Uni-Arzt muss wegen Handel und Herstellung von Dopingmitteln lange in Haft

Zu drei Jahren und acht Monaten Haft hat das Landgericht Memmingen einen Sportmediziner verurteilt, dem es "hohe Skrupellosigkeit" vorwirft.

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Gegen Ende ihrer ungewöhnlich lang und detailliert vorgetragenen Urteilsbegründung nahm sich die Vorsitzende Richterin Brigitte Grenzstein gestern Vormittag die Verteidigung vor. Deren im Prozess wegen Herstellung von und Handel mit Dopingmittel fortwährend erhobener Vorwurf einer tendenziösen Polizeiarbeit sei "unsachlich" und "entbehre jeder Grundlage". Der Arzt sei verpfiffen worden, woraufhin die Kriminalpolizei dessen kriminelle Machenschaften aufgedeckt habe: "sorgfältig, objektiv und akribisch".

Bereits zuvor hatte die Richterin keinerlei Zweifel an der Schuld des Angeklagten gezeigt. Der habe ein erhebliches kriminelles Geschick bewiesen und eine hohe Skrupellosigkeit gezeigt. Es sei jedenfalls "völlig zweifelsfrei", dass der 39-jährige Sportmediziner in einem Heimlabor größere Mengen anaboler Steroide hergestellt hat, um sich eine zusätzliche Einkommensquelle zu schaffen. Denn Geld sei dem Arzt stets wichtiger gewesen als seine Patienten, sagte die Richterin unter Verweis auf abgehörte Telefongespräche. Er habe eine erschreckende Einstellung zu seiner Arbeit gezeigt und keine Skrupel gehabt, wenn es um die Erschließung neuer Geldquellen ging.

Schon früh nach seinem Wechsel von Köln an die Universität Ulm sei er unzufrieden mit seiner Tätigkeit als Assistenzarzt gewesen und habe sich sehr abfällig über Ärzte, Pflegepersonal und Patienten geäußert. Wie die Richterin weiter ausführte, habe der Jungarzt alsbald Vertretungsdienste in zum Teil weit entfernt liegenden Kliniken angenommen, was er seinem Arbeitgeber an der Uni Ulm allerdings verschwiegen hat. Er führte ein Doppelleben als Arzt, ging ins Fitnessstudio um gezielt Muskelmasse aufzubauen, besuchte häufig Prostituierte in Bordellen der Region, zockte bei Sportwetten und versuchte sogar, an der Börse zu immer mehr Geld zu kommen.

Um dieses hohe Pensum auszuhalten, habe er sich selbst mit Medikamenten aufgeputscht und wieder beruhigt. Nach Darstellung des Gerichts gründete er 2012 eine eigene Firma, bestellte über eine chinesische Adresse in Shanghai die teilweise verbotenen Grundstoffe wie Testosteron, Nandrolon und Trenbolon und stellte schließlich anabole Steroide her. Und zwar eindeutig, um gewerbsmäßig Geld zu machen, wie das Gericht festhielt, dass es als erwiesen ansieht, dass der Arzt größere Mengen an zwei Abnehmer in der Body-Builder- und der Rocker-Szene verkaufte.

Im Wesentlichen habe er das in einem Geständnis zugegeben, sagte die Richterin, wenngleich die Einlassung, dass er alles nur zu Forschungszwecken und nicht zum Verkauf hergestellt habe, ein einziger "Konstrukt" und nicht glaubwürdig sei. Zumal diese Einlassung erst am 14. Verhandlungstag nach sehr grundlegender Beweisaufnahme erfolgte. Das sei schon alles völlig unglaubhaft, sagte Grenzstein. Mit seinem Urteil blieb das Gericht weit unter der Forderung der Staatsanwältin, die sechs Jahre und drei Monate Haft gefordert hatte.

"Sehr verwundert" zeigten sich nach der Urteilsbegründung derweil die Verteidiger Ralph E. Walker und Oliver Bauer. Das Gericht stütze sich allein auf Indizien und könne keine einzige Verkaufshandlung belegen. Ob sie Revision einlegen werden, wollen sie erst einmal mit ihrem Mandanten besprechen.

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