Urban Priols pointenreicher Jahresrückblick

Der Mann hat keine Berührungsängste. So manches Zitat aus der "Bild"-Zeitung fand sich in Urban Priols Programm "Tilt! - Der Jahresrückblick".

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Eine der Schlagzeilen, die Priol bei seinem Gastspiel im CCU genüsslich zitierte: "Kanzlerin regiert mit Krücken", titelte das Boulevard-Blatt nach Angela Merkels Langlauf-Unfall. Das "Loipen-Luder" prelle sich das Becken, und schon sei das eine Überschrift. "Dabei prellt sie uns seit Jahren!" Nicht mal einen richtigen Bruch kriege sie hin, aber so sei die Kanzlerin eben und regiere uns auch so. "Geräuschlos und unaufgeregt werden wir eingeschläfert", erklärte Priol. Das sei auch im Bundestag sichtbar. Dort patsche jeder völlig uninteressiert bei Generaldebatten auf dem Pad oder Handy herum. Hier müsse einmal Shakespeare zitiert werden, um diese Ignoranz aufzubrechen: "Ich kenne euch, als Schuft und Gauner, Speichellecker!"

"Die Welt steht am Abgrund, und wir spielen die Sendung mit der Maut." Dabei gäbe es wichtigere Themen wie die Eurokrise, Bankenmacht, Steuerhinterziehung, Merkels Europapolitik oder die drohende Kriegsgefahr. "Von uns droht aber eh keine Gefahr. Die Bundeswehr erledigt sich dreißig Jahre nach unseren Demonstrationen in der Friedensbewegung selbst. Respekt!" Da könne auch Uschi, die letzte Blendgranate im Munitionsschrank, nichts ausrichten.

Priols Formulierungen sind ebenso kreativ wie treffend und nicht nur der Pointe geschuldet. Urban Priol ist ein Kabarettist von Format, der auch mal fern vom Mainstream stichelt und einen Claus Weselsky lobt, der als Vertreter einer kleinen Einzelgewerkschaft das tue, was er tun müsse. Die NSA und der BND bekommen ebenfalls ihr Fett ab. "Wozu haben wir denn die Geheimdienste, wenn sie nicht vorher wissen, dass die IS Bagdad einnimmt oder bis heute keine Erkenntnisse zum Flug MH17 da sind?" Aber wahrscheinlich parke das Flugzeug auf dem Rollfeld des Berliner Flughafens. "Der letzte Ort, wo man ein Flugzeug vermutet!"

Grandios parodiert Urban Priol die Politikerriege jeglicher Couleur. Fern von jedem Parteibuch zeigt er verbal deren Schwächen und beendet sein Programm mit einem Zitat von Shakespeares King Lear: "Das ist die Seuche der Zeit, wenn Verrückte Blinde führen."

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