Uni-Klinik: Mehr als sechs Millionen Euro Verlust

Klinikchefs aus Ulm und dem Umland schlagen Alarm. Die Unterfinanzierung treibe Krankenhäuser in die Schuldenfalle und gefährde die Versorgung. Die Uni-Klinik macht trotz Sparkurses erneut Millionenverluste.

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Vermeldeten zum zweiten Mal in Folge ein Defizit von gut sechs Millionen Euro: die Klinik-Chefs Rainer Schoppik (links) und Reinhard Marre.  Foto: 

Die Uni-Klinik kommt nicht aus den roten Zahlen. Trotz erheblicher Sparbemühungen in den vergangenen zwölf Monaten hat das Klinikum 2012 im zweiten Jahr in Folge ein Defizit eingefahren: mit 6,6 Millionen Euro sogar ein höheres als 2011 (6 Millionen Euro). „Wir sind chronisch krank.“ Diese Diagnose stellte gestern kein Geringerer als Prof. Reinhard Marre. Für den Leitenden Ärztlichen Direktor der Uni-Klinik ist allerdings auch klar: „Es liegt nicht an Managementfehlern, sondern am System der Krankenhausfinanzierung.“

Marre sang sein Klagelied nicht als Solitär. Zur Pressekonferenz auf dem Oberen Eselsberg waren auch die Direktoren und Geschäftsführer von Krankenhäusern aus dem Alb-Donau-Kreis sowie aus Aalen und Heidenheim erschienen. Alle forderten die Verantwortlichen in der Politik auf, das Finanzierungssystem, das die Kliniken in die roten Zahlen treibe, zu ändern oder, wie Reiner Genz, Geschäftsführer der Klinik Heidenheim es formulierte: „Der Kostendeckel erdrückt uns.“

Steigende Kosten, Investitionsstau und teure Notfallversorgung

Als Hauptgründe für die Finanzmisere nannte Marre stetig steigende Kosten und einen Investitionsstau. Seit 2006 seien die mehr als 60 Prozent der Ausgaben ausmachenden Tariflöhne an deutschen Krankenhäusern um 15,9 Prozent gestiegen, die Beträge, die Krankenhäuser für ihre Leistungen erhalten, aber nur um 8,7 Prozent. Hinzu kämen stark gestiegene Energie- und Verbrauchsgüterkosten. „Wir tun, was wir können, aber die Schere geht von Jahr zu Jahr weiter auf.“ Weil sich das Land auch bei Investitionen zurückhalte und Kliniken dringend notwendige Neuerungen oder Neubauten zunehmend selbst finanzieren müssten, entstehe zusätzlicher Kostendruck. Marres Fazit: „Der Kittel brennt.“

Uni-Kliniken seien zusätzlich mit weiteren Kosten belastet, sagte Rainer Schoppik, Kaufmännischer Direktor der Ulmer Klinik. „Wir stellen für die Notfallversorgung rund um die Uhr hochqualifiziertes Personal und hochtechnisierte Medizin zur Verfügung.“ Dieser Aufwand werde im Finanzierungssystem nicht berücksichtigt, ebenso wenig die Kosten für die Aus- und Weiterbildung von Ärzten (siehe Info).

Marre kündigte für den 29. April eine „Regionalkonferenz“ mit Vertretern sämtlicher regionaler Krankenhäuser an. Dazu wolle man Politiker einladen und mit den Bundes- und Landtagsabgeordneten ins Gespräch kommen, „wie sie sich den Weg aus dem Dilemma vorstellen“.

Weitere Ausgliederungen wahrscheinlich

Allzu optimistisch ist der Klinikchef nicht. Sollte die chronische Unterfinanzierung anhalten, hält er mehrere Szenarien für wahrscheinlich respektive unumgänglich: So werde die Uni-Klinik nicht umhin kommen, weitere patientenferne Bereich – etwa die Küche – auszugliedern und die Leistungen von außen günstiger einzukaufen. Zudem müsse man Investitionen zurückfahren und die ohnehin schon unter der Arbeitsverdichtung ächzenden Mitarbeiter „noch effizienter und noch flexibler“ einsetzen. Dass dies letztlich zu Lasten der Patienten gehen wird, sieht Marre wohl. „Noch sind wir qualitativ auf einem guten Stand. Ihn zu halten, wird schwierig.“

Weiterer Stellenabbau ist Rainer Schoppik zufolge nicht geplant. Man habe im Jahr 2012 „mit Augenmaß“ gespart und etwa 25 Pflegestellen abgebaut. „Wir werden an diesen Einsparungen festhalten, sie aber nicht verstärken.“

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Kommentare

08.03.2013 16:02 Uhr

Länger leben

Nun, das 'länger leben' hat sicher auch mit dem Stress zu tun, den auch die Arbeitgeber auf die Beschäftigten ausüben.

Da braucht man eben ein gutes Gesundheitssystem, um die Folgen auszubügeln.

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08.03.2013 09:31 Uhr

Vielleicht mal ein Blick

nach Skandinavien, wo es weniger Ärtze und Apotheken gibt, und die Kliniken nicht immer den neuesten hochmodernen technischen Schnickschnack anschaffen und unterhalten.

Gut, das hat natürlich den imens großen Nachteil, das die Menschen dort länger leben ;)

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