Ulmer Privatinvestors: Griechenhilfe ohne deutsche Steuergelder möglich

Wenn es nach den Vorstellungen des Ulmer Privatinvestors Edip Türkoglu geht, bräuchte man Griechenland nicht mit deutschen Steuergeldern subventionieren.

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Edip Türkoglu macht immer wieder in Ulm Station. Sein Loft im Stadtregal hat er aber vermietet und die Zelte in Istanbul aufgeschlagen.  Foto: 

Er hat vielmehr einen unkonventionellen, wenn auch sicher kontroversen Vorschlag für die Sanierung des Landes: den Verkauf von Staatsbürgerschaften, wie ihn auch Malta praktiziert. So könne Griechenland vom Schuldenstaat auf einen Schlag zum reichsten EU-Land werden.

Der 37-Jährige ist eine schillernde Figur in seiner Geburtsstadt Ulm, vor allem seit er beim Verkauf des von ihm aufgebauten Postdienstleisters Direkt Express - Umsatz zuletzt 100 Millionen Euro - an die Pin Group zum Multimillionär wurde. Legendär sind die in Erding zugelassenen Ferraris, Kennzeichen: ED-IP.

Türkoglu betrachtete sich zeitweise als einen der größeren Aktionäre der Deutschen Bank und widmet sich inzwischen ausschließlich Geldanlagen an der Börse, in Unternehmen und Immobilien. Sein Hobby ist das Studium der Kapitalmärkte: "Die Finanzmärkte sind mein Steckenpferd." Eine entscheidende Kennzahl für Türkoglu ist das Verhältnis der Schulden eines Landes zum Privatvermögen der Bürger - im Notfall könnte der Staat sich über eine zwangsweise abgebuchte Vermögensabgabe sanieren.

In Griechenland sei die Lage aber hoffnungslos, weil die Griechen ihr Geld außer Landes bringen: "Griechenland hat nichts zu bieten." Das Land gehöre aber zur "exklusiven Familie von 28 EU-Staaten" und könnte sich über den Verkauf von Staatsbürgerschaften und Reisepässen retten - aus Sicht Türkoglus die einzige Chance für das Land.

Der Preis für einen Pass könnte nach seinem Kalkül 30.000 Euro betragen, so kämen Milliarden in die Kasse. Dabei spielt eine Rolle, dass die Auflagen für Angehörige von Nicht-EU-Staaten, die zur Einreise in den Euroraum ein Schengen-Visum brauchen, sehr hoch sind. Türkoglu, der nach abgebrochener Einbürgerung mit türkischem Pass und einer deutschen Aufenthaltserlaubnis auf seinen Weltreisen unterwegs ist - mit Wohnsitzen nun in Istanbul und Miami -, kann ein Lied davon singen. So habe er zuletzt bei der Einreise in Spanien Probleme gehabt: Türken brauchen ein Visum.

Das Interesse an einem Eintrittsticket in die EU wäre aus seiner Sicht enorm: vor allem in Ländern wie China, Russland, Indien, alle visumpflichtig. Die Pass-Vergabe brauche nicht die Zustimmung der EU, und: "Griechenland hat sowieso nichts mehr zu verlieren."

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Kommentare

22.08.2015 11:13 Uhr

Antwort auf „Legale EU-Mitgliedschaft”

Auch wenn ich den Smiley zur Kenntnis genommen habe und beruhigt bin da Sie dadurch Ihre Geistesgegenwärtigkeit gesichert haben, möchte ich anmerken dass die Schweiz wahrscheinlich Staatsbürgerschaften nur an Menschen verkauft, die zur Zeit ganz sicher nicht in Griechenland sein möchten.
Der im Artikel genannte Vorschlag ist einfach nur unsinnig. Er macht Europa noch schneller kaputt als es (Europa) aktuell schon zulässt.
Wer könnte ein Interesse daran haben dass wir uns ins Abseits stellen und zusammenbrechen, der solche Vorschläge ernsthaft bringt und unterstützt?

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21.08.2015 07:59 Uhr

Legale EU-Mitgliedschaft

Warum denn nicht.
Malta machts.
Die Schweiz machts.
Und mit der griechischen Staatsbürgerschaft ist auch gleich den Eintritt ins Europaradies bezahlt. Griechenland hätte hier tatsächlich eine gute Ausgangsposition. Viele Inseln und jede Menge See- und Flughäfen, die dann ohne Lebensgefahr und ohne organisierte Schleusser zur legalen Einreise dienen können. Und durch die Freizügigkeit innerhalb des Schengenraumes ist auch die Berufstätigkeit der Neubürger*innen nicht auf Griechenland beschränkt. Eine WIN-WIN Lösung für den griechischen Staat und Einbürgerungswillige.

Über den Vorschlag sollte nachgedacht werden ;-)

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21.08.2015 06:32 Uhr

was für ein Unsinn

was sagt der Rest der EU dazu? Das halte ich schon fast für illegal. Dann können wir doch gleich alle Grenzen öffnen. Falls es überhaupt noch weiter geht als sie sowieso schon sind, denn wer wirklich rein will schafft es bereits jetzt.

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