Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

In der Woche vom 10. bis 15. Dezember 1973 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über folgende Ereignisse berichtet.

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Ojeh, der Herr Kuppel mit seinem Mopedle, da wird er von der Polizei gestoppt. Im Selbstversuch testete der SWP-Reporter vor 40 Jahren, wie weit man an einem autofreien Sonntag mit einem Elektro-Mofa kommt - in Neu-Ulm und Ulm nur bis zur baden-württembergischen Grenze.  Foto: 

Schlechte Grenze
SWP-Chefreporter Walter Kuppel kurvte mitten am autofreien Sonntag mit einem Mofa durch die Gegend. Bekam er deswegen Ärger? Ja und nein. Das lag mal wieder an der typischen Grenzsituation zwischen Ulm und Neu-Ulm. Kuppel saß geschickterweise auf einem Elektro-Mofa, und damit durfte er in der Tat in Neu-Ulm fahren, weil im Bayerischen eine Sonderreglung galt. Er schrieb in seinem Testbericht: "Ich darf dort ein Verbot übertreten, ohne dabei ein Verbot zu übertreten." Polizisten, die in Offenhausen Fahrzeuge kontrollierten, ließen ihn denn auch ohne Aufhebens passieren. Kaum mit 24 Sachen über die Gänstorbrücke rübergeschnurrt, bekam er es dann aber mit der baden-württembergischen Polizei zu tun, denn im Ländle wurden auch Fahrten mit solch bezinsparenden Gefährten geahndet. Nun drohten Kuppel 500 Mark Bußgeld, als er gestoppt wurde. Zuerst war er froh, zur Aufnahme seiner Daten ins wärmende Poilzeiauto gebeten zu werden, dort aber wurde es ernst - und der Reporter zückte eine Ausnahmegenehmigung, die er für diesen Fall in der Manteltasche hatte. Fazit: "Sollte ich am nächsten Sonntag privat mit dem Elektro-Mofa unterwegs sein, werde ich angesichts des Münsterturms mitten auf der Donaubrücke den Motor abstellen: Eine Strafe, die fast dem halben Neupreis des Elektro-Mofas entspricht, wäre mir sonst gewiß." Im Übrigen bilanzierte die Polizei nach dem dritten autofreien Sonntag in der Ölkrise: "Von Schwierigkeiten und Ausschreitungen ist uns nichts bekannt."

Gute Grenze
Der neue Biberacher Landrat Wilfried Steuer plädierte im Regionalverband Donau-Iller für die Beibehaltung der Ländergrenze, zur Überraschung der bayerischen Vertreter, die den Standpunkt der Münchner Staatsregierung damit von baden-württembergischer Seite bestätigt sahen. Steuer fand, der Regionalverband sei schließlich dazu da, grenzüberschreitende Probleme zu lösen. Nicht in der Ausgewogenheit der Länder, sondern in deren Vielfalt liege ein erstrebenswertes Ziel.

Schlechtes Theater
FDP-Stadtrat Helmut Betzler fand spätes Theater schlecht. Die Aufführungen im Ulmer Theater sollten eine halbe Stunde vorverlegt werden, damit das Publikum hernach noch Gaststätten erleben dürfe, "ohne dort die Unbehaglichkeit des Aufstuhlens und unfreundliche Blicke des bereits auf Feierabend bedachten Personals in Kauf nehmen zu müssen". Wünschenswert sei in diesem Zusammenhang auch, dass die Künstler den Kontakt mit den Besuchern suchten. Aber nicht nur die Theaterleute, auch die Gastwirte sollten entsprechend offen sein und einen "theatergerechten Service" bieten. Insgesamt verstand Betzler seinen Vorstoß als "Beitrag zur Diskussion über Möglichkeiten, zu höheren Besucherzahlen am Ulmer Theater zu gelangen". Eigentlich wäre der Beitrag aber auch ein guter Stoff für ein eigenes Theaterstück gewesen.

Gutes Theater
Der Gemeinderat kam den Theaterbesuchern auf einer anderen Ebene entgegen. Er bekannte sich zum Dreispartentheater. Oper, Operette und Schauspiel sollten dem Ulmer Theater erhalten bleiben. Damit war dem Plan, das Musiktheater auszudünnen oder gar ganz abzuwürgen, um die Ausgaben zu reduzieren, eine Absage erteilt.

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