Umstrukturierung bei Möbel Mahler

Möbel Mahler will sein Haus im Starkfeld breiter aufstellen und im kommenden Jahr zum ersten Mal Gewinn einfahren. Mehr Qualität ist das Ziel, dabei soll auch ein ausgesprochener Sanierungsexperte helfen. Mit einem Kommentar von Julia Kling: Taten müssen folgen.

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 Möbel Mahler bleibt nur das Haus in Neu-Ulm.  Foto: 
„Wir haben uns komplett neu aufgestellt.“ Mit diesen Worten hat Gerhard Mahler am Donnerstag im Möbelhaus Mahler die Vorgänge der vergangenen Wochen in seinem Unternehmen erklärt. Anstatt Quantität solle jetzt Qualität die Zielvorgabe sein. „In den vergangenen Jahren ging es bei uns um Expansion, Expansion, Expansion“, erklärte Michael Mahler, der für den Standort zuständig ist. Der Wunsch bei den Großen in der Möbelbranche mitzuspielen, habe nicht funktioniert. „Deshalb ist unsere Zukunftsperspektive jetzt: Qualitätsführer in der Region.“ Dafür werden bereits seit einiger Zeit im Hintergrund die Strukturen angepasst.

Der Familienbetrieb sorgte für Schlagzeilen, als er kürzlich die Schließung der Standorte Wolfratshausen und Bopfingen und den Verkauf der Grundstücke an eine Tochtergesellschaft der österreichischen Möbelkette XXX Lutz ankündigte. Der Standort im Starkfeld verbleibt somit als einziges Mahler-Haus.

Ein breiteres Sortiment und Schulungen für die rund 400 Mitarbeiter, damit wollen Gerhard und Michael Mahler das Einrichtungshaus im Starkfeld stärken und nach mehr als zwei Jahren in die Gewinnzone bringen. „Wir hatten in der Vergangenheit das ein oder andere Problem“, räumte der Seniorchef Gerhard Mahler gestern ein. „Die wollen wir jetzt in den Griff kriegen.“ Schwierig gestalte sich die Suche nach guten Mitarbeitern. „Hier herrscht praktisch Vollbeschäftigung“, sagte Mahler Senior. Vom Standort Bopfingen sollen einige Mitarbeiter nach Neu-Ulm wechseln, erklärte Uwe Kern, einer der neu eingesetzten Geschäftsführer.

Neben Kern setzt Mahler seit Jahresbeginn mit Hans-Jürgen Titz als weiteren Geschäftsführer auf einen sanierungserfahrenen Rechtsanwalt aus Planegg bei München. Er ist Experte für Ertragssteigerung und Reorganisation und hilft unter anderem dabei, den kaufmännischen Bereich neu aufzustellen, wie ein Sprecher des Möbelhauses der SÜDWEST PRESSE erläuterte.

Spezielle Markenshops, eine neue Abteilung für Babyzubehör und Kinderzimmer sowie die Verlagerung und Erweiterung der Logistik sollen den Standort voran bringen. So siedelt das Lampenlager vom Lager in der Dornierstraße ins Einrichtungshaus um. Der Kundendienst soll folgen.

„Der Standort ist aus Kundensicht 1a“, sagte Gerhard Mahler. Im laufenden Jahr will das Unternehmen in Neu-Ulm einen Umsatz von 60 Millionen Euro erzielen. Im kommenden Jahr soll mit 70 Millionen die Gewinnschwelle erreicht werden. Zuwächse erhoffen sich Mahlers einerseits durch ein größeres Einzuggebiet. Bislang habe das Marketing für den Standort nördlich von Ulm aufgehört. „Ziel ist es, unser Einzugsgebiet deutlich zu erhöhen und vor allem auch treue Mahler-Kunden etwa aus Heidenheim oder von der Ostalb für das Haus zu gewinnen“, erklärte Michael Mahler. Andererseits soll sich die Beteiligung von XXX Lutz mit zehn Prozent am Einrichtungshaus auszahlen. Nicht nur aufgrund günstigerer Einkaufskonditionen.

Der Bereich Einkauf wird in Zukunft nicht mehr von der hauseigenen Verwaltung, sondern von XXX Lutz geleistet. Die Bereiche Verkauf und Logistik werden von Bopfingen nach Neu-Ulm verlagert. „Andere Bereiche prüfen wir, ob wir outsourcen oder ob wir etwas selber machen“, sagte Gerhard Mahler. Je nachdem was kostengünstiger sei.
 

Konkurrenz vom Branchen-Riesen Ikea

Memmingen
Der schwedische Einrichtungskonzern Ikea plant in Memmingen ein neues Haus zu errichten. Am Autobahnkreuz A 7/A 96 soll das Einrichtungshaus entstehen.

Ulm
Das Unternehmen schafft damit bewusst eine Konkurrenzsituation zu dem 2003 eröffneten Haus in Ulm in der Blaubeurer Straße. „Es ist davon auszugehen, dass sich ein neues Einrichtungshaus in Memmingen auf das bestehende Einrichtungshaus in Ulm auswirken wird“, erklärte eine Sprecherin auf Nachfrage. „Das ist allerdings auch so gewollt.“

Kapazität
Das Einrichtungshaus in Ulm stoße an seine Grenzen, was die Kapazität angeht. Der Standort Memmingen soll in Zukunft Ulm entsprechend entlasten. Grundsätzlich gelte im Konzern die Strategie, dass kein Kunde länger als 40 Minuten zum nächsten Ikea-Einrichtungshaus fahren muss. Mit dem Standort am Autobahnkreuz soll somit der Allgäuer Raum bedient werden.

Konkurrenz
„Wir sehen das sehr entspannt“, sagte Michael Mahler mit Blick auf die Pläne des Konkurrenten. „Ein Vollsortimenter würde uns mehr Sorgen machen.“ Seniorchef Gerhard Mahler befürchtet zwar keine großen Auswirkungen, aber „trotzdem: Jede Biene sticht“.
 

Kommentar von Julia Kling: Taten müssen folgen

Seit mehr als zwei Jahren betreibt Möbel Mahler das Einrichtungshaus im Neu-Ulmer Starkfeld. Kritik an Service und Beratung äußern Kunden beinahe schon genau so lange. Jetzt, nachdem Mahler ab dem kommenden Jahr nur noch das hiesige Haus führen wird, kommt Bewegung in die Sache. Mit Hilfe von Qualifizierungsprogrammen sollen Mitarbeiter geschult werden. Qualität löst Quantität in der Firmenphilosophie ab. Bleibt die Frage: Warum erst jetzt?

Den Reden des Familienunternehmers müssen nun Taten folgen. Denn die Zahlen sprechen bislang noch nicht für Stabilität am Standort. Erst im kommenden Jahr soll das Einrichtungshaus schwarze Zahlen schreiben - welche Maßnahmen der eingestellten Sanierungsexperte noch einbringt, bleibt abzuwarten. Am Standort Wolfratshausen und im Haupthaus in Bopfingen hat man Investitionen verschlafen. Dort halfen nur noch die Schließung der Standorte und der Verkauf der Areale.

Der Seniorchef räumte am Donnerstag ein, dass auch in Neu-Ulm in den vergangenen Jahren der "ein oder andere Fehler" gemacht worden sei. Es bleibt zu hoffen, dass das neue Konzept rechtzeitig entwickelt wurde, die Maßnahmen wirken und sich der erwünschte Aufschwung einstellt. Denn die Ursachen lassen sich nicht nur bei ungenügend geschulten Mitarbeitern finden, sondern auch bei den Verantwortlichen in der Führungsebene.

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