Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

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Die Ulmer Stadträte besuchten das neue Berufsbildungszentrum auf dem Kuhberg, an der Schnittstelle: Oberbürgermeister Hans Lorenser. Foto: SWP-Archiv

In der Woche vom 5. bis 10. März 1973 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über folgende Ereignisse berichtet:

Das Handwerk grollt

Die Handwerkskammer Ulm vergrößerte sich auf dem Kuhberg. So entstand in Nachbarschaft zur gewerblichen Berufsschule ein Berufsbildungszentrum, dessen erster Teil nun fertig war. Ursprünglich hatte die Handwerkskammer an ihrem Stammsitz in der Olgastraße erweitern wollen, doch diesem Vorhaben machte der Theaterneubau an dieser Stelle einen Strich durch die Rechnung. Kammerpräsident Friedrich Degeler kommentierte: "Hier hat die Verwaltung gegebene Zusagen nicht eingehalten." Jetzt waren die Stadträte zu Besuch im neuen Zentrum, gaben für dessen Bau aber trotzdem keinen Zuschuss. Immerhin aber war die Stadt der Kammer beim Grundstückskauf entgegengekommen und stellte auch für den zweiten Bauabschnitt Hilfe in Aussicht. Für FWG-Stadtrat Udo Botzenhart war das Berufsbildungszentrum "eine gute Sache für Ulm", weil es die Gewerbeschule entlaste, für Eberhard Lorenz (SPD) war es dagegen eine Bankrotterklärung für das duale Ausbildungssystem.

Das Legospiel begeistert Der von der Ulmer Volksbank ausgerichtete Lego-Bauwettbewerb verzeichnete einen Rekord, und zwar im bundesweiten Vergleich: So waren 886 Modelle eingereicht worden, so viel wie noch nie und nirgendwo sonst bei dieser Veranstaltung. Darunter waren Galeeren, Koggen, Windmühlen, Autos, Kräne und Apollo-Raketen. Kein Wunder, war das Kornhaus bei der Preisverleihung unter den 694 teilnehmenden Jungen und 207 Mädchen überfüllt, wobei 56 Hauptpreise vergeben wurden. Tags darauf konnten dann alle Arbeiten in der Schalterhalle der Volksbank in der Frauenstraße besichtigt werden. Alles in allem gab es Preise im Gesamtwert von 12 000 Mark, und keiner der Baumeister ging dabei leer aus: "Jeder Teilnehmer erhielt zumindest ein schönes Spiel."

Das Bier wird teurer

Die Stuttgarter Brauereien hatten vorgelegt, die beiden Ulmer - Gold Ochsen und Münster-Brauerei - zogen nach: Das Bier wurde teurer. Die Halbe sollte künftig zehn Pfennige mehr kosten, nachdem der Preis zuletzt im Frühjahr 1971 erhöht worden war. Bisher hatte sich der Ulmer Raum bei der Preispolitik mehr nach Bayern orientiert, von Südbayern und Schwaben war diesmal allerdings noch nichts zu hören gewesen. Man ging aber davon aus, dass der Kostendruck baId auch aufs bayerische Grenzgebiet durchschlagen wird. Bei Alkoholfreiem änderte sich übrigens nichts.

Die Stadt bewegt sich

Am Donauufer wurde das Radfahren erleichtert - ein bisschen wenigstens. So wurde der Gehweg von der Schillerstraße ins Donautal für Radler freigegeben, aber "nur zu den Zeiten des Berufsverkehrs", und das hieß: Montag bis Freitag von 6 bis 8 und 15.30 bis 17.30 Uhr. Das kam vielen Ulmern entgegen. Zu einer allgemeinen Fahrerlaubnis auf dem Gehweg konnte sich das Ordnungsamt aber nicht durchringen. Es hielt Probleme dabei noch für "nicht ganz ausgeschlossen".

Der Diktator kommt

Im Anzeigenteil der SWP wurden Ausgabe für Ausgabe die Tage heruntergezählt mit der Botschaft: "Der Führer kommt!" Erst am vorletzten Tag wurde aufgelöst, wohin er kommt: ins Filmstudio Bambi. Und erst als es soweit war, kam endgültig heraus, dass es sich dabei nur um Charlie Chaplin handeln konnte als "Der große Diktator" im gleichnamigen Film von 1940: "Der Hitler-Film, über den Hitler nicht lachen konnte!" Wozu aber die ganze Aufregung 1973? Ganz einfach, erst da durfte allgemein gelacht werden: "Im Dritten Reich verboten! Im Nachkriegsdeutschland verboten - aber jetzt für die Jugend freigegeben!"

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