Ulmer zeigen Flagge für Mesale Tolu

Online-Petition und Gemeinderats-Erklärung: Zwei Wochen vor dem erneuten Prozesstermin gegen die in der Türkei inhaftierte Ulmerin wächst die lokale Solidarität.

|
Am kommenden Samstag gibt es in der KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg eine Veranstaltung, die ausschließlich der Casa Tolu gewidmet ist.  Foto: 

Für die seit sieben Monaten in der Türkei wegen angeblicher „Mitgliedschaft einer terroristischen Vereinigung“ in Untersuchungshaft sitzende Ulmer Übersetzerin und Journalistin Mesale Tolu formiert sich erstmals ein Unterstützerbündnis aus Ulmer Kommunalpolitik und Bürgerschaft.  Am kommenden Samstag gibt es in der KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg eine Veranstaltung, die ausschließlich der Causa Tolu gewidmet ist.

Mit von der Partie sind unter anderem der Gemeinderat, der Arbeitskreis Menschenrechtsbildung, Lehrer des Anna-Essinger-Gymnasiums, an dem Tolu 2006 ihr Abitur gemacht hatte sowie auch Familienmitglieder.  Zudem das lokale Solidaritätsbündnis für Tolu, das im Wesentlichen von Teilen der hiesigen türkisch-kurdischen Community getragen wird und sich bereits seit Anfang Mai mit regelmäßigen Mahnwachen und Demonstrationen für die Freilassung der 33-Jährigen einsetzt.

Unabhängig davon hat Angelika Lanninger, eine von Tolus ehemaligen Lehrerinnen, vor wenigen Tagen eine Online-Petition gestartet. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, bei der türkischen Regierung eine Einstellung des Verfahrens zu erwirken.  Die Petition – bis gestern gab es mehr als 350 Unterzeichner – soll an Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) geschickt werden.

Diplomatisches Geschick

„Wir wissen ja, dass man auf diplomatischem Weg durchaus einiges erreichen kann“, sagte Lanninger auf Anfrage und verweist auf die vor wenigen Wochen überraschend erfolgte Freilassung des ebenfalls in der Türkei inhaftierten Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner. Sie war maßgeblich durch eine Vermittlung  von Altkanzler Gerhard Schröder zustande gekommen.

Im Namen des Ulmer Gemeinderats wird bei der Veranstaltung am Samstag der Ulmer CDU-Fraktionschef Thomas Kienle sprechen. Gerade auch, weil die Türkei zu den Mitunterzeichnern der Europäischen Menschenrechtskonvention gehöre, könne man mit Fug und Recht ein faires Verfahren einfordern.  „Wir erwarten, dass Frau Tolu an Weihnachten wieder Zuhause ist und ihren Sohn Serkan in die Arme schließen kann.“ Als deutsche Staatsbürgerin stehe sie zudem unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes.

Kienle zufolge wiegt der Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung schwer – auch nach deutschem Strafrecht. Bei Tolu  stehe aber selbst laut türkischer Anklage lediglich fest, dass sie in Istanbul als Berichterstatterin Veranstaltungen von Vereinigungen besucht habe, die von der Türkei als „terrorverdächtig“ eingestuft würden. „Selbst wenn Tolu Sympathien für diese Gruppierungen hegen sollte, reicht dies für eine Inhaftierung oder gar Verurteilung nicht aus.“

Der Prozess gegen Mesale Tolu soll am 18. Dezember in Istanbul fortgesetzt werden. Nach einem ersten Verhandlungstermin Mitte Oktober waren mehrere aus dem selben Grund Mitangeklagte freigelassen worden. Damalige Prozessbeobachter wie die Linken-Bundestagsabgeordnete Heike Hänsel (Linke) argwöhnten, dass Tolu allein deshalb nicht frei kam, weil sie Deutsche ist und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan  als Faustpfand dient.  

Veranstaltung Die rund 90-minütige öffentliche Veranstaltung für Mesale Tolu am Samstag, 2. Dezember, beginnt um 14 Uhr in der KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg (Am Hochsträß 1). Weitere Infos: dzok-ulm.de

Petition Die von Angelika Lanninger initiierte Online-Petition findet man im Internet unter weact.campact.de/petitions/sofortige-freilassung-von-mesale-tolu-1

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Der Fall Mesale Tolu

Seit Ende April 2017 sitzt die deutsche und in Ulm geborene Journalistin Mesale Tolu in einem türkischen Gefängnis. Der Vorwurf: „Terrorpropaganda“ und „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Neubaustrecke: Risse im renovierten Haus

Bewohner am Michelsberg haben nach den Sprengungen und Bohrungen Schäden an ihren Häusern gemeldet. weiter lesen