Ulmer Händler in Sorge: Zahl der Einbrüche und Überfälle steigt

Bewaffnete Überfälle auf Juweliere und Diebe, die ganze Kollektionen aus dem Laden stehlen: Viele Händler fühlen sich unsicher in ihren Geschäften. Eine Chronik zeigt die spektakulärsten Fälle des vergangenen Jahres - und ob die Polizei den Tätern auf der Spur ist.

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Leere Regale: In die Brillen-Galerie Bolay & Bolay ist am 23. Februar eingebrochen worden. Es war der bislang letzte professionelle Einbruch in Ulm.  Foto: 
Es ist der letzte Samstag vor Weihnachten 2011, als ein maskierter Mann gegen 11 Uhr den Juwelier Roth in der Platzgasse betritt. Er fordert eine der Mitarbeiterinnen auf, eine der Vitrinen zu öffnen, doch sie weigert sich. Der Mann zieht eine Pistole und richtet sie auf die Frau. Erst jetzt öffnet sie das Glasfenster und reicht dem Mann den Schmuck. Noch auf der Flucht überwältigen Passanten den Räuber, die Polizei kommt sofort dazu und nimmt ihn fest.

Codewörter für verdächtige Personen
Seit diesem Tag ist vieles anders im Juwelier Roth, sagt Juniorchefin Antje Seifert. Sie haben die Alarmanlage aufgerüstet. Es gibt ein Codewort, das die Mitarbeiter verwenden, wenn eine verdächtige Person den Laden betritt. Dann bewegt sich einer von ihnen schnell zum Alarmknopf. "Man hat schon manchmal ein ungutes Gefühl", sagt Seifert. Den Job wechseln will sie dennoch nicht, "wenn ich Angst hätte, wäre es der falsche Beruf".

Händlerin: "Ich fühle mich nicht mehr sicher"
Andere Händler sind weniger gelassen. Die Inhaberin einer Boutique nahe des Münsterplatzes sagt: "Ich fühle mich nicht mehr sicher." Ihr Laden wurde im vergangenen Jahr in einer Nachtaktion zum zweiten Mal komplett leergeräumt. Schaden: 100.000 Euro.

Seither gab es in Ulm fünf Einbrüche, bei denen der Wert der gestohlenen Ware über 70.000 Euro lag sowie zwei Raubüberfälle auf einen Juwelier. Eine Chronik zeigt diese sieben Fälle (hier klicken, um in einem neuen Fenster zu öffnen):




Die Mitarbeiterin einer Boutique in der Pfauengasse, die ebenfalls in einer Nachtaktion leergeräumt wurde, sagt: "Es ist schon beängstigend. Die Entwicklung ist dramatisch." Die Frau, die namentlich nicht genannt werden will, glaubt, dass es noch nicht vorbei ist. Sie sagt, dass die Polizei machtlos ist. "Die wissen nicht mal, wann es passiert", sagt sie. Die Einbrecher seien professionelle Banden. "Die Ware hängt am nächsten Tag schon in einem anderen Geschäft", vermutet sie.

Andere Händler fordern mehr Polizeistreifen. "Wir wünschen uns mehr Präsenz", sagt Seifert vom Juwelier Roth. Die Inhaberin einer Boutique in der Hafengasse, die ihren Namen ebenfalls nicht verraten möchte, fordert sogar eine Kamera-Überwachung öffentlicher Plätze.

Polizei: "Eine gewisse zeitliche Verdichtung ist erkennbar"
Rainer Durst, Sprecher der Ulmer Polizei, kennt die Sorgen der Händler. "Wir sind im Dialog mit dem City-Verein", sagt er. Er widerspricht der Vermutung vieler, dass kaum noch Polizisten patrouillieren. "Wir schaffen die Fußstreifen nicht ab", sagt Durst. Etwas verklausuliert gibt auch er zu, dass sich die Zahl der professionellen Einbrüche und Raubüberfälle häuft: "Eine gewisse zeitliche Verdichtung ist erkennbar". Die "Dreistigkeit" und auch die "Planungstiefe" hätten zugenommen. Erst jüngst stand die Polizei in der Kritik, weil sie trotz Vorwarnung den Einbruch in den Brillen-Laden Bolay nicht verhindern konnte. Dazu wollen im Moment weder Inhaber Axel Bolay noch die Polizei etwas sagen.

Zu den Spekulationen, dass es sich um osteuropäische Banden handeln könnte, will Polizeisprecher Durst nichts sagen. "Das wäre Kaffeesatzleserei." Fakt ist: Bei keinem der fünf Coups ist es der Polizei bislang gelungen, die Täter zu schnappen. "Die Ermittlungen laufen", sagt Durst.
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Kommentare

14.03.2013 19:22 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Banden?””

Das stimmt so nicht, lieber Herr Kohly!
dIe Politik macht sehr viel. Zum Beispiel alles kaputtsparen.

Nachzulesen hier:
http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/Pfiffe-gegen-Kretschmann;art4319,1362597

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08.03.2013 22:24 Uhr

Antwort auf „Banden?”

Da sieht man,was wir für ahnungslose Politiker haben.Diese Schönrederei,sollte mal ein Ende haben.
Wenn das die MultiKulti ist,was uns hier immer vorgegaukelt wird ist es wirklich traurig.Und wenn sie was
Negatives schreiben,dann wird man sofort als Auslaenderfeind dargestellt.
Es ist wirklich schlimm und traurig was hier in Deutschland laeuft und was macht die Politik ??? Nichts!!!

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08.03.2013 16:37 Uhr

Banden?

Die Bevölkerung spricht von Banden, die Politik spricht von Bereicherung und Gewinn!

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08.03.2013 16:07 Uhr

Klar sind das Ostbanden! Die offenen Grenzen lassen Grüßen!

Klar sind das Ostbanden! Die offenen Grenzen lassen Grüßen!

Da braucht man doch nichts dazu sagen,

Ach ja: Und unsere polizei ist dem offensichtlich nicht gewachsen. Aber wenn ich mal falsch parke, gibts gleich nen Strafzettel. Und nicht nur von der Stadt, sondern auch von der Polizei.

Danke...

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