Ulmer Biologen: Zecken erfrieren nicht

In einem strengen Winter sind die Wirtstiere der Zecken wie Vögel und Mäuse weniger aktiv. Findet die Zecke nichts zum Blutsaugen, vermehrt sie sich weniger, haben Ulmer Biologen der Universität Ulm erforscht.

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  • Die Zecke beißt nicht, sie sticht in die Haut. Und wenn das passiert, wird es für Menschen gefährlich. Foto: Patrick Pleul/dpa 1/2
    Die Zecke beißt nicht, sie sticht in die Haut. Und wenn das passiert, wird es für Menschen gefährlich. Foto: Patrick Pleul/dpa
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Zecken halten sich im Sommer gerne in Fichtenwäldern auf, und ihre Population ist nach milden Wintern größer als nach strengen Frostperioden. Zu dieser Erkenntnis sind die Wissenschaftler Dr. Swen Renner, Ralf Lauterbach und Dr. Konstans Wells gekommen. Alle drei sind Biologen des Instituts für Experimentelle Ökologie der Universität Ulm. Dass Insekten, Schnecken und kleine Nagetiere strenge Winter weniger überleben als milde, ist nichts Neues.

"Jedoch erfrieren die Zecken keinesfalls, sondern bei ihnen kommen in frostreichen Wintermonaten keine Wirtstiere vorbei, weil diese sich wegen der Kälte nicht groß bewegen", sagt Swen Renner. Die Folgen: Kann die Zecke aber kein Blut saugen, hungert sie und vermehrt sich nicht.

Der Zusammenhang mit den Wirtstieren sei aber nur eine Vermutung, die erst noch in einer weiteren Untersuchung bewiesen werden muss. Dazu sollten dann die potenziellen Zwischenwirte der Zecken gezählt werden. Dies können beispielsweise Mäuse sein, aber auch Drosseln und Amseln, weil diese Vögel sich zur Futtersuche oft am Boden aufhalten, wo der Gemeine Holzbock, Deutschlands häufigste Zeckenart, lauert. Zecken befallen jedoch auch Menschen und Rehe. Wildschweine eher weniger, weil diese sich zur Körperpflege gerne im Schlamm suhlen.

Zunächst haben die drei Biologen nur die Nymphen gezählt. Das ist das zweite Entwicklungsstadium der Zecken (siehe auch Infokasten). In den Jahren von 2008 bis 2010 und jeweils in den Sommermonaten Juni bis August sammelten sie dazu die Nymphen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb bei Münsingen mit Hilfe von "Schlepptüchern" ein. Dazu wird ein weißes Tuch an einen Besen gehängt und der Stoff leicht übers Gras gezogen. "Nach einer Strecke von rund 50 Metern hatten wir an die 200 Individuen", berichtet Renner. Die 1,2 mal 0,9 Millimeter winzigen Blutsauger waren allerdings zu erst in Alkohol konserviert und danach gezählt worden.

Neu an der Untersuchung der Ulmer ist auch, dass sie das Zeckenvorkommen in Bezug auf die Waldbewirtschaftung untersucht haben. So fühlt sich diese Milbenart in Fichtenwäldern wohler als in Buchenwäldern, weil der Boden unter Fichten eher schattig und feucht ist.

Bisher waren Wissenschaftler der Ansicht gewesen, dass die geschlossenen Baumkronen der älteren Wälder das Vorkommen der Zecken begünstigen. Bei ihrer neuen Grundlagenforschung fanden die drei Biologen jedoch mehr Nymphen in jungen Waldbeständen. "Wahrscheinlich, weil sich dort mehr Kleintiere und somit Wirtstiere verstecken", sagt Renner und landet somit erneut bei seinem nächsten Vorhaben: die Waldtiere zu zählen. Die Methode hierzu muss er sich noch überlegen.

Bei Feuchtigkeit aktiv
Zecken beißen nicht, sondern stechen
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