Uni Ulm erhält 11,2 Millionen Euro für Sonderforschungsbereich

Die Uni erhält von der Deutschen Forschungsgemeinschaft 11,2 Millionen Euro für die Traumaforschung. Für zunächst vier Jahre wird ein Sonderforschungsbereich eingerichtet. Die Freude darüber ist groß.

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Ein Sonderforschungsbereich (SFB) ist eine Art Sahnehäubchen auf dem mitunter trockenen universitären Alltagsgeschäft. Bekommt eine Uni einen SFB bewilligt, fließt reichlich Geld von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), hinter der Bund und Länder stehen.

Sonderforschungsbereiche sind langfristig angelegte Projekte. Wissenschaftler aus mehreren Disziplinen (oder aus mehreren Universitäten) tun sich zusammen, um gemeinsam zum großen Wurf anzusetzen. Es gilt: Je mehr SFB eine Uni vorweisen kann, desto höher ist ihr Ansehen. Heidelberg ist an 16 SFB beteiligt, Tübingen an 11, an der vergleichsweise kleinen Uni Ulm gab es bisher 5.

Jetzt ist der sechste dazugekommen - entsprechend groß ist die Freude auf dem Oberen Eselsberg. 11,2 Millionen Euro bewilligt die DFG für die Einrichtung eines SFB zur Traumaforschung. Er ist auf vier Jahre angelegt, eine Verlängerung auf zwölf Jahre ist möglich. Hinter dem sperrigen Titel "Gefahrenantwort, Störfaktoren und regeneratives Potenzial nach akutem Trauma" versteckt sich ein Projekt von elementarer Bedeutung: Es geht um Schwerstverletzungen nach Unfällen, die in Deutschland die häufigste Todesursache bei Menschen unter 45 Jahren sind und die Gesundheitskosten von fast 30 Milliarden Euro im Jahr verursachen.

Von Ulm aus wollen Mediziner und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen untersuchen, wie der Körper auf solche Traumata reagiert - und wie optimale Therapien der Zukunft aussehen können. Insgesamt 18 Kliniken und Institute sind mit von der Partie, hauptsächlich Mediziner, aber auch Chemiker und Biologen. Zwar legt die Uni schon seit Jahren einen Schwerpunkt auf die Traumaforschung. "Im neuen SFB wird er aber institutionalisiert und damit intensiviert", sagt Prof. Anita Ignatius, stellvertretende Sprecherin des SFB und Leiterin des Instituts für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik. "Wir wollen die Reaktionen des Körpers auf schwere Verletzungen erforschen - sie reichen von der Hemmung von Heilungsprozessen bis hin zum Organversagen", sagt Prof. Florian Gebhard. Der Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie koordiniert als SFB-Sprecher das Forschungsvorhaben und weiß: "Wenn Menschen schwer verletzt werden, ist das oft mit erheblichen Komplikationen verbunden."

Drei Schwerpunkt-Themen gibt es. Das erste behandelt die Rolle individueller Faktoren beim Patienten: insbesondere dessen Vor- und Begleiterkrankungen. Im zweiten Schwerpunkt gehen Forscher der Frage nach, inwieweit sich durch Verletzungen ausgelöste Prozesse auf molekularer Ebene beeinflussen lassen. Das dritte Forschungsfeld widmet sich der Entwicklung wirksamer Trauma-Therapien. Etwa: Können posttraumatische Entzündungsprozesse durch den Einsatz von Stammzellen kontrolliert werden? Oder: Wie kann man Wundheilung individuell fördern?

"Dass unser Antrag trotz der großen Konkurrenz kaum gekürzt wurde, zeigt: Wir haben die Schwerpunkte richtig gesetzt", sagt Prof. Markus Huber-Lang, ebenfalls stellvertretender SFB-Sprecher und Leiter der klinischen Forschergruppe zur Trauma-Immunologie. Besonders stolz sei man, dass Ulm den Antrag alleine - also ohne Schützenhilfe einer weiteren Uni oder einer außeruniversitären Forschungseinrichtung - durchbekommen habe, ergänzt Ignatius. Erste Reaktion auf die Bewilligung? "Wir haben in unserem Institut eine Flasche Sekt aufgemacht."

Und noch ein Projekt zur Traumaforschung

Kooperation Ein Förderbescheid kommt selten allein. Als wenn die Bewilligung des 11,2 Millionen Euro schweren Sonderforschungsbereichs (SFB) zur Traumaforschung nicht genug wäre, können Forscher der Uni und ihre Kooperationspartner vom Bundeswehrkrankenhaus noch einen weiteren Erfolg verbuchen. Das Projekt "Entwicklung regenerativer Therapiekonzepte zur Behandlung von erworbenen Gewebedefekten" hat eine Förderzusage vom Sanitätsamt der Bundeswehr in Höhe von 1,5 Millionen Euro erhalten. Es geht - ähnlich wie beim SFB - darum, die Folgen traumatischer Verletzungen auf molekularer und zellulärer Ebene zu erforschen und neue Therapien für Verletzungen von Knochen, Knorpel, Haut und Nerven zu entwickeln. Insgesamt arbeiten dabei acht Abteilungen der Ulmer Universitätsmedizin mit dem BWK Ulm zusammen.

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