Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

Über den Schwörmontag vom 21. Juli 1975 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem berichtet: Feier im Saale Die Schwörfeier 1975 fand doch tatsächlich im Saale statt und nicht traditionell auf dem Weinhof. Es war vor 40 Jahren der reinste Wetterpoker.

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  • Nabada 1975: Der Bulle von Magirus-Deutz schnaubte in Anspielung auf eine Lkw-Lieferung nach Sibirien die Donau runter. Die Promis auf den Schachteln schirmten sich gegen den Regen, dem Rest war es egal. Fotos: Christine Marz, Maria Müssig 1/3
    Nabada 1975: Der Bulle von Magirus-Deutz schnaubte in Anspielung auf eine Lkw-Lieferung nach Sibirien die Donau runter. Die Promis auf den Schachteln schirmten sich gegen den Regen, dem Rest war es egal. Fotos: Christine Marz, Maria Müssig Foto: 
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Über den Schwörmontag vom 21. Juli 1975 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem berichtet:

Feier im Saale

Die Schwörfeier 1975 fand doch tatsächlich im Saale statt und nicht traditionell auf dem Weinhof. Es war vor 40 Jahren der reinste Wetterpoker. Oberbürgermeister Hans Lorenser warf wie schon einmal an Schwörmontag die Münze, und die fiel eigentlich auf die Seite für eine Schwörrede draußen. Aber seine Mitstreiter blieben hartnäckig, und so ging es ab ins Kornhaus. Wider Erwarten war der Saal dort dann überfüllt, die SWP verwundert: "Eine gar so unterhaltsame Show ist ja schließlich eine Schwörrede auch wieder nicht." Doch es herrschten "stickige Hitze und drangvolle Enge", und die Rede Lorensers wurde auch nach draußen ins volle Kornhausfoyer übertragen. Und was passierte dann abschließend beim Schwur des Oberbürgermeisters? Nun, die Schwörglocke dazu wurde vom Tonband eingespielt. Und gegen Ende der Feier drinnen setzte es draußen tatsächlich einen kräftigen Guss.

Stadt in Sorge

Themen der Schwörrede von Oberbürgermeister Hans Lorenser waren: die Sorge um die Finanzen der Stadt, die Sorge um die Beziehung von Stadt und Region, die Sorge um das Verhältnis von Ulm und Uni-Klinik, die Sorge um die Stadtwerke (damals noch "Technische Werke"), vor allem wegen des Nahverkehrs, die Sorge um den Bevölkerungsrückgang. Seit Jahresbeginn war die Einwohnerzahl in Ulm von 99 186 auf 98 678 gefallen, und das, obwohl die Zahl ausländischer Mitbürger ständig stieg - auf damals 13 400. Heute sind es rund 20 000 von 120 000 Ulmern.

Themen im Angebot

Beim Nabada auf der Donau kürten die Zuschauer die Mottofähre der Münster-Brauerei zum originellsten Schiff. Die Mannschaft nahm den holprigen neuen Belag in der Hirschstraße auf die Schippe, und zwar mittels des neuen Baubürgermeisters Helmut Schaber. So wurde empfohlen, die Fußgängerzone einfach glatt zu schaben: "Wir haben ihn, den Hirschstraßen-Glattschaber!", hieß es da, und: "Der Neue setzt den Hobel an." Gut an kam beim Publikum auch der "Kuwaitcedes" der Marinekameradschaft, auf dem in Anspielung auf arabische Aktiengeschäfte ein Ölscheich den fliegenden Teppich mit einem Daimler tauschte. Auch das Schiff der Freiwilligen Feuerwehr Offenhausen gefiel, sie nahm wasserschnaubend die Lastwagen-Lieferung von Magirus-Deutz nach Russland aufs Korn: "Ulmer Bullen rollen bis Sibirien." Für die Münsterbrauerei nahm Hans-Joachim Amann vom Vertrieb dann den Pokal in Empfang, später selbst langjähriger Nabada-Organisationsleiter bis 2012. Vom Verkehrsverein gab es außerdem insgesamt 450 Mark. Auf Vorschlag Amanns wurden 100 der 200 Mark für den Sieger zusätzlich auf die weiteren Plätze verteilt.

Trocken im Schiff

Das Nabada ging auf schnell dahinfließender Donau rasant vonstatten, wie auch schon die Lichterserenade zuvor. Auf den Ordinarischiffen, den Ulmer Schachteln, spannten die Ehrengäste die Schirme auf, aber weniger wegen wild umherspritzender Nabader denn wegen Getröpfels von oben. Der große Schauer blieb beim Wasserfestzug aber aus, so dass den wie gewohnt massenhaft am Ufer stehenden Zuschauern die Sicht nicht auch noch durch Schirme verwehrt war.

Pferch in der Halle

Beim Ausklang in der Friedrichsau blieb wegen des regnerischen Wetters der so genannte Prominentenpferch für Ehrengäste der Stadt verwaist. "Dieses Ereignis war vorsichtshalber in die Donauhalle verlegt worden." So hatten sich die Promis dann nach dem Nabada, mit der Schachtel am Ufer anlegend, gegen den Strom der Volksfestbesucher zur Halle durchzukämpfen, wo das Volk draußenblieb: "Man war vorwiegend unter sich." Ja, es bildeten sich die üblichen Grüppchen. "Das Gespräch blieb in sich gekehrt." Die Bockwurst wurde als sehr gut gelobt. Der Rest der Ulmer und Besucher aber bevölkerte trotz Regenschauern unverdrossen die Biergärten und Kindergärten in der Au.

Kaiser im Stadion

Zum Schwörmontagskick im Stadion liefen vor 12 000 Zuschauern die großen Bayern auf, samt Kaiser Franz Beckenbauer. Die Amateure vom SSV Ulm 1846 schlugen sich mit ihrer jungen Mannschaft (Durchschnittsalter: 20,5 Jahre) achtbar und verloren 0:2. Die SWP entdeckte bei den "Spatzen" zu viel Respekt, was man von ihrem Torhüter nicht sagen konnte: "Pietsch stahl Müller die Schau." Alex Pietsch. In Glanzform. Ein Extra-Lob für ihn gab's von Bayern-Coach Dettmar Cramer. Die Tore für die Münchner schossen Horsmannn und Wunder, neben Maier, Dürnberger, Schwarzenbeck, Beckenbauer, Seneca, Müller und Rummenigge weniger im Gedächtnis gebliebene Namen (der Ulmer Uli Hoeneß in Diensten der Bayern war gerade frisch operiert). Dafür ist die Aufstellung der Ulmer Elf in bester Erinnerung: Pietsch, Dieter Berti, Zimmermann, Meier, Kubanczyk, Nußbaumer, Behr, Eißler, Michelberger, Günter Berti, Hiller. Der Unparteiische hieß übrigens trotzdem Ulm und kam aus Saulgau. Beim Schwörmontagskick 1973 gegen den FC Bayern hatten die Ulmer noch 1:9 verloren.

Meister im Heben

Georg Schießl aus Grimmelfingen durfte sich stärkster Mann aus Ulm und Umgebung nennen. Der 20-jährige Spezialtransporteur, der sonst Klaviere und Tresore schleppte, hob auf dem Ulmer Volksfest einen 475 Pfund schweren Stein "ohne allzu große Anstrengung" 56 Zentimeter hoch. Damit deklassierte er die Konkurrenz. Zweiter wurde der 29-jährige Kraftfahrer Wolfgang Kuckert, der es auf 46 Zentimeter brachte, Dritter: Hans Feniuk, Masseur und medizinischer Bademeister, 35 Jahre alt und mit 76 Kilogramm das Leichtgewicht in diesem Dreikampf, mit 45 Zentimetern. Der Steinhebe-Wettbewerb ("selbstverständlich auf eigene Gefahr") war von der Gold Ochsen-Brauerei veranstaltet worden, die Württemberger hatten die Gaudi den Bayern abgeschaut. Demnach gab es Bier für die drei Sieger, und zwar 100, 50 und 30 Liter, überreicht von Verkaufsleiter Arnold Wollsdorf. Übrigens: Jeder, der den Stein auch nur fünf Zentimeter lupfte, bekam "zur Erfrischung und Stärkung sofort eine Maß Gold-Ochsen-Volksfestbier".

Schuh im Wasser

SWP-Reporterin Annegert Bock zog an Schwörmontag notgedrungen frisches Schuhwerk an. Bei der Lichterserenade am Samstag hatte sie auf der Ulmer Schachtel sitzend einen Schuh verloren, so dass mit 4000 Kerzen "auch eine gebrauchte, ehemals weiße Pantolette, Größe 39" mit die Donau hinunterschwamm. Und wie reagierte die Reporterin? Schmiss einfach den anderen Schuh hinterher.

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