Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

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Auf Abstand: Ivan Rebroff brachte die Donauhalle nicht ganz voll. Seine Truppe, ganz links ein Balalaikaspieler, war trotzdem vom Feinsten. Foto: Maria Müssig

In der Woche vom 12. bis 17. Februar 1973 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über folgende Ereignisse berichtet:

Langweiliges Ulm

Ulm hatte bundesweit das Image einer schönen Stadt, wurde allerdings auch als gemütlich erlebt, was ihr dann unweigerlich auch als "vergleichsweise langweilig" ausgelegt wurde. Das war das Ergebnis einer Studie des Instituts für angewandte Sozialwissenschaft (Infas). Ulm war die kleinste der zwölf untersuchten westdeutschen Großstädte. Leute, die öfters da waren, zeigten dabei eine überdurchschnittliche Bereitschaft, die Stadt nicht nur zu besuchen, sondern dort auch zu wohnen. Richtig ärgerlich für die Politiker im Rathaus, wo die Ergebnisse vorgestellt wurden, war dagegen: "Besonders bei den Jugendlichen schneidet Ulm schlecht ab." Die abgefragten Eigenschaften "dynamisch" und aufstrebend" sprachen die 18- bis 24- Jährigen der Stadt sogar ausdrücklich ab. Für sie hatte Ulm auch keine touristische Anziehungskraft. Bürgermeister Hans Bartels urteilte, dass das große Stellenangebot und die beruflichen Entfaltungsmöglichkeiten und Karrierechancen in Industrie und Universität außerhalb der Stadtgrenzen noch zu wenig bekannt seien. Daran müsse die städtische Informationspolitik dringend arbeiten. Einstweilen wurde Ulm - wenig überraschend- vor allem noch mit diesen Begriffen in Verbindung gebracht: Münster, Donau, Schwaben.

Ein Herz für Damen

Der Ulmer Oberbürgermeister Hans Lorenser hatte echt ein Herz für Frauen: Am Valentinstag überraschte er zu Beginn der Gemeinderatssitzung die Stadträtinnen mit Blumengebinden. Marianne Obermeier-Weißer, Felicitas Hauser, Gertrud Beck und Centa Liebhart waren blumig gerührt, bevor es an die politische Arbeit ging. Leer aus gingen ihre Ratskolleginnen Gustel Saur und Irene Hohage - ganz einfach, weil sie an der Valentins-Sitzung gar nicht teilnahmen. Pech gehabt!

Abgesang auf Schnulzen

Die SWP sah den Stern der "Ein-Mann-Super-Shows" endgültig sinken. Denn auch Schnulzenkönig Ivan Rebroff schaffte es jetzt mit seinem Ulmer Gastspiel nicht, die Donauhalle zu füllen, ebenso wenig wie die Schlagerstars Mireille Mathieu und Udo Jürgens zuvor. Oder lags vielleicht doch an den Ulmern? Immerhin wurde Rebroff von einem Kamerateam des Bayerischen Fernsehens begleitet und diesem Aufwand mit dem seifigsten Repertoire aus Oper und Operette auch absolut gerecht - so wie er "souverän durch mehrere Oktaven schnulzt". Die SWP-Kritikerin hob im Übrigen "die hervorragenden musikalischen Leistungen von Rebroffs Balalaika-Gruppe" hervor, die in den Hitparaden eher keine Rolle spielten.

Hilfe von den Amis

Die "Schwäbische Himalaya-Expedition" um den Neu-Ulmer Gerhard Schmatz, die sich 1973 den Manaslu vornahm, bekam Unterstützung von der amerikanischen Armee: Das in Neu-Ulm stationierte 1st Battalion, 81st Field Artillery stattete die Bergsteiger mit zehn Kälteschutzmasken gegen die Eiseskälte auf dem 8000er aus. Bataillonskommandeur Oberstleutnant Harry W. Crandall überreichte die Ausrüstungsgegenstände.

Jagdrevier Friedrichsau

Die Polizei griff einen 30-jährigen Arbeiter auf, der Anwohner in der Friedrichsau frühmorgens um vier durch Abfeuern mehrerer Schüsse aufgeschreckt hatte. Tatsächlich hatte der Ulmer ein halbes Waffenarsenal bei sich, wobei unklar blieb, ob er im Stadtpark irgendwelche Bären oder Hirsche erlegen wollte. Er trug ein doppelläufiges Jagdgewehr, einen Trommelrevolver, einen Gurt mit 13 Patronen und zwei Jagdmesser. Und er war betrunken.

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