Ulmer Basketballer überrascht von frecher TBB Trier

Ratiopharm Ulm hat sich am Samstag mit 79:84 (29:41) gegen die TBB Trier die zweite Heimniederlage im sechsten Bundesliga-Spiel eingehandelt. Um die Play-offs zu erreichen, muss sich daran etwas ändern.

|

Centerspieler Trent Plaisted fühlte sich sichtlich unwohl. Nach der 79:84-Niederlage gegen die TBB Trier musste er sich auf dem Sofa vom Möbel Mahler Fantalk den Fragen stellen. Doch als echter Sportsmann gab er ganz offen zu: „Wir haben schlecht gespielt.“ Dass er sich selbst, seinem Team und den 6000 Fans keinen Sieg schenken konnte, das war ihm gar nicht recht.

Der Frust über die zweite Pleite der Ulmer machte sich auch in Taten bei den Anhängern breit. Fan-Attack-Ulm hatte erstmals für die Partie knickbare Leuchtstäbe verteilt, die für Atmosphäre sorgten, von denen aber wohl einige aufs Spielfeld geworfen wurden. Diesen Samstagabend im Spätherbst wollte nicht nur das Team schnellstmöglich abgehakt sehen.Zu verlieren, das sind sie nicht gewöhnt, die Basketballer aus Ulm. Vor allem in eigener Halle gilt Thorsten Leibenaths Mannschaft als äußerst schwer zu knacken – egal, in welcher Konstellation die Ratiopharm-Akteure letztendlich auftreten. Darum ist diese 79:84-Niederlage gegen die TBB Trier gleich in zweifacher Hinsicht bitter. 3:3 lautet die Bilanz nach sechs Bundesliga-Partien – eine unerwartet schwache frühe Saisonbilanz. „Mit 5:1 oder 4:2 hätte ich gerechnet – das 3:3 entspricht nicht unseren Vorstellungen“, sagte Teammanager Dr. Thomas Stoll.

Nach dem 74:77 gegen Bonn verbuchen die Ulmer nun die zweite Heimpleite in Folge. „Das sind Spiele, die müssen wir gewinnen, wenn wir in die Play-offs wollen. Bonn war noch ein anderes Kaliber wie Trier, hier war ein Sieg Pflicht“, sagte Stoll und betonte auch: „Fehlende Vorbereitungszeit aufgrund der Eurocup-Spiele und Verletzte sind keine Ausrede – in jedes Ligaspiel musst du mit vollen 100 Prozent gehen.“

Doch von 100 Prozent war am Samstagabend nicht annähernd etwas zu sehen. Ulm legte einen seltenen Fehlststart hin. In den ersten beiden Zeigerumdrehungen gelang überhaupt nichts und Trier konnte mühelos auf 11:0 davonziehen. „Sie haben gedacht, das wird einfacher und haben erstaunt zugeschaut, wie Trier richtig gut spielte“, analysierte Stoll und kreidete den Ulmer Akteuren an: „Die richtige Einstellung für das Spiel hat gefehlt. Du sammelst in der Liga nicht im Vorbeigehen die Punkte.“ Die TBB Trier fuhr ohne drei Stammspieler nach Ulm – neben Schlüsselspieler Andreas Seiferth und Anthony Canty fehlte auch Mathis Mönninghoff. Mit lauter jungen Spielern fuhr die im Tableau schlechter platzierte TBB in die Donaustadt – „Trotzdem darf man nie denken, das wird leicht“, monierte Leibenath die Fehleinschätzung seines Teams.

Dennoch wurde das Ulmer Team von den „frech“ (TBB-Coach Henrik Rödl) aufspielenden Trierern an der Nase herumgeführt. Die Spieler agierten wie von der Rolle und fanden nicht in ihr Spiel. An der Statistik des ersten Viertels lässt sich ablesen, wie orientierungslos sich der Gastgeber in den ersten zehn Minuten präsentierte. Trier führte nicht nur zu Beginn mit elf Punkten, auch am Ende des ersten Viertels hatte Henrik Rödls Team diesen Vorsprung inne. Indes gelang es seinem Team ganz ohne Freiwürfe, denn offensichtlich ging kein einziger Ulmer so zur Sache, dass es für einen Fingerzeig des Referees auf die Freiwurflinie gereicht hätte.

Auch prägnant ist der Wert bei den „Assists“, also den Passvorlagen, die zu einem Korberfolg führen: Im ersten Viertel stand da eine glatte Null, nach den zweiten zehn Minuten kamen die Ulmer erst auf einen einzigen Assist, und nach Spielende schlugen für Ulm hier nur bescheidene fünf zu Buche. Funktionierendes Teamplay sieht anders aus. Leibenath fand in der Pressekonferenz deutliche Worte: „Die waren heiß drauf zu spielen, das habe ich in zwanzig Minuten bei meiner Mannschaft nicht gesehen, das ist ein nicht akzeptabler Zustand“, war der Ulmer Coach enttäuscht. Es dauerte bis in das dritte Viertel hinein, bis Ulm den Rückstand aufgeholt hatte und erstmals in Führung ging, beim 62:60 durch Philipp Schwethelm. Vorausgegangen war dem ein Fünf-Punkte-Lauf von Edgar Sosa. Zuvor hatte Per Günther drei Dreier versenkt – allein durch die Initiative des Aufbauspielers kam etwas in Gang.

Doch das Engagement, das Ulm reichlich verspätet aufs Parkett brachte, reichte am Ende nicht, um Trier um einen treffsicheren Warren Ward (24) zu schlagen. „Die Spieler haben die Verantwortung untereinander hin und her geschoben. Jeder war bemüht, doch nur Per Günther hat es geschafft, einen coolen Kopf zu bewahren“, stellte Ulms Manager fest. Thorsten Leibenath wird wissen, was es nun zu tun gibt. Bereits morgen Abend (20.30 Uhr) ist seine Mannschaft wieder auswärts im dritten Eurocup-Duell gefordert. Beim französischen Vertreter Paris-Levallois könnte Ratiopharm Ulm die Pleite vergessen machen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Ratiopharm Ulm

Ob Spielberichte oder Transfergerüchte - auf dieser Seite erfahren Sie alle Neuigkeiten rund um den Ulmer Basketball-Bundesligisten.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Teva streicht weltweit 14.000 Stellen

Die Ratiopharm-Mutter Teva will weltweit 14.000 Stellen streichen. In Deutschland hat der Konzern 2900 Mitarbeiter, die meisten arbeiten in Ulm. weiter lesen