Urteil in Memmingen: Haftstrafe für Schrecken des Viertels

Zwei Jahre und neun Monate Haft wegen sexuellem Missbrauchs von Kindern: Dazu ist am Donnerstag ein 57-Jähriger verurteilt worden.

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Der Angeklagte war zu Tränen gerührt und verbarg sein Gesicht hinter einem Taschentuch. Nicht, weil er schon ahnte, dass er wenig später wegen sexuellem Missbrauchs von Kindern zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt werden würde. Der 57-Jährige weinte beim Rückblick auf sein verpfuschtes Leben und aus Scham über seine Taten.

 Erklären konnte er weder sich noch den Prozessbeteiligten des Landgerichts Memmingen, wie es so weit kommen konnte, Kinder in seine Wohnung zu locken und sie dort unsittlich zu berühren. Selbst seine Tochter und sein Patenkind blieben von den Übergriffen nicht verschont. Dabei hat er weder Zwang, noch Gewalt ausgeübt, geschweige denn jemanden vergewaltigt. „Er hat sie berührt, wo man ein Kind nicht berühren soll, aber wollte keine weiteren Handlungen“, sagte Verteidiger Heiko Weber, ohne außer Acht zu lassen, dass auch eine Berührung auf der Kleidung kein Kavaliersdelikt ist und dementsprechend zu bestrafen ist.

„Wie soll man jemanden verteidigen, der sich gar nicht verteidigen lassen will“, verwies er auf die Reue des Angeklagten, der die Zeit in der Untersuchungshaft „genutzt hat, um sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und zu erkennen, dass er vor einem großen Scherbenhaufen sitzt, das sein Leben war“. Das Leben eines Abgestürzten, geprägt von Alkoholsucht, Niederlagen und Scheitern bis hin zur zwischenzeitlichen Obdachlosigkeit.

Jungen Opfern Aussage erspart

Wobei der Alkoholnebel keine Entschuldigung für seine Umtriebe ist, aber eine Erklärung des Desasters, das die langjährige Sucht angerichtet hat, was auch der Gerichts-Gutachter so sah. Immer wieder hat ihn der Alkohol aus dem Ruder laufen lassen. Und ihn zum Schrecken des Viertels bei der Grundschule und dem Kindergarten in Offenhausen gemacht, seit bekannt wurde, dass sich dort ein Unbekannter an Kinder heranmacht.

 Der 57-Jährige hatte sämtliche Vorwürfe eingeräumt – und dadurch den Kindern die belastenden Auftritte vor Gericht erspart. „Natürlich ist er zu bestrafen“, sagte Veteidiger Weber. Idealerweise bei einer flankierenden, geschlossenen Entziehungskur: „Er will lieber eine Therapie als Bewährung.“

Dem entsprach die Kammer um Richter Jürgen Hasler und blieb bei dem Urteil drei Monate unterhalb der Forderung der Staatsanwaltschaft.

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