Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

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Das Fernsehen war im EinsteinHaus zu Gast und eröffnete damit die TV-Reihe "Diskuss" über die Situation Jugendlicher in Deutschland. Foto: Helmut Sander

In der Woche vom 26. Februar bis 3. März 1973 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über folgende Ereignisse berichtet:

Platz für die Jugend

Der SDR startete eine sechsteilige TV-Serie über die Situation junger Menschen in der Bundesrepublik (Titel: "Diskuss"), und zwar in Ulm, Grund: die vorbildlichen "offenen Samstage" für Jugendliche in der Volkshochschule. 1500 Leute kamen im Einstein- und Kornhaus zur Diskussion zusammen, zentrales Thema: Wann gibts für die Ulmer Jugend endlich ein Jugendhaus? Oberbürgermeister Hans Lorenser gab sich keine Blöße und zauberte den Büchsenstadel als künftiges "zentrales Haus der Jugend" aus dem Hut, neben dem benachbarten Salzstadel, der als Studentenheim vorgesehen war. Außerdem kündigte er auf einmal an, dass der Eselsberg - eine TV-Redakteurin zur Wohnsituation dort: "ein kranker Stadtteil" - ein Jugendhaus bekommen solle. Ungläubiges Kopfschütteln im Saal nach Jahren des enttäuschten Wartens.

Kein Platz für die Garde

Zu keck waren die Jecken der Großen Karnevalsgesellschaft Ulm/Neu-Ulm, zumindest für den Bund Deutscher Karneval. Dieser disqualifizierte bei der Deutschen Meisterschaft der Tanzgarden in der Karlsruher Schwarzwaldhalle die neun Mädchen von der Donau, die als Landesmeisterinnen angereist waren. Begründung: Statt Marschtanz hätten sie Schautanz gezeigt, und die Kostüme seien zu modern. Joe Malischewski und Kurt Wiedenmann reagierten fürs Ulmer Präsidium mit "entschiedener Gelassenheit", schrieb die SWP. Allerdings hätten sie von der Jury, "die nichts als den alten Marschtritt kennt", etwas mehr Taktgefühl gegenüber "unseren Mädchen" erwartet. "Wir haben den Eindruck, daß Karneval eine tierisch ernste Angelegenheit für manche sein muß. Diesen Weg machen wir nicht mit."

Platz für die Kunst

Der Kunstverein Ulm hatte endlich sein eigenes Domizil: Nach elfjährigem Provisorium im Rathaus eröffnete er im umgebauten historischen Schuhhaussaal mit einer Ausstellung über ostasiatische Kunst aus privaten Sammlungen. Vorsitzende Elsbet Zumsteg zeigte sich erfreut: "Der Stadt Ulm gereicht es zur Ehre, daß sie den Schuhhaussaal wieder zu einer Stätte der Kultur werden ließ." Für sie selbst sei der Einzug die "Krönung meiner Arbeit". Der Kunstverein hatte seine Räume im Golschenkeller durch Zerstörung im Krieg verloren, bekam für Ausstellungen dann immer mal wieder Platz im Museum und konnte seit 1961 in einem eigenen Raum im Rathaus ausstellen.

Platz für ein Sedelhofbad

Die Pläne für den Bau des Sedelhof-Parkhauses, das jetzt 40 Jahre später abgerissen wird, sahen ein Wellenbad auf den Parkdecks vor. Das ging aus dem Rahmenentwurf für die benachbarte Bahnhofstraße hervor, die jetzt in eine Fußgängerzone umgewandelt werden sollte. Die Stadträte fanden das gut, zumal Stadtbaudirektor Hans Bartels sagte, dies sei leichter zu realisieren als teure Wohnungen. Zur weiteren Belebung sollte neben dem Wellenbad ein Terrassencafé entstehen. Am Ende wurden bekanntlich Büroetagen daraus, das Viertel geriet mit seinem tristen Image zusehends ins Abseits. Mit der Einkaufsgalerie der Sedelhöfe aber soll jetzt alles besser werden.

Platz für den Delta II E

Monteure der Energieversorgung Schwaben (EVS) waren in Ulm jetzt mit einem außergewöhnlichen Gefährt unterwegs. Der futuristische Kastenwagen Delta II E wurde von einem 11 PS starken Elektromotor angetrieben, machte keinen Lärm und produzierte keine Abgase. Das umweltfreundliche Testmobil war mini, wog aber 1250 Kilo - die Batterien waren so schwer; trotzdem reichten sie bloß für 60 Kilometer. Dann mussten die EVS-Leute eine Steckdose finden.

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