Ulmer Friedenspreis für Folteropfer-Zentrum

Der Verein für Friedensarbeit würdigt kleine Schritte zu Weltfrieden. Den dritten Ulmer Friedenspreis erhielt das Behandlungszentrum für Folteropfer.

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Ulmer Friedenspreis für das Behandlungszentrum für Folteropfer. Von links: Manfred Makowitzki, organisatorischer Leiter des Behandlungszentrums, Regina Kurth, therapeutische Leiterin des BFU, Reinhard Köhler, Vorsitzender des Vereins für Friedensarbeit.  Foto: 

Der Ulmer Friedenspreis soll das Augenmerk der lokalen Öffentlichkeit auf Vereine lenken, die sich für eine friedlichere, gerechtere und bessere Welt einsetzen, sagte der Vorsitzende des Vereins für Friedensarbeit Ulm, Reinhard Köhler. „Es geht um die Fähigkeit, Konflikte mit Empathie zu lösen“, meinte er anlässlich der Preisverleihung im Haus der Begegnung.

Und Empathie sei wohl auch der Gründungsgedanke des Behandlungszentrums für Folteropfer (BFU) gewesen, begründete Köhler die Wahl des diesjährigen Preisträgers. Als Initiative von Amnesty International Ulm wurde die sozialpsychiatrische Einrichtung am 25. Januar 1995 gegründet. Derzeit behandelt sie traumatisierte Flüchtlinge aus Nigeria, dem Mittleren Osten, Afghanistan, dem Balkan, der Türkei und Tschetschenien in einer durch Dolmetscher gestützten Psychotherapie. Viele Menschen stehen auf der Warteliste für eine Therapie.

Dieser Preis sei für das Behandlungszentrum ein Zeichen für Einbindung und Akzeptanz, freute sich Heiner Schrottenbaum, Geschäftsführer des Reha-Vereins für soziale Psychiatrie, der als Träger fungiert. Es habe ihn erschreckt, sagte er, dass in den vergangenen Jahren verstärkt eine gesellschaftliche Tendenz zu erkennen sei, die Hass und Gewalt selbst in ihrer Sprache formuliere. Dagegen würden viele kleine Bausteine hin zu einer friedlicheren Gesellschaft benötigt, so wie das Behandlungszentrum eines sei. Und: „Es ist wichtig, dass auch die Stadt Ulm sich zu diesem Thema bekennt“, sagte Schrottenbaum.

Noch bevor das Schauspielensemble „Bühne für Menschenrechte Berlin“ ein dokumentarisches Theaterstück aufführte – es handelt von drei realen Schicksalen  Geflüchteter, die Folter, Unrecht und Angst durchleben mussten – sicherte der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch dem Verein für Friedensarbeit Unterstützung zu. Ohnehin müsse die Stadt in der Zukunft ihr Engagement verstärken, den Geflüchteten nicht nur einen Ort, sondern auch Eingliederung zu gewährleisten, sagte Czisch, der Schirmherr des Fördervereins des BFU ist. Durch die Medien bekämen die Krisen der Welt eine stärkere Gewichtung, weil sie den Bürgern so näher kämen und sie mehr beträfen.

Die Frage sei nur: „Wie setzen wir uns persönlich dafür ein, etwas zu verändern?“ Denn eigentlich habe man ja gelernt, dass der Wunsch nach Weltfrieden nur eine Utopie sei, sagte der Oberbürgermeister. Und trotzdem gebe es Menschen und Vereine, die immer wieder versuchten, in den Welten im Kleinen etwas Großes zu bewirken. So wie das Behandlungszentrum.

Köhler überreichte den Mitarbeitern des Behandlungszentrums den Preis in Form eines Schecks in Höhe von 1000 Euro. Der Betrag sei zwar relativ gering, sagte Köhler, aber schließlich habe man auch nicht mehr die gleichen Handlungsmöglichkeiten wie noch in den 1980er Jahren zu Zeiten der großen Friedensbewegung in Ulm.

Bisherige Preisträger

Seit 2010 Der Verein für Friedensarbeit, der heute noch knapp 30 Mitglieder zählt, hatte den Ulmer Friedenspreis erstmals 2010 an den Arbeitskreis für Menschenrechtsbildung verliehen. 2014 wurde dann Bruni Düllman aus der Ulmer Friedensbewegung ausgezeichnet. Sie setzt sich vehement ein gegen Rüstungsexporte.

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