Ulmer Biologen entdecken neuen Trinkmechanismus bei Tieren

Eine völlig neue Trinktechnik haben Ulmer Biologen bei einer tropischen Fledermausart entdeckt. Das lässt generelle Rückschlüsse auf die Evolution zu.

|
Zunge raus und ran an den süßen Nektar: eine tropische Blumenfledermaus der Gattung Lonchophylla robusta beim Anflug an eine Bromelienblüte.  Foto: 
Anekdoten kursierten unter Forschern schon seit Jahren, sagt Dr. Mirjam Knörnschild. Anekdoten, dass manche Fledermausarten anders Nektar trinken als ihre Artgenossen. Nun könnte man meinen, das sei nichts Besonderes. Schließlich gibt es auch unter Menschen Schluckspechte, Säufer und Langsam-Trinker. Doch die Ulmer Uni-Biologen um Prof. Marco Tschapka, Dr. Tania Gonzalez und Knörnschild wollten es genau wissen.

Siehe da: Bei einem ihrer Forschungsaufenthalte in Panama entdeckten sie eine unbekannte Fledermaus-Trink-Technik: Während alle bisher untersuchten Arten den Nektar mit ihren Zungen aus den Blüten lecken, nutzen andere ihre Zunge wie ein Fließband.

Mit Hochgeschwindigkeitskameras hatten die Wissenschaftler vom Institut für Evolutionsökologie und Naturschutzgenomik die Fledermäuse auf einer Forschungsstation des Smithsonian Tropical Research Institutes beobachtet. „Die meisten Blumenfledermäuse nutzten ihre Zunge wie einen Wischmopp“, sagt Tschapka: Sie leckten die Blüte mit ihrer behaarten Zunge aus. Doch dann beobachteten die Forscher auch Arten, die ihre Zunge wie eine Art Förderband einsetzen. Schon seit einiger Zeit sei bekannt gewesen, dass eine Sub-Gruppe dieser Blumenfledermäuse keine behaarte Zunge habe. Dafür aber seitliche Kanäle, deren Funktion Rätsel aufgab.

Verformungen der seitlichen Zungenkanäle zeigten: Diese Fledermäuse saugen den Nektar mit Pumpbewegungen der Zunge in ihr Maul. Diese Art zu trinken, sei bisher bei keinem Säugetier beschrieben worden, sagt Tschapka.

Beide Methoden, Wischmopp wie Förderband, sind den Forschern zufolge gleichermaßen erfolgreich. Warum also existieren sie nebeneinander – und passt das zur gängigen Evolutionslehre? Womöglich, so glauben die Wissenschaftler, bevorzugen Arten mit unterschiedlichen Zungen verschiedene Blüten. Pinselzungen könnten besonders für Blüten geeignet sein, in denen Nektar in kleinen Mengen verteilt über unterschiedliche Stellen abgegeben wird. Der Pumpmechanismus ist besser für Blüten geeignet, an denen sich konzentriert große Nektartropfen bilden.

Die Entwicklung der unterschiedlichen Trink-Techniken führen die Ulmer Wissenschaftler auf eine Parallel-Entwicklung zurück: Die Vorliebe der Blumenfledermäuse für Nektar habe sich im Laufe der Evolution wohl zwei Mal unabhängig voneinander entwickelt – und dabei vollkommen verschiedene Mechanismen der Nektaraufnahme perfektioniert.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Bundestagswahl: Es liegt in Ihrer Hand

Jede Stimme zählt, wenn am Sonntag der 19. Bundestag gewählt wird. Er ist die Volksvertretung und damit das wichtigste Organ der Bundesrepublik. Wissenswertes und Unterhaltendes. weiter lesen