Ulmer Gruppe Moving Rhizomes erobert die Stadt

Die Künstlergruppe Moving Rhizomes will Spuren hinterlassen - in der ganzen Stadt. Mit der Performance "Crossing Paths" hat sie etwa auf dem Münsterplatz untersucht, welche Spuren Passanten hinterlassen.

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Yuka Kawazu (von links), Lorenzo Angelini und Pablo Sansalvador bei der Performance "Crossing Paths" auf dem Münsterplatz.  Foto: 

Hüpfte da eben der "Tod" aus Roberto Scafatis "Carmen" über den Münsterplatz? Gefolgt von "Kanaken" aus Rhys Martins "West Side Story"? Genau. Pablo Sansalvador, der diese Rolle in der vergangenen Spielzeit am Theater Ulm verkörperte, tanzte mitten in der Stadt mit Giulia Insinna, Yuka Kawazu, Giulia Damiano, Lorenzo Angelini und Damien Nazabal - allesamt Mitglieder der Tanzcompagnie des Theaters.

Der 30-Jährige mit Wurzeln in Neuseeland und Barcelona, der berufsbegleitend Design und Innovation an der britischen Open University studiert, stellte sich gleich in seiner ersten Spielzeit 2013/14 als einer der "Jungen Choreographen" vor, die im Podium ausverkaufte Ränge garantieren. Mit Service-Designerin Cecilia Espejo (40) gründete er vergangenes Jahr zudem das Künstlerkollektiv Moving Rhizomes, das mit "Crossing Paths" auf dem durch Klebebänder markierten Münsterplatz umsonst und draußen hunderte Passanten zum Stehenbleiben animierte. Die aus Madrid stammende Cecilia Espejo trat in der Ulmer Kulturszene zuletzt als Co-Herausgeberin des Kunstfahrschule-Katalogs und Kuratorin von zwei "Kunst-Schimmern" bei der Messe Leben-Wohnen-Freizeit in Erscheinung. Für März erarbeitete sie mit Sansalvador zu "Dance it! Do it!" im Roxy den modernen Pas de deux "Tendenz", bei "Crossing Paths" übernahm sie die Produktion.

"Rhizome sind kleine Pflanzen, die horizontal wachsen. Kaum bekommen sie ein wenig Wasser ab, schießen sie aber nach oben", sagt der Tänzer. Ähnlich diesen Wurzelgewächsen sei das offene Kollektiv stets auf der Suche, sich zu verbreiten. Das gelang den "multidisziplinären Profis mit vernetzten Gehirnen, die ihre Kräfte bündeln um Kunst-, Tanz- oder Design-Projekte zu schaffen," schon früher, erklärt Espejo. "Aber seit wir einen Namen haben, ist es leichter, Menschen zu finden, die unsere Ziele mitverfolgen." Dazu gehöre etwa, "uns auch außerhalb des Theaters auszudrücken", sagt Pablo Sansalvador. "Ein Bewusstsein für Tanz zu schaffen und den Tanz jedermann zugänglich zu machen." Indem sie ihn aus dem Theater heraus in den öffentlichen Raum holen, bringen sie ein jüngeres Publikum letztlich zurück ins Theater, hoffen die Rhizome. Zudem schwingt stets eine gesellschaftlich-soziale Komponente mit: Die Gruppe, die in Räumen des Theaters probt, schuf etwa T-Shirts für Scafatis Anti-Mobbing-Initiative "Chance to Dance" und holte zu "Crossing Paths" den gambischen Flüchtling und Profi-Trommler Sam Nyassi ins Boot. Die Idee zum Modern Dance auf dem Münsterplatz hatte Sansalvador, als er vom Turm herabblickte und sich vorstellte, all die Menschen, die den Platz Tag für Tag überqueren, hinterließen sichtbare Spuren. Im November bewarb sich das Kollektiv dazu um Geld aus dem städtischen Topf für Tanz - und bekam den Zuschlag. Nicht nur deshalb finden die beiden Initiatoren Ulm "fantastisch".

Mit Medienkünstler Andreas Hauslaib schufen sie fürs Schlossgartenfest Erlangen eine Bewegtbild-Projektion, die jüngst auch an einer Wand der Wilhelmsburg zu sehen war. Sansalvador und Espejo reisen auch zum Theater- und Tanzfestival nach Edinburgh: Möglicherweise wird die Tanzperformance 2016 für die schottische Hauptstadt adaptiert. Vor allem aber soll es in Ulm "Crossing Paths 2" geben. Vorausgesetzt, es lässt sich wieder finanzieren. Denn ohne Bezahlung sollen die beteiligten Künstler nicht arbeiten. "Auch in dieser Hinsicht ist uns Nachhaltigkeit wichtig", sagt Cecilia Espejo.

Die Sprecher und ein Video

Kontakt Sprecher der Gruppe Moving Rhizomes sind Cecilia Espejo (links) und Pablo Sansalvador.

Video Andreas Usenbenz hat "Crossing Paths" dokumentiert. Das Video im Internet unter vimeo.com/133741541

 

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