Unheimliche Blau

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„Es war einmal vor vielen, vielen Jahren. . .“, fängt die Geschichte an, in deren Verlauf zwei Söflinger sich einen minutenlangen Kampf in der hüfthohen Blau im Klosterhof liefern. „Dieses Jahr könnte man schon fast von Hochwasser sprechen“, sagte Uwe Briese bei der Generalprobe zur Gauga Ma-Sage, die von der gleichnamigen Gruppe der Narrenzunft Ulm im Zwei-Jahres-Rhythmus anschaulich nacherzählt wird.

Pünktlich zur Aufführung am Mittwoch wurde die Blau dann vom Wasseramt zurückgestaut, damit die vielen Schauspieler am Ufer der „Pferdetränke“ im Klosterhof genügend Platz für ihr Narrenspiel hatten. Die 1993 entstandene Figur des Gauga Ma ist dem Handbuch alter Söflinger Sagen entnommen. In den Niederungen des Flusses Blau, der durch Söflingen fließt und in diesem Abschnitt auch Gauga genannt wird, tauchte der Erzählung nach der gefürchtete Gauga Ma auf, eine Schreckgestalt, die die Kinder und Bewohner Söflingens durch Zaubermacht und bei Mondschein ins Wasser lockte und zu seinesgleichen machte. Daher auch der für Söflinger bekannte Spruch: „Gang net näh ans Wasser na, sonscht holt di dr Gauga Ma.“

„Und als ich und Stefan Sachs hier eines nachts vorbeikamen, nicht mehr ganz nüchtern, dachten wir: Eigentlich sollten wir unserer Gruppe die aus der Sage hervorgegangen ist, auch ein anschauliches Gesicht geben“, erzählt Rainer Eichhorn die Idee zur Aufführung. Nun steigt er seit 1996 in seinem Gauga Ma-Kostüm ins kalte Nass, um Briese, der den unvorsichtigen Zimmermann spielt, zu sich in die Strömung zu ziehen. „Tatsächlich ergibt sich die Choreografie des Kampfes aus der Strömung“, sagt Eichhorn.

Wirklich nass werden die Darsteller dabei aber nicht, denn sowohl Eichhorn, Briese und auch Stefan Sachs, der eine kleine Nebenrolle in dem zu dieser Jahreszeit nicht ganz so blauen Bach spielt, tragen eine Fischerhose über ihrem Kostüm. „Aber keine Thermohose“, sagt Briese, zeigt mit dem Zeigefinger und Daumen einen kleinen Abstand an und sagt: „So kalt ist es in der Blau. Ein richtiger Gauga Ma hält das aus.“

Auch die Kinder, die als Schauspieler in das Stück miteinbezogen sind, halten die Vorstellung und Darstellung der Schreckgestalt aus. „Obwohl“, sagt Elfriede Sachs, die die Rollen mit den Jüngsten eingeübt hat, „als eben der Gauga Ma aus dem Wasser geraunt hat: Ich hol euch alle hier rein, wollte ein dreijähriges Mädchen vor lauter Angst nicht mehr mitspielen.“ Prinzipiell gebe es aber keinen Grund zum fürchten, sagt Markus Weber von der Narrenzunft Ulm, der mit der Gruppe „Dr Sevelinger Bauza“ in den ungeraden Jahren den Narrenbaum in der Ortsmitte aufstellt, „schließlich sind das ja alles Kinder aus der Zunftgruppe, die kennen die Kostüme ja“.

Nach dem Schauspiel zur Einstimmung auf das närrische Treiben in den kommenden Tagen, ging es in voller Montur und gemeinsam mit den befreundeten angereisten Hästräger-Gruppen traditionell zu einer Söflinger-Kneipen-Rallye.

Info
Am Donnerstag um 17 Uhr wird die Narrenzunft das Rathaus stürmen, um dann von 19.30 Uhr an Weiberfasnet im Kornhaus zu feiern. Morgen findet um 19.30 Uhr im Kornhaus der große Hemdglonkerball statt.

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