Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

In der Woche vom 1. bis 6. Dezember 1975 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über diese Ereignisse berichtet: Feuer unterm Dach, Postler unter Kontrolle und Bier unter der Pfanne.

|

Feuer unterm Dach

Die Feuerwehr sorgte bei den Etatberatungen im Ulmer Rathaus für Feuer unterm Dach. Die Schlafräume in der neuen Wache in der Karlstraße waren für eine Mannschaftsstärke von 60 Feuerwehrleuten ausgelegt und eingerichtet, wobei nur 21 Betten benötigt wurden. Stadtrat Udo Botzenhart: "Da wurden zigtausend Mark fehlinvestiert. Irgendwer hat da doch wieder geschlafen." Tatsächlich wurden 23 000 Mark zu viel ausgegeben. Stadtrat Karl Friedrich Kirchner: "Die Verschwendung, die man der Verwaltung oft vorwirft, wird tatsächlich praktiziert." Der nicht belegte Platz sollte jetzt dem Amt für Verteidigungslasten und dem Prüfamt für Baustatistik zur Verfügung gestellt werden - die freilich nicht wirklich Betten brauchten.

Postler unter Kontrolle

Ulmer Briefträger wurden Schritt auf Tritt verfolgt: Die Bundespost ermittelte so "nach arbeitswissenschaftlich gesicherten Methoden", wie weit Postboten auf ihren Touren gehen mussten und wie viele Briefe sie zu verteilen hatten. Dazu waren ihnen Prüfer mit einem Messrad auf den Fersen, und das nun schon zum zweiten Mal. Denn nach einer ersten Testtour hatte sich herausgestellt, dass einige Zähler die Anweisungen falsch verstanden hatten - so viel zu arbeitswissenschaftlich gesicherten Methoden. Jetzt wurde auch in zehn Ulmer Zustellbezirken noch mal nachgezählt; sollten Abweichungen auftreten, mussten alle 70 Bezirke in Ulm noch mal neu erhoben werden. Die Studie sollte Daten über Arbeitszeit und -aufwand bringen.

Bier unter der Pfanne

Das Bräustüble der Münsterbrauerei in der Ulmer Weststadt eröffnete in umgestalteten Gasträumen neu, dazu kam der Braumeister in seiner historischen Tracht, um Herrenpils vom Fass auszuschenken, für eine Mark das 0,4 Liter-Glas. Die Wirtsleute warben: "Unsere Küche hat ein oberschwäbisches Schlachtfest für Sie vorbereitet." Seit dem Bau 1908 war die Gaststätte nicht groß umgebaut worden. Buchstäblich Aushängeschild im Gastraum war jetzt der "Münster-Zunft-Stammtisch", über dem umgedreht eine alte, fünf Zentner schwere Sudpfanne hing, in der im benachbarten Sudhaus einst Bier gebraut worden war.

Zinn ist in

Zinn war in als Dekoration und Geschirr im Haushalt. So bot Laumayer ("attraktiv im Fußgängerparadies") den "ganzen Formenreichtum in Laumayers zünftiger Zinnstube. Symbol kultivierter Gastlichkeit." Zum Beispiel als Bierbecher mit Jagdmotiv für 19,90 Mark. Oder als Zinn-Väschen mit Gewürzstrauß für 13,90 Mark. Oder als Wandteller mit buntem Keramikeinsatz für 23,90 Mark. Oder natürlich gleich als Ulmer Wappenteller, 28 Zentimeter, für 112,60 Mark. Das Tellerbord aus Massiv-Eiche für die Zierteller gab es übrigens bei Möbel Mutschler schon ab 39 Mark. Abt am Münsterplatz bot unterdessen eine vorweihnachtliche Vorführung im Bemalen von Zinnfiguren wie zum Beispiel anhand von Husaren hoch zu Pferde, und zwar im Untergeschoss: "im hobbybobby-shop".

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gewerkschaft der Polizei: Mobbing, Schulden, Rechtsstreitigkeiten

Nach Außen steht die GdP für Solidarität, Recht, Ordnung. Intern treiben den Landesbezirk Baden-Württemberg  Mobbingvorwürfe, Rechtsstreitigkeiten und Finanzprobleme um. weiter lesen