Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

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Sticht hier ein König den König aus? Na egal, die Schachfelder in den Grünanlagen wie hier auf dem Karlsplatz waren jedenfalls gut belegt. Foto: Simon Resch

In der Woche vom 25. bis 30. Juni 1973 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über folgende Ereignisse berichtet:

Die neue Schule

200 Aussteller aus acht Ländern bestückten die Ausstellung "schule 73 ulm" auf dem Ulmer Messegelände. Neben Produkten wie Globus, Musikinstrumenten und Kleinmagnetrührer gab es ein breites Diskussions- und Veranstaltungsprogramm. So sollten sich Schüler, Lehrer und Eltern einen aktuellen Überblick über Lehr- und Lernmittel sowie Theorie und Praxis des Unterrichts verschaffen können. Experten informierten bereits über "computerunterstützten Unterricht". Das Kultusministerium hatte eigens einen Bildungsberater abgeordnet. Beim Schulfernsehen gab es Sendungen, in der "Bänderbar" des Schulfunks Lehrkassetten für den Kassettenrekorder. Wie der morgendliche Unterricht kam allerdings auch die Ausstellung nur schleppend in die Gänge. Zum Auftakt schien sich geradezu ein Nachsitzen der Ulmer Ausstellungsgesellschaft als Veranstalter aufzudrängen. So fiel die Diskussionsrunde mit Schülern über "Erwartungen vom Unterricht" aus, weil keine Teilnehmer eingeladen worden waren. Über die "Rechtliche Situation von Eltern" und deren Mitbestimmung sprachen Elternvertreter mit einem Oberregierungsrat, aber ohne einen Lehrer.

Die neuen Spielwiesen

Das Garten- und Friedhofamt sorgte dafür, dass die Ulmer weniger arbeiteten und dafür lieber spielten - Schach nämlich, auf den großen Feldern in den Stadtparks. Es gab nun welche am Karlsplatz, in der Friedrichsau, den Ehinger Anlagen und am Böfinger Ladenzentrum. Spielverderber gab es auch. Das waren die, die immer wieder Figuren der 2500 Mark teuren Spielsätze wie den Läufer mitgehen ließen.

Der neue Münsterplatz (1)

Eine Arbeitsgemeinschaft am Keplergymnasium legte Pläne für den Münsterplatz vor. Die Schüler aus den Klassen 12 und 13 unter ihrem Lehrer Joachim Mantel machten Vorschläge, wie der Platz bebaut und von Autos befreit werden könnte. An Stelle des Münsterbazars und des Verkehrspavillons sahen sie auf voller Länge zwischen der Valentinskapelle und der Hirschstraße "ein Bauwerk in zwei Ebenen mit geschwungenen Linien und zwei Baukörpern" vor. Dort sollte neben Café, Boutiquen, Postamt, Tourismusbüro, Konzertdirektion und Kiosk auch ein Kinderhort unterkommen, "in dem Frauen während des Einkaufs ihre Kinder unterbringen können". Auf dem Platz selbst wären Bäume gepflanzt und ein halbkreisförmiges Freilichttheater angelegt worden. Der Wochenmarkt hätte dabei noch Fläche genug gehabt. Stadtbaudirektor Hans Bartels lobte, der Entwurf würde dem Platz "menschlichere Dimensionen" geben, ließ eine Realisierung aber völlig offen. Mantel versicherte: "Wir sind nicht mit der Annahme zum Stadtplanungsamt gekommen, daß morgen schon die Bagger auf dem Münsterplatz anrücken."

Der neue Münsterplatz (2)

Unterdessen wurde der Münsterplatz schon mal zum Freiluftkino. So stellte das Ulmer Theater am Verkehrspavillon eine Leinwand und Klappstühle auf, um einen Film über das Treiben vor und hinter den Kulissen zu zeigen. Wolf-Dieter Wild, Leiter des Besucherrings, wollte damit noch mehrmals auf den Münsterplatz gehen. Verkehrsdirektor Ulrich Ehrhardt unterdessen wollte Filmvorführungen dort jetzt als feste Einrichtung etablieren, um den öden Platz zu beleben und zum Treffpunkt zu machen.

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