Umzug wie am Schnürchen

Bei laufendem Betrieb ist die Uni-Chirurgie vom Altbau am Safranberg in den Neubau auf dem Oberen Eselsberg gezogen. 118 Patienten wurden binnen viereinhalb Stunden verlegt – viel schneller als geplant.

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  • Bei laufendem Betrieb ist die Ulmer Uni-Chirurgie am Freitag vom Altbau am Safranberg in den Neubau am Oberen Eselsberg gezogen. 118 Patienten wurden innerhalb 5 Stunden verlegt - ohne Zwischenfälle. 1/2
    Bei laufendem Betrieb ist die Ulmer Uni-Chirurgie am Freitag vom Altbau am Safranberg in den Neubau am Oberen Eselsberg gezogen. 118 Patienten wurden innerhalb 5 Stunden verlegt - ohne Zwischenfälle. Foto: 
  • Freitagmittag, kurz nach halb eins: Alle Patienten sind in die neue Chirurgie verlegt, der Klinikstandort Safranberg ist Geschichte. 2/2
    Freitagmittag, kurz nach halb eins: Alle Patienten sind in die neue Chirurgie verlegt, der Klinikstandort Safranberg ist Geschichte. Foto: 
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Dass es so glatt laufen würde, damit hatten selbst größte Optimisten nicht gerechnet. Um 16 Uhr, so die Planung, sollte der letzte Patient aus der alten Chirurgie am Safranberg in den Neubau auf dem Oberen Eselsberg verlegt worden sein. Doch schon um 12.20 Uhr meldete das Lagezentrum Vollzug. Was vor allem an der im Vergleich zu den Prognosen deutlich geringeren Patientenzahl lag. 118 statt der erwarteten 170 Patienten und damit weniger als ein halbvolles Krankenhaus galt es gestern an den neuen, fünf Kilometer entfernten Standort zu bringen. Nach Worten des Leitenden Notarztes am Oberen Eselsberg, Dr. Ulrich Ehrmann hatte man im Vorfeld bewusst eine höhere Zahl Intensivpatienten einkalkuliert, „sicher ist sicher“. Minderschwere Fälle waren schon am Donnerstag entlassen worden.

Gleichwohl war der Transport eine organisatorische Mammutaufgabe, die eine Lenkungsgruppe aus Mitgliedern von Klinik, Deutschem Roten Kreuz, Technischem Hilfswerk, Stadtverwaltung und Polizei ein halbes Jahr beschäftigt hatte. 38 Krankenwagen standen seit 7 Uhr bereit, um die Patienten abzuholen, Intensivfälle wurden von einem Notarzt begleitet. Zudem hatte jeder Patient einen persönlichen, am grünen T-Shirt zu erkennenden Betreuer zur Seite gestellt bekommen – je nach Schwere der Erkrankung eine Pflegekraft oder eine Schülerin der Akademie für Gesundheitsberufe – der für ihn packte und ihn ins neue Zimmer brachte.

Schon kurz nach acht Uhr ist die Anspannung aus den meisten Gesichtern gewichen, die Stimmung gelöst – was wohl auch am ausnahmsweise guten Wetter liegt. Die 200 vorsorglich bestellten Regenschirme werden nicht benötigt.

Etwa alle zweieinhalb Minuten trifft ein vom Safranberg kommendes DRK-Fahrzeug am Hintereingang der neuen Chirurgie ein, in blaue T-Shirts gekleidete „Streckenposten“ weisen den Rettungssanitätern und -assistenten den Weg ins Innere.

Der erste Patient heißt Michael Berger. Er ist 23, hat sich bei einem Motorradunfall Ende Mai eine schwere Beinverletzung zugezogen, sechs Mal musste er seither operiert werden. Wie der Transport war? „Ein bisschen holprig, aber erträglich“, sagt er. Wenig später wird ihn Chirurgie-Chef Prof. Florian Gebhard mit Handschlag begrüßen: „Willkommen, sie sind der Erste.“

Nach und nach werden 84 Liegendkranke, 21 Intensivpatienten und 13 Gehfähige aus sechs chirurgischen Abteilungen in das neue Klinikgebäude verlegt. Sowohl in der alten als auch in der neuen Chirurgie sind derweil hunderte Mitarbeiter im Einsatz, Doppelbesetzung. Seit 7 Uhr werden Notfall- und Ambulanzpatienten im Neubau versorgt. Die letzte Operation am Safranberg beginnt um 10, die erste am Oberen Eselsberg um 12 Uhr.

Gefordert sind neben dem medizinischen Personal auch die Mitarbeiter aus Küche und Serviceteams. Sie sorgen dafür, dass alle Patienten ihr Mittagessen erhalten – am Einzugstag gibt’s ausnahmsweise Einheitskost: Spinatravioli mit Tomatensauce. Beim DRK sind 112 Mitarbeiter im Einsatz, vom Sanitätshelfer aus dem Katastrophenschutz bis zum Rettungsassistenten. Unterstützt werden die Ulmer aus den Nachbarkreisen Neu-Ulm, Biberach, Heidenheim und Göppingen.

Am frühen Nachmittag nimmt das 240 Millionen Euro teure neue Klinikgebäude, das so viel Platz wie vier Fußballfelder bietet, endgültig seinen Betrieb auf. Ab jetzt ist wieder Alltag – fast.

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