Umbau im Münster läuft: Auf- und Abstieg zum Turm künftig getrennt

Das Münster bekommt einen neuen Zugang: Die Pforte, die derzeit rechts vom Hauptportal liegt, wird bald nur noch Ausgang sein. Der neue Eingang, bei dem auch alte Teile verbaut werden, entsteht links davon. Mit Kommentar von Jakob Resch: Grüß Gott!

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  • Die neue Eingangspforte für das Ulmer Münster bekommt ein Glasdach, damit schon in ihr der Einblick in die Kirche möglich ist. 1/3
    Die neue Eingangspforte für das Ulmer Münster bekommt ein Glasdach, damit schon in ihr der Einblick in die Kirche möglich ist. Foto: 
  • Die neue Münsterpforte nimmt Gestalt an. Der historische Windfang wird von neuen Glaswänden ergänzt. Über den Plänen (von links): Architekt Max Stemshorn, Münsterpfarrerin Tabea Frey und Münsterbaumeister Michael Hilbert. 2/3
    Die neue Münsterpforte nimmt Gestalt an. Der historische Windfang wird von neuen Glaswänden ergänzt. Über den Plänen (von links): Architekt Max Stemshorn, Münsterpfarrerin Tabea Frey und Münsterbaumeister Michael Hilbert. Foto: 
  • Die bisherige Pforte rechts vom Hauptportal. In ihr geht es reichlich eng zu. 3/3
    Die bisherige Pforte rechts vom Hauptportal. In ihr geht es reichlich eng zu. Foto: 
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In der Pforte drängt sich alles: Touristen, die den Münsterturm besteigen wollen oder herunterkommen; Menschen, die einfach so in die Kirche wollen; Spatzen in verschiedenen Variationen, Tassen und andere Andenken, die es zu kaufen gibt. Überlegungen, die "doch sehr beengte Eingangs- und Verkaufssituation zu entzerren", gibt es nach den Worten von Münsterpfarrerin Tabea Frey seit Jahren.

Jetzt werden die Planungen langsam Wirklichkeit. Entzerrt wird die Situation auf unterschiedliche Arten: Zum einen wird es künftig zwei Pforten geben, zusätzlich zu der rechts vom Hauptportal eine neue links davon. Das Portal gibt es, ist aber meistens geschlossen. "Ein Ziel ist es, schon im Eingang zu zeigen, dass wir Kirche sind", sagt Tabea Frey. Die Idee hat Planer und Architekt Max Stemshorn umgesetzt, die Bauleitung hat Anja Stemshorn.

Der Bereich links des Hauptportals lag bislang im Dornröschenschlaf: Dort standen während der Sanierung des Glockenstuhls die Glocken, seither dient er als Lagerplatz für Baumaterial.

Derzeit steht zwar der Bauzaun noch, aber dahinter nimmt die neue Pforte Gestalt an. Sie entsteht in dem in den 1890er Jahren erbauten neogotischen Windfang aus Eichenholz, der dafür vergrößert und noch etwas weiter ins Kircheninnere geschoben wurde. Das bisherige Holzdach wird künftig aus Glas sein und den Blick auf das Kreuzgewölbe der Decke freigeben. Frey: "Damit wird schon in der Pforte die Atmosphäre der Kirche spürbar."

Gleiches gilt für die gläsernen Seitenwände der Pforte. Die sind zwar modern, "nehmen sich aber im Respekt vor der historischen Form zurück und orientieren sich an deren Maßen", beschreibt Max Stemshorn seinen Planungsansatz für das 63 Quadratmeter große Areal, für die es zwar auch ein hochmodernes, sich aber sehr zurücknehmendes Beleuchtungskonzept gibt. Stemshorn: "Dieser Umbau ist der erste große Eingriff in die Innenraumgestaltung des Münsters seit 120 Jahren."

In der Pforte links vom Hauptportal ist künftig der Eingang, dort ist auch der neue Aufgang für die Turmbesteigung. Der Abstieg endet in der alten Pforte. Deshalb wird in absehbarer Zeit auch dort umgebaut: Der Bereich mit den Kasse auf der linken Seite wird kleiner, dafür kommt die bislang dahinter liegende Stube als Verkaufsfläche dazu. Alles in allem ergibt das rund 25 Prozent mehr Fläche für die Pforte.

Das kommt Tabea Frey und den Verantwortlichen im Münster gut zupass: "Wir sind angewiesen auf den Verkaufsshop. Der Erlös fließt in den Bauunterhalt." Außerdem wollen viele Menschen ein Souvenir vom Münster mitnehmen, "und dann ist es uns am liebsten, wenn sie es direkt hier kaufen". Am Ausgang ist der Shop sinnvoll, denn "niemand will die Andenken erst mal mit raufschleppen".

Der Neubau der Pforte oder Pforten ist übrigens ein "Abfallprodukt" aus der Generalsanierung der Elektrik des Münsters, berichtet Max Stemshorn. Deren Gesamtkosten belaufen sich auf knapp 4 Millionen Euro. Die Pforte ist ein Teil davon, weil man dort auch Strom braucht für die Kassenautomaten. Um aber nicht mehr Personal einstellen zu müssen, gibt es in der neuen Pforte einen Kassenautomaten für den Turmaufstieg.

Weil man Kabel im Münster aber nicht einfach so verlegen darf, sondern alle Veränderungen mit dem Landesdenkmalamt absprechen muss, hieß das konkret: Die Leitungen von der Südseite nach oben zu ziehen, über den Orgelboden und dann auf die Nordseite. "Da kommt man schnell auf 90 Meter pro Kabel", sagt Anja Stemshorn. Die Kosten für das Pforten-Projekt belaufen sich auf gut 600.000 Euro.

Wenn jetzt alles nach Plan läuft, könnten die beiden neuen Pforten rechtzeitig zum Weihnachtsmarkt fertig sein. Das hofft zumindest Tabea Frey. Vom Umbau werden nicht nur die Touristen profitieren, sondern auch die Ulmer: "Durch den neuen Eingang ändert sich auch der Weg und die gewohnte Perspektive, somit lässt sich das Gewohnte mal wieder neu entdecken."

Kommentar von Jakob Resch: Grüß Gott!

Willkommenskultur sieht anders aus. Wer das Ulmer Münster besucht oder den Turm besteigen will, hat sich im Gedränge um eine Pforte herum zurechtzufinden, die mehr Verschlag als Empfangsraum ist. Da man es dort gleichzeitig mit den Besuchern zu tun hat, die wieder hinaus wollen, entgeht man bisweilen nur mit Glück einem Schlag von der Schwingtüre in den Rücken oder ins Gesicht. Das allein ist Grund, etwas zu ändern.

Das ist auch schon lange geplant, wie es überhaupt gilt, touristisch auf der Höhe der Zeit zu sein und über den Verkauf von Souvenirs zu punkten, um damit wiederum Geld für den Bauunterhalt einzuspielen. Dafür war man bei der evangelischen Kirche in Ulm sogar schon einen Schritt weiter.

Bis 2008 war vorgesehen, einen Münsterpavillon für den Verkauf neben die Kirche auf den Münsterplatz zu setzen. Das scheiterte wegen Bedenken an der Rentabilität.

Fakt ist, dass 600.000 Besucher im Jahr in der Kirche und auf dem Turm sind. Darauf hat die Münstergemeinde mit einer Touristenpfarrerin, Gästeseelsorge, Führungen, Auskunftspersonal reagiert. 600.000 Besucher sind ein Pfund, mit dem zu wuchern ist; dafür ist das neue Leitsystem der nächste Schritt, auch wenn man damit den schnöden Verkaufsbereich wieder in der Kirche drinnen hat.

Bleibt zu hoffen, dass man den im Windschatten liegenden Eingang findet. Dafür muss der Platz davor - anders als bislang - zumindest immer frei bleiben. In diesem Sinne: Grüß Gott!
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