damit beschäftigt, vegane Kochbücher studiert und im Internet nach veganen Lebensmitteln gesucht.

Zu meiner Verwunderung musste ich feststellen: Veganer ernähren sich nicht nur von Karotten und Sellerie. Wenn man den Kochbüchern Glauben schenken darf, ist die vegane Küche sehr vielfältig und abwechslungsreich. Also kein Grund, auf  kulinarische Genüsse zu verzichten? In der Redaktion kommen schon die ersten mitleidigen Äußerungen. Jeder erzählt, auf was er auf gar keinen Fall freiwillig verzichten kann oder will. Für mich noch mehr Motivation, sich diesem Experiment zu stellen. Etwas leichter dürfte es da schon meine Mitautorin haben, die sich seit fünfzehn Jahren vegetarisch ernährt. Die Umstellung wird sicherlich eine Herausforderung. Was esse ich wann - und wie teile ich mir meine Mahlzeiten ein? Am Wochenende ist das kein Problem, aber die Woche über bin ich den ganzen Tag in der Redaktion und habe keine Möglichkeit, etwas zu kochen. Da muss ich mir schon gut überlegen was ich esse, ohne mit Heißhunger nach Hause zu kommen.

Jetzt werde ich mir eine Einkaufsliste machen und mich mit den wichtigsten Grundnahrungsmitteln versorgen, die ein Veganer so braucht: Tofu, Soja- und Hafermilch, Tempeh, Seitan und Margarine. Exotische Dinge wie etwa vegane "Tintenfischringe" oder "Garnelen" habe ich online bestellt. Wie das Ganze letztendlich schmeckt und welche leckeren Rezepte ich im Laufe des Experiments ausprobiere, kann man in den nächsten Wochen auf dieser Seite nachlesen.


Christine Liebhardt: Mangocreme statt Käsebrötchen

46 Tage ohne Joghurt im Müsli, ohne Milchkaffee, ohne Kartoffelgratin, ohne Sahnetorte oder Honig im Tee. 46 Tage keine tierischen Produkte, also vegan, essen. 46 Tage den Verzicht üben. 46 Tage fasten. Das ist die Aufgabe, die mein Mitautor und ich uns gestellt haben. Und weil ich ziemlich verfressen bin, wird das eine Herausforderung für mich und meine Willensstärke.
 
„Ich könnte das nicht“, sagen viele Freunde, wenn wir über vegetarische oder vegane Ernährung reden. „Ich könnte das schon“, antworte ich dann. „Ich will es nur nicht.“ Nicht dauernd überlegen müssen, was ich essen kann, nicht den Kuchen stehen lassen, den die Kollegen mitbringen, nicht verzichten. Ich esse einfach zu gerne. Ein frisches Brot, dick mit mild gesäuerter Butter bestrichen – himmlisch. Warum man freiwillig Margarine isst, ist mir ein Rätsel.
 
Dabei soll die vegane Lebensweise das reinste Wundermittel sein: Im Chor berichten Veganer davon, dass sie sich noch nie so wach, gesund und energiegeladen gefühlt hätten. Kochbuchautoren schwärmen von reiner Haut und geheiltem Rheuma. Auf der anderen Seite schüren Kritiker gern Panik vor Mangelerscheinungen (Eisen! Eiweiß! Vitamin B12!) oder stellen Veganer als freudlose Existenzen dar, denen jeder Genuss fremd ist („Körnerfresser“). Die Wahrheit liegt wahrscheinlich, wie so oft: irgendwo dazwischen.
 
Tiere esse ich schon seit mehr als 15 Jahren nicht mehr. Vor allem aus ethischen Gründen: Ich will kein anderes, empfindsames Lebewesen essen, wenn es ohne nennenswerten Verzicht auch ohne geht. Aber auch aus einem grundsätzlichen Ekel vor der industriellen Massenproduktion von Fleisch und Fisch unserer Zeit. Mein Mitautor ist überzeugt, dass ich es deshalb leichter damit haben werde, tierische Produkte ganz weg zu lassen. Ich bin mir da nicht so sicher: Milch, Butter, Joghurt, Käse, Eier und Honig gehören für mich zum täglichen Brot, nicht vollkommen unreflektiert, aber doch ziemlich selbstverständlich. Und gerade die Idee, diese Selbstverständlichkeit, mit der wir heute Nahrung konsumieren, zu hinterfragen und für einen festgelegten Zeitraum auf etwas zu verzichten, gefällt mir.
 
46 Tage mit Soja-, Hafer- und Reismilch, mit viel Obst und Gemüse, mit Vanille-Pancakes und Mangocreme statt einem hastig vor dem Computer herunter geschlungenen Käsebrötchen aus dem Automat im Redaktionskeller. 46 Tage ganz neue Rezepte ausprobieren, neue Geschmäcker und Texturen entdecken und mich selbst davon überzeugen, ob Sojajoghurt wirklich so schlimm ist wie sein Ruf. 46 Tage Entdeckungsreise.
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Kommentare

14.02.2013 21:28 Uhr

Antwort auf „Vegan? - Ok für Frauen, aber nicht für Männer!”

Was ist DASS DENN für ein Kommentar? Gerade in den letzten Jahrzehnten haben doch immer mehr seriös durchgeführte wissenschaftliche Studien in den Ernährungswissenschaften, die in den Medien grosse Beachtung fanden, genau das GEGENTEIL gezeigt: Veggies sind im Schnitt gesünder.

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13.02.2013 09:31 Uhr

Antwort auf „Vegan? - Ok für Frauen, aber nicht für Männer!”

Aha ... dafür hätte ich jetzt gerne den Quellenbeleg für diese wissenschaftlichen (und glaubhaften, NICHT von der Fleischindustrie gesponserten) "Untersuchungen" :D

Ich hingegen kann mit ganzen Volksgruppen in verschiedenen asiatischen Ländern kontern, die ihr Leben lang vegan leben … und zwar teilweise länger, als in unserer modernen westlichen Welt. Da braucht es keine Untersuchungen - jahrhundertelange Erfahrungen reichen da aus.

Viele Grüße
Jörg - Mann, vegan, gesund

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13.02.2013 08:22 Uhr

Antwort auf „Vegan? - Ok für Frauen, aber nicht für Männer!”

Aja!?
Das erzählen Sie z.B. mal den Millionen von Menschen die sich ihr Leben lang Vegan ernähren und nicht ungesünder sind als wir mit unseren Freßtempeln Ärzten und Apotheken an jeder Ecke ;)

Mich bestürzt eher, das den Politikern die handvoll Fleischproduzenten mehr am Herzen liegen, als Milliarden unnötig geschundener und geqälter Tiere in Europa.

Geld zählt eben mehr als Tier und Mensch, zumindest bei den Politikern.

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12.02.2013 21:25 Uhr

Vegan? - Ok für Frauen, aber nicht für Männer!

Nun, wenn Herr Keuerleber das nur einige Monate macht, gehts ja noch. Auf Dauer haben aber Untersuchungen bei Männern eine deutliche Häufung von Krankheiten festgestellt, wenn sie sich vegetarisch ernähren - von vegan ganz zu schweigen.
Also, liebe Männer: Lieber nicht..

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Themenschwerpunkt

Das Vegan-Experiment

Verzicht zur Fastenzeit: Von Aschermittwoch bis Ostersonntag wollen unsere Autoren vegan essen, also keine tierischen Produkte verzehren. Hier erzählen sie, wie sie damit zurecht kommen: Von der leckersten Sorte Sojamilch, von Ersatzprodukten wie veganen Tintenfischringen und falscher Ente, von den Reaktionen im Freundes- und Kollegenkreis und natürlich von den besten Rezepten.

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