Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

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In der Woche vom 12. bis 17. Juni 1972 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über folgende Ereignisse berichtet:

Arroganter Wallach

50 Reit- und Spazierpferde aus polnischer Zucht wurden in der Friedrichsau zu einer Auktionsveranstaltung aufgefahren und fesselten das Interesse von 1000 Besuchern. Schon frühmorgens herrschte großer Aufgalopp zwischen den Boxen auf dem Ausstellungsgelände, draußen konnte man zum Proberitt schreiten, wobei schon mal ein nicht zugerittener Wallach durchging. Box Nummer 50 war am dichtesten umlagert. "Dort hielt der siebenjährige großräumige Wallach Ornak Hof. Sein lautes Wiehern, die arrogante Kopfhaltung und das aufmerksame Spiel der Ohren machten ihn rasch zum Publikumsliebling." Tatsächlich erzielte er mit 8900 D-Mark den Spitzenpreis der Auktion. Warum aber Polen? "Um die Monopolstellung der inländischen Pferdegestüte durch vernünftige Preise zu untergraben", wie Veranstalter Franz Rembold von der Arbeitsgemeinschaft Internationaler Reit- und Sportpferde Göttingen sagte. Auch der Oberelchinger Reitclub begrüßte die "Auktion der unbeschriebenen Blätter" im Sinne der Preisregulierung: "Warum soll sich der Pferdesport nicht nach unten öffnen?"

Troll an Bord

Die Gesellschaft der Donaufreunde machte klar Schiff für eine Freundschaftsfahrt mit der Schachtel nach Belgrad. Mit an Bord war Hans Bayer, besser bekannt als schwäbischer Schriftsteller Thaddäus Troll. Er fuhr auf der "Stadt Wien" bis Wien mit. Was er dort zu tun hatte, ist nicht bekannt. Ulms frisch gewählter neuer Oberbürgermeister Hans Lorenser stieg schon in Donauwörth wieder aus.

Fahrt nach Holland

Reisen bildet, die SWP schrieb sogar von einer "Reise in Ulms Zukunft": Die Stadträte waren durch Holland unterwegs, um sich dort ein Bild von der Planung moderner Innenstädte zu machen. Vor allem die Gestaltung von Fußgängerzonen stand in Amsterdam, Utrecht, Rotterdam, Delft, Den Haag und Eindhoven im Fokus.

Wilde Waldhöfer

Deprimierende Erkenntnis der SWP: "Die entscheidenden Feste im Stadion in der Friedrichsau feiern die anderen Vereine!" So wurde das 2:5 des SSV Ulm 1846 im Aufstiegsspiel gegen Waldhof Mannheim kommentiert. Noch schlimmer: Zur Halbzeit zettelten einige der 2500 Gäste-Fans im Innenraum eine Massenschlägerei an. "Während die Spieler Pause hatten, gab es widerliche Szenen." Obwohl es da schon 4:0 für Waldhof stand. Zwei Mannheimer waren als Auslöser ohne große Gegenwehr in den Mittelkreis gerannt, so dass Polizei und Ordner prompt Mühe hatten, die Situation in den Griff zu bekommen. "Zu spät wurden den Rowdys die Grenzen aufgezeigt." Schwacher Trost: "Dafür war die Partie trotz aller Hektik fair."

Arme Hunde

Der Tierschutzbund schlug Alarm: Tierquälereien hätten sich in letzter Zeit "in erschreckendem Maße" gehäuft. Berichtet wurde vom Fall eines Spitzes, der bellend in einem eingezäunten Garten umherlief, was einen Nachbarn derart störte, dass dieser den Hund mit eine ätzenden Flüssigkeit überschüttete. In einem anderen Fall wurde einem Hundehalter eine völlig abgemagerte Schäferhündin weggenommen, die eben erst fünf Junge geworfen hatte. Da mit der zunehmenden Zahl der Tiere im völlig überfüllten Tierheim im Örlinger Tal auch die Kasse des Vereins über Gebühr belastet wurde, rief dieser nun dringend zu Spenden auf.

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