Ulmer Wald wächst über die Kreisgrenze

Der städtische Forst tangiert aufgrund von Flächenzukauf zwölf Gemeinden des Alb-Donau-Kreises. Davon profitieren selbst Beimerstetter Kinder.

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  • Diese 150 Jahre alte Buche aus dem Ulmer Spitalwald wurde auf Dornstadter Gemarkung und in der Nähe des Beimerstetter Waldkindergartens gefällt. Eine Aktion, um die Kooperation zwischen Stadt und Alb-Donau-Kreis zu unterstreichen. 1/2
    Diese 150 Jahre alte Buche aus dem Ulmer Spitalwald wurde auf Dornstadter Gemarkung und in der Nähe des Beimerstetter Waldkindergartens gefällt. Eine Aktion, um die Kooperation zwischen Stadt und Alb-Donau-Kreis zu unterstreichen. Foto: 
  • Oberbürgermeister Gunter Czisch hängt sich rein – und schießt mit der Schleuder ein Seil in die zu fällende Buche. 2/2
    Oberbürgermeister Gunter Czisch hängt sich rein – und schießt mit der Schleuder ein Seil in die zu fällende Buche. Foto: 
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In ihrem ehemaligen Waldkindergarten konnten Beimerstetter Kinder eine Zeit lang bedenkenlos toben und spielen. Bis eines Tages der Eichenprozessionsspinner einfiel. Die Raupen dieses Schmetterlings gehen in Gruppen von 20 bis 30 Individuen im Gänsemarsch auf Nahrungssuche, daher der Name Prozessionsspinner, was ja noch nett zu beobachten gewesen wäre. Das Gefährliche daran war jedoch: Die älteren Raupen zogen sich tagsüber und zur Häutung in Gespinsten am Stamm oder in Ast­gabelungen von Eichen zurück. Bei den älteren Raupen entwickeln sich Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift enthalten. Dieses kann beim Menschen allergische Reaktionen auf der Haut auslösen.

Deshalb musste sich der Waldkindergarten einen neuen Standort suchen und fand ihn zwischen Beimerstetten und Dornstadt in einem Buchen-Fichten-Wald, der allerdings zum Ulmer Spitalwald gehört. Just in diesem Waldkindergartenrevier, zwischen Lagerfeuer und Herz-Klohäuschen, hat der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch „seine“ Waldarbeiter besucht und ihnen für ihren Einsatz gedankt. Und er hat ihnen dabei geholfen, per Spezialschleuder das Zugseil mindestens sechs Meter hoch in die starken Äste einer 150 Jahre alten Buche zu befördern.

Zum Ulmer Schnapsumtrunk eingeladen

In Höhe der Wurzelansätze sägte dann ein Waldarbeiter vor den Augen einiger Ulmer Stadträte und Förster einen großen Keil in den Stamm, und ein Traktor zog die 80 Meter hohe Buche per Seil in die richtige Fallrichtung. Rums! Der Dornstadter Waldboden bebte förmlich beim Aufprall der geschätzt zehn Kubikmeter Ulmer Holz. Der Dornstadter Bürgermeister Rainer  Braig­ sah der Aktion gelassen zu. Er war zum Ulmer Schnapsumtrunk eingeladen, weil seine Gemeinde einer der aktivsten Kooperationspartner des Stadtentwicklungsverbandes Ulm/Neu-Ulm ist. Die anderen drei sind Blaustein, Elchingen und Nersingen.

Aus historischen Gründen und aufgrund von Flächenzukauf überschreitet der Ulmer Stadt- und Hospitalwald die Kreisgrenze inzwischen bei insgesamt zwölf Gemeinden des Alb-Donau-Kreises, erklärte Ulrich Soldner, Abteilungsleiter Liegenschaften und Wirtschaftsförderung und zugleich einer der beiden Geschäftsführer des Stadtentwicklungsverbandes. Das entspricht einer Gesamtfläche von 365 Hektar Wald. Auf Neu-Ulmer Seite sind es noch mal 160 Hektar.

Zu diesem grenznahen Landgewinn – mit oder ohne Wald – kommt es auch dann, wenn beispielsweise Privatbesitzer aus einer Kreisgemeinde ihr Land an die Stadt Ulm verkaufen. „Früher wollten sie damit auch gleich ihren Wald loswerden“, erzählte Soldner. Inzwischen  jedoch gebe es durchaus Anfragen, dass Privatleute Wald von der Stadt zurückkaufen wollen – „als nachhaltig sichere Anlage“. Die Kooperation mit Dornstadt gebe es schon seit 2006, sagte Soldner. Jedoch nicht schwerpunktmäßig, um an Wald zu kommen, sondern um gemeinsam das Gewerbegebiet Ulmer Norden zu entwickeln. Auch durch den wachsenden Con­tainerbahnhof zieht sich die Kreisgrenze.

Eine Kooperation zwischen Stadt und Alb-Donau-Kreis gibt es wiederum auf fachlicher Seite, unter anderem in Person von Forstdirektor Thomas Herrmann, Leiter des Fachdienstes Forst und Naturschutz beim Landratsamt.

Staatswald wird eigenständig

Er nahm beim Heimspiel in Dornstadt die Gelegenheit wahr, voraussichtliche Ergebnisse des schon jahrelang laufenden Kartellverfahrens der Rundholzvermarktung anzukündigen. „Der Staatswald wird im Juli 2019 die Landesforstverwaltung verlassen und sich als eigener Betrieb organisieren“, sagte Herrmann. Der Unteren Forstbehörde bleiben dann nur noch der Kommunal- und der Privatwald zur Holzvermarktung und Betreuung.

Zur Erklärung: Das Bundeskartellamt strebt eine Zerschlagung der Forstverwaltung an. Bislang vertreibt Baden-Württemberg über den Landesbetrieb Forst BW nicht nur Holz aus dem eigenen Staatswald, sondern auch das Holz von Kommunal- und Privatwäldern. Nach der Auffassung des Bundeskartellamtes verstößt diese gemeinsame Vermarktung jedoch gegen kartellrechtliche Vorschriften.

Aus einer Hand Kernaufgaben des Stadtentwicklungsverbandes Ulm/Neu-Ulm sind beispielsweise die Grundstücksvermittlung und -vergabe, die Standortentwicklung und Wirtschaftsförderung aus einer Hand, die Unterstützung bei Verlagerungen oder die gemeinsame Bestandspflege und nicht zuletzt das gemeinsame Standortmarketing. Konkurrenzdenken bleibt außen vor.

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