Ulmer Bürgerkette ist im Stadthaus ausgestellt

In einer einfachen Veranstaltung im Stadthaus ist die „Ulmer Bürgerkette“ präsentiert worden. Gisela und Ira Dentler sowie viele der Gestalter freuten sich über das Gesamtwerk zu Ehren des Münsterturmes. Mit einem Kommentar von Beate Rose

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Die Ulmer Bürgerkette im Stadthaus - ein gemeinsames Kunstwerk zum 125. Jubiläum des Münsterturms ist vollendet. Sie besteht aus 163 Teilstücken, ein jedes ist einzigartig. Eine Kette besteht zum Beispiel aus Nagespänen der Biber an der Donau,eine andere aus vergessenen Brillen im Münster. Die Bürgerketten widmen sich der Donau, dem Sport, dem Frieden.  Foto: 

Beides kann man nicht vergleichen: zum einen den Bau des Ulmer Münsters, der am 30. Juni 1377 mit der Grundsteinlegung begann und 1890 mit dem höchsten Kirchturm weltweit schließlich vollendet wurde. Zum anderen die Gestaltung der „Ulmer Bürgerkette“ mit ihren 163 Teilstücken und einer Länge, die zwar über den Münsterturm hinaus ragen würde, die jedoch innerhalb eines Jahres fertig war. „Dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit“, sagte der Ulmer Kulturschaffende Wolfgang Frauendorf. Eine, die typisch für die Ulmer sei: Den Willen, an einem Strang zu ziehen und „die Liebe zu ihrer Stadt“.

Frauendorf bezog sich damit auf die Gedanken und Ideen der Bürger zur Gestaltung der Kette zum Münsterturmjubiläum – sie wurde am Dienstagabend auf einer Vernissage im Stadthaus der Öffentlichkeit präsentiert. Die meisten Bürger stellten ihre Erinnerungen und Erlebnisse in Ulm in den Mittelpunkt.

Frauendorf nannte Beispiele: So habe jemand eine Kette aus den Nagespänen der Biber an der Donau gestaltet. Eine 90-jährige Dame schuf eine Kette unter dem Motto „Mein Ulm“, brachte sie selbst unter Mühen ins Atelier und starb vor kurzem. „Und Gemeinderat Dr. Walter Roth, von Berufs wegen Augenarzt, gestaltete eine Kette aus vergessenen Brillen im Münster.“ Andere widmeten sich der Donau, dem Sport, dem Frieden. Jedes Teilstück sei einzigartig, lobte er. Und aneinandergereiht erzähle die Kette Ulmer Geschichte.

Genauso begeistert zeigte sich Karla Nieraad, Leiterin des Stadthauses. Sowohl von der Idee von Gisela und Ira Dentler als auch vom Gesamtwerk selbst. Es gebe keinen besseren Platz für die „Ulmer Bürgerkette“ als das Stadthaus, das der Architekt Richard Meier „eine Verbeugung vor dem Münster genannt hat“, erinnerte sie. Auch deshalb, weil das Gebäude eines für alle Bürger sei. „Ich bin froh, das die Kette hier ist.“ Sie hoffe, dass die Ausstellung, die am Donnerstag, 26. März, beendet sein soll, noch verlängert werden könne.

Einfach „Danke“, sagte Gisela Dentler vor der Enthüllung der „Ulmer Bürgerkette“. Sie sprach damit das Gitarrenduo Keller und Wenger an, das die musikalische Begleitung übernommen hatte. Dann die Stadthausleiterin Karl Nieraad, die „spontan und unbürokratisch“ Platz zur Verfügung gestellt habe. Und vor allem die Bürger – einzelne, Schulklassen, Institutionen, Museen und Vereine – die mit ihrer Begeisterung zum Gelingen des Projektes beigetragen haben. Die Goldschmiedin und ihre Tochter haben als Anerkennung für die Gestalter Gedenkmünzen aus Bronze gefertigt, und Gisela Dentler trug die Geschichten der Teilstücke in einem Buch zusammen, das als Prototyp bei der Vernissage zu betrachten war. Gedacht hatte sie auch an „ein Opernglas, damit man alle Details der Kette sehen kann“, sagte sie und lud die Gäste schließlich zur Enthüllung ein.

Diese fand dann ohne großes Tamtam statt. Den Applaus spendeten Initiatoren und Gestalter verdientermaßen sich selbst, und dann standen die Teilstücke – jedes einzelne an einem Haken – im Mittelpunkt des Interesses. So gut wie alle suchten erstmal das eigene Werk. Der achtjährige Karl Speidel fand seines mehr in der Mitte. Sein rotes Samtherz stach heraus. Ansonsten sagte, „habe ich das genommen, was mich in meinem Leben beschäftigt“. Sprich Angelzubehör, abgebrochene Buntstifte und einen Gummifisch.

Dr. Andrea Fadani, Leiter des Ulmer Brotmuseums, dagegen hatte im Museum nach Zubehör für sein Teilstück gesucht und nahm dafür unter anderem „Backmodels, die Leute uns gebracht haben“. Er sei von Gisela Dentler angeschrieben worden und war sogleich angetan: „Die Ulmer Bürgerkette ist einfach großartig.“

 

Ein Kommentar von Beate Rose: Ulmer Kunststückchen

Bürgerkette – was ist das denn für ein Kikikram? Das hat sich mancher gedacht, und mancher offen gefragt, als er von Gisela Dentlers Idee hörte, eine Kette zu gestalten, so lang wie das Münster hoch ist. Zudem wollte die Goldschmiedin nicht selbst Hand anlegen, sondern Ulmer sollten ihre Kette entwickeln. Gisela Dentler hat das Kunststück fertiggebracht, Ulmer für ihre Idee zu begeistern. Dafür hat sie Respekt verdient und ebenso dafür, dass sie gemeinsam mit Tochter Ira ihr Projekt vorangetrieben hat, ohne erstmal zu fragen, ob es dafür einen Zuschuss gibt.

Jetzt ist das fertige Werk präsentiert worden. Was ist die Kette schön geworden! 284 Ulmer haben teils in Gruppen, teils allein je eines der 163 Teilstücke gestaltet. Sie haben mehr gemacht, als nur Brillen, Holz oder Socken aufzufädeln. Sie haben sich auf persönliche Art mit ihrer Stadt, deren Mittelpunkt nun mal der höchste Kirchturm der Welt ist, auseinandergesetzt. Um eine Aktion mit diesem Anspruch im Programm zu „125 Jahre Ulmer Münsterturm“ zu finden, muss man schon ein paar Seiten im entsprechenden Heft blättern. Die Bürgerkette ist echte Bürgerkunst, die zunächst im Verborgenen geblüht hatte und nun zum Glück für alle im Stadthaus ihre Bühne gefunden hat. Dort kann sich jeder überzeugen, ob dabei Kikikram herausgekommen ist oder nicht doch lauter interessante Kunststückchen, die vom Leben in Ulm erzählen.

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