Ulmer Service-Roboter haben mächtig dazugelernt

Ihre Expertise ist gefragt. Was Prof. Christian Schlegel und Team in Sachen Service-Roboter auf die Beine stellen, kann sich im internationalen Vergleich sehen lassen. Ein Blick ins Labor zu Kate und Larry.

|

Noch ist es nicht so weit wie im Film "Robot & Frank". Der in die Jahre gekommene, leicht demente Juwelendieb Frank erhält von seinem Sohn einen Pflegeroboter. Die zunächst verhasste Maschine wird Frank zum Freund, was schließlich zu den absonderlichsten Verwicklungen führt - unter anderem dazu, dass Frank und Robot gemeinsam auf Diebestour gehen . . .

Auf Juwelen haben es die Roboter, die im Raum C 26 an der Hochschule Ulm stehen, nicht abgesehen. Noch nicht. Soll heißen: Es dauert mit Sicherheit noch ein Weilchen, bis Kate und Larry auch Tresore knacken können. Kate und Larry? Das sind die beiden Service-Roboter, die in der extra für sie aufgebauten Küche umherkurven und fast schon formvollendet ihre Rolle als Butler spielen. Okay, wer Kaffee bestellt, hat die Tasse nicht sofort auf dem Tisch stehen. "Vier Minuten sind eigentlich zu lang, und dann ist der Kaffee meist lauwarm", räumt Dennis Stampfer ein. Aber darum geht es ihm und Matthias Lutz auch gar nicht. Schnelligkeit ist eine Sache der Rechnerkapazität, und darum sollen sich andere kümmern.

Die beiden Doktoranden richten seit Jahren ihren Fokus auf "alltagstaugliche Objekterkennung", wie ihr Forschungsthema heißt. Sprich: Kate und Larry sollen Grapefruitsaft von Ananassaft unterscheiden können. Nicht nur mit 30-prozentiger, sondern mit mindestens 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit. Wichtig, unter Umständen lebenswichtig, wird es, wenn der Roboter die Arznei bringen soll. Die Verpackungen für Blutdrucksenker und die Schilddrüsentabletten unterscheiden sich nur unwesentlich - da sollte Larry nicht zum Falschen greifen.

Ohne zu übertreiben, es ist schlicht und einfach der Wahnsinn, was die Roboter in den vergangenen fünf Jahren gelernt haben - seit die Gruppe um Prof. Christian Schlegel in Service-Robotik macht. Konnten die Blechbüchsen anfangs nur kollisionsfrei im Raum fahren, finden sich die weitaus smarteren Protoypen Kate und Larry gut in einer Wohnung zurecht. Sie verstehen, sie sprechen, sie machen Kaffee am Automaten, servieren ihn. Wenn Personen gemeinerweise ihre Plätze vertauschen, stellen die Roboter sogar die richtige Bestellung vor die jeweilige Person, sagen artig "Enjoy your coffee!" und räumen anschließend den Tisch ab. "Anfangs gab es noch Sauereien in der Küche", sagt Matthias Lutz. Aber das hält sich mittlerweile in Grenzen.

Welche Rechenaufgaben dahinterstecken, bis Kate unfallfrei den Kaffeebecher greift, soll nicht weiter ausgeführt werden, "das ist alles hochkomplex". Nur so viel: Stampfer und Lutz kombinieren verschiedene Ansätze der Objekterkennung, um zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen. Sprich: Kate muss nicht nur einmal den Kaffeebecher bringen, dieser Service muss immer funktionieren. Auch in einer sich verändernden Umwelt, wenn bespielsweise Personen den Weg der beiden Roboter kreuzen. Sprich: Kate und Larry müssen alltagstauglich sein.

Dazu gehört auch, dass Kate, wenn sie vier Mal hintereinander nicht den Knopf am Kaffeeautomaten trifft, "nicht dumm stehen bleibt, bis der Akku leer ist", sagt Stampfer. Kate müsse melden, dass sie die Bestellung leider nicht ausführen kann. Vielleicht muss der Mensch ihr dann noch einmal genau zeigen, wo der Knopf sitzt - oder wie bei Larry, den Roboterarm beim Einschenken einer Cola führen. Stampfer: "Nach dem dritten Mal hat es Larry kapiert".

Info
Mehrere Videos auf www.youtube.com/user/roboticsathsulm

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Basketballern droht gegen Oldenburg das Saison-Aus

Ratiopharm Ulm hat zuhause mit 61:68 gegen die EWE Baskets Oldenburg verloren und liegt damit in der Halbfinalserie mit 1:2 zurück. weiter lesen