Uraufführung im Theaterei-Zelt: "Die Liebeswurzel Mandragola"

Uraufführung im Zelt der Theaterei: Wolfgang Schukrafts Komödie frei nach dem Machiavelli-Stück „Die Liebeswurzel Mandragola“.

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Lustige Neo-Renaissance im Theaterei-Zelt.   Foto: 

Wenn die Renaissance auf die Neuzeit der 1960er Jahre in Florenz trifft, klingt das schon interessant. Und dann noch Machiavellis skurrile Geschichte um die Liebeswurzel Mandragola, die die Frauen zum erfüllten Kinderwunsch führen soll, allerdings den nachfolgenden Liebhaber vergiftet? Das macht neugierig. Und Wolfgang Schukraft ist es tatsächlich mit seiner Nachdichtung gelungen, im Theaterei-Zelt den Geist Machiavellis auf die Bühne zu holen: zeitgemäß und urkomisch zugleich. Er greift dessen Sprachduktus auf, was der spritzigen Inszenierung von Dieter Nelle die Möglichkeit gibt, die Figuren maßlos zu überzeichnen, ohne sie platt wirken zu lassen.

Es ist eine Art Commedia dell‘Arte mit Magd, Dottore und natürlich einem Avvocato samt Ehefrau Lucrezia, die lustvoll auf der Retro-Bühne (Gesine Pitzer und Marie Freihofer) gespielt wird. Natürlich gibt es auch noch einen Komödianten in Schukrafts Stück, den abgebrannten Theaterprinzipal Luigi Capellino, der mit rhetorischem Geschick (fast) alle nach seiner Pfeife tanzen lässt. Grandios von Richard Aigner dargestellt, der überzeugend vom Prinzipal in den Diener oder dickbäuchigen Patre wechselt. Und so viel sei vom Schluss verraten: Hinter einem frömmelnden Wesen (Celia Endlicher als Lucrezia) steckt eine kecke Überraschung.

„Komm ein bisschen mit, nach Italien“, so singt das Schauspiel-Quintett gleich zu Beginn – bravourös von Markus Munzer-Dorn an der Gitarre und Perkussion begleitet –, und schon hier zeigen sich die Charaktere: etwa Colombine (Marion Weidenfeld) als pfiffig-intelligente und recht selbstbestimmte Magd Lucrezias, die weder Frischfleisch noch kleine Rollenspielereien verschmäht. Dann der etwas dümmliche und aufs Geld fixierte Avvocato (Bernhard Bonvicini) und natürlich der junge Edelmann Callimaco (Jonathan Held), durch den die Handlung erst ins Laufen kommt.

Sein Liebeswerben um Lucrezia wird nicht erhört, und er will sich umbringen. Doch Luigi, der schnell merkt, dass mit der richtigen Strategie ein wahrer Goldschatz durch den Edelmann zu erwerben ist, rettet diesen und beginnt seine Spielereien. Verwicklungen und süffisante Szenen tun sich da auf: eine Kinderlosen-Steuer kommt ins Spiel, stinkende Erotica-Essenzen und lüsterne Liebhaber, denn der alternde Avvocato tut fast alles, um endlich einen Stammhalter zu zeugen.

Info Die nächste Aufführungen im Theaterei-Zelt: 13. und 14. Mai.                       

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