Ulmer Geschichte hörbar gemacht

Musik aus Ulm aus vier Jahrhunderten. Das bot das von Thomas Müller geleitete Scherer-Ensemble bei seinem Konzert in der Wengenkirche.

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An Thomas Müller und seinem Scherer-Ensemble führt kein Weg vorbei, wenn es um die Ulmer Musikgeschichte geht. Benannt hat sich das im Jahr 2001 von Müller ins Leben gerufene Ensemble nach dem Ulmer Münsterorganisten und Musikdirektor Sebastian Anton Scherer (1631-1712). Es widmet sich vor allem der Wiederentdeckung und Aufführung von Musik aus Ulm und Oberschwaben. Dass es hier wahre Schätze zu entdecken gibt, "auch wenn Ulm nie eine vergleichbare Musikmetropole wie Leipzig oder Salzburg war", bewiesen Müller und sein Ensemble auch am Sonntag in der Wengenkirche beim "Klingende Musikgeschichte des Ulmer Münsters" überschriebenen Konzert. 14 Stücke umfasste das Programms, das vom kurzen, aber sehr ansprechenden "Kyrie" zu Beginn und dem abschließenden "Agnus Dei" aus Scherers "Missa à 5" eingerahmt wurde. Dazwischen erklangen Stücke Ulmer Münsterkantoren und -organisten vom 17. bis zum 20. Jahrhundert.

Auch wenn Komponisten wie Samuel Gottlieb Auberlen (1758-1829), Adam Steigleder (1561-1633) oder Andreas Schwilge (1608-1688) - um nur diese zu nennen - vielleicht keine überregionale Musikgeschichte geschrieben haben, veranschaulichten viele der zu hörenden Stücke doch, "dass in Ulm zeitweise sogar auf hohem Niveau musiziert wurde", wie Müller betonte. Und dass diese Zeit noch gar nicht lange vorbei ist, machte das Orgelstück "Wir wollen alle fröhlich sein" von Edgar Rabsch (1928- 1990) sinnfällig, das von Organist Joseph Kelemen ebenso farbintensiv wie rhythmisch akzentuiert interpretiert wurde.

Neben der großen Orgel kam in vielen Werken auch noch eine kleine Continuo-Orgel zum Einsatz. Gespielt wurde sie von Andreas Weil, der damit sein Amt als Wengen-Kantor offiziell antrat, der aber auch als Tenor des Scherer-Ensembles aktiv ist.

Höhepunkte bildeten "Benedictam Domino" aus der "Intonatio quarta g" und das grandiose "Allegro" aus der "Sonate VI in Es-Dur" von Johann Christoph Walther (1715-1771). Und die Zugabe von Auberlen? "Sie ist erst vor vier Wochen transkribiert worden", erklärte Thomas Müller. Ulms Musikgeschichte bleibt also weiter in Bewegung.

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