Ulmer Museum: Dauerausstellung der Moderne neu gestaltet

Das Ulmer Museum lagert in seinen Archiven jede Menge Schätze der modernen Kunst. Die präsentiert das Haus jetzt in einer neuen Dauerausstellung im Fried-Bau. Sie eröffnet reizvolle Blickwinkel.

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Barbara Renftle - hier neben einer Skulptur von Uli Pohl - hat nicht nur die neue Dauerausstellung im Ulmer Museum kuratiert, sondern auch das Großformat Hermann Waibels mitgebracht.  Foto: 

Moderne Kunst? Die hatte im Ulmer Museum schon immer einen hohen Stellenwert - auch schon vor der Sammlung Fried. Der Sammler, Mäzen und Kunstkritiker aber hat 1978 fast 400 Werke dem Museum überlassen - mit der Auflage, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Doch in den kommenden 14 Monaten ist davon fast nichts zu sehen. Der Grund: Im Herbst 2016 wird es eine große Ausstellung mit allen Werken der Sammlung geben. Bis dahin zeigt das Museum dafür andere Preziosen der Moderne, vorrangig aus eigenem Bestand - auch was bislang nicht gezeigt wurde.

Kuratiert hat die Schau Barbara Renftle, die 1999 - damals noch als Volontärin des Museums - maßgeblich an der Gestaltung der Dauerausstellung der Sammlung Fried beteiligt gewesen war und heute die Ausstellungen der Kunststiftung der Sparkasse Biberach betreut. "Sie kennt unsere Bestände, war die ideale Wahl, um einmal einen anderen Blick auf die Moderne zu werfen", sagt Museumschefin Gabriele Holthuis.

Und diese Kenntnis hat Barbara Renftle mal ganz anders als im kunsthistorischen Kontext üblich arrangiert. Sie hat die Exponate nicht zeitlich oder stilistisch geordnet, nicht nach Zugehörigkeit der Künstler zu diversen Gruppen. "Ich wollte zeigen, wie sich gewisse Themen durch das gesamte 20. Jahrhundert ziehen." Das grundsätzlichste Thema, also das Spannungsfeld zwischen Figuration und Abstraktion, hat Renftle dabei gleich durch die Etagen des Fried-Baus getrennt. Im ersten Stock gibt es vor allem am Gegenständlichen orientierte Kunst, im zweiten Stock vornehmlich Abstraktes. Ganz sauber ist die Trennung nicht, weil drei Exponate, die alle im Zusammenhang mit dem Münsterturmjubiläum stehen und aufwendig in eine App für Smartphones eingebunden sind, aus technischen Gründen nicht verrückt werden konnten.

Die gegenständliche Abteilung startet mit dem Thema Urbanität, zeigt wie Lyonel Feininger, Robert Delaunay, Rainer Fetting und Paul Kleinschmidt das Thema der wachsenden Städte verarbeitet haben. Dem Thema "Körper - Gebärde" ist ein Raum mit Arbeiten von Otto Dix, Egon Schiele, Edvard Munch gewidmet, in dem auch Karl Hofers "Die Trunkene", eines der Kunstwerke die die Nazis einst als "entartete Kunst" aus dem Museum entfernt hatten, ihren Platz gefunden hat. Und das in doppelter Hinsicht - nicht nur materiell, im Umfeld der Künstler, die Anfang des 20. Jahrhunderts auch die Femme fatale entdeckten, wirkt Hofers Bild sehr viel sich selbst erklärender.

Überhaupt: Mit der Zusammenstellung der Exponate nimmt Barbara Renftle den Betrachter bei der Hand, zeigt mit Parallelen und Gegensätzen, wie kreativ dieses 20. Jahrhundert im Umgang mit den Sujets war. Etwa beim Thema Landschaft: Oskar Kokoschkas erst kürzlich restituiertes Bild "Genfer See II" hängt einer frühen Arbeit Georg Karl Pfahlers gegenüber, die nur noch vage an Landschaft erinnert, dazwischen zwei Landschaften von Roy Lichtenstein und eine monochrome Arbeit Yves Kleins. Das ist ebenso provokativ wie assoziationsfördernd. Was auch auf die anderen Räume zu den Themen Schrift in der Kunst, Fantasie und Utopie, Fotografie und zum Aufbruch der Moderne in die Geometrie zutrifft.

Für letzteren hat Barbara Renftle selbst ein schönes Exponat mitgebracht, ein wandfüllendes Triptychon Hermann Waibels aus dem Besitz des Ravensburger Künstlers.

Die Sammlung Kurt Fried

Der Sammler Kurt Fried war Publizist und Verleger. 1978 vermachte er seine Sammlung dem Ulmer Museum. Die Schenkung vermittelt einen repräsentativen Querschnitt der Kunst der 1950er bis 1970er Jahre in Europa und den USA. Darunter sind Werke von Frank Stella, Mark Rothko, Roy Lichtenstein, Günther Uecker, Yves Klein, Daniel Spoerri, Josef Albers, Max Bill und Gerhard Richter.

 

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