Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

|
Sauerei auf dem Ulmer Bahnhofplatz: Diesem ausgebüxten Schwein war kein langer Auslauf beschert, es wurde am Fahnenmasten festgesetzt. Archivfoto

In der Woche vom 25. bis 30. September 1972 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über folgende Ereignisse berichtet:

Der Gegengärtner

Die silberne Stahlplastik des Künstlers Erich Hauser vor der Martin-Schaffner-Schule war einem Nachbarn offenbar noch nicht schön genug: Er pflanzte einen Rosenbusch dazu, der sich nun um die Skulptur rankte. Oder sollte diese, durchaus umstritten, damit langsam zum Verschwinden gebracht werden? Egal, das städtische Gartenamt ließ diese frühe Form des Guerilla-Gardenings, also des anarchistischen Gärtnerns mitten in der Stadt, nicht durchgehen und entfernte die Heckenrose nun. Nicht der erste Eingriff dieser Art: Die Stadtverwaltung stand bereits seit vier Jahren mit dem Anwohner in Kontakt, wenn nicht über Kreuz, weil dieser die Schulumgebung nachhaltig auf seine Weise begrünte, Blumenzwiebeln setzte und Heckenlücken füllte. Das Alternativ-Angebot, einen Kleingarten zu kultivieren, hatte er ausgeschlagen.

Die Rentnerrettung

Ein 84-jähriger Mann aus Dietenheim war auf der Suche nach seinem Hörgerät, wobei: Es gehörte noch nicht wirklich ihm. Der Rentner hatte es bei der Firma Ulrich in Ulm zum Test abgeholt, kaufte am Busbahnhof noch schnell Schokolade für die Enkel - und verlor das Etui mit dem neuen Gerät. Schon halb im Bus, kehrte er schnell um, fand es aber auch am Kiosk nicht. Rettung nahte anderntags von der Ulmer Straßenreinigung; so las eine Kehrmaschine das Päckchen um fünf in der Frühe auf, aber nur mit mächtig Dusel. Sie war ins Stocken geraten, weil sie sich an diesem Gegenstand festgesaugt hatte. Beim zweiten Frühstück las dann ein Kehrmaschinenfahrer in der Zeitung über das Missgeschick des Rentners vom Vortag - und alles löste sich in Wohlgefallen auf.

Der Panzerprinz

Juan Carlos, damals noch Thronanwärter in Spanien, besuchte die Rommelkaserne. Es wurde ein Gefecht inszeniert, in dem die neuen Panzer "Marder" und "Leopard" zeigen konnten, was sie draufhatten. Der Prinz beobachtete das Treiben in einer Generalsuniform der spanischen Armee, versteckt allerdings unter einem Bundeswehr-Parka gegen die kühle Albluft. Dann schritt er selbst zur Tat und drehte höchstpersönlich "eine langsame Runde" im Leopard, Kommentar: "Fantastisch!" Aber auch sehr unbequem bei seiner Körpergröße.

Die Straßensau

Ein bisschen Freiheit schnupperte eine Sau am Hauptbahnhof, ohne freilich einen Zug erreichen zu können. Das Tier war vom Viehtransporter gefallen und mischte den Verkehr auf, bis es von einem zupackenden Taxifahrer auf den Bahnhofplatz gezerrt wurde. Vor anschwellender Zuschauerkulisse schafften es dann aber weder Bahnpolizisten noch Feldjäger, das Schwein festzusetzen; erst einem herbeigerufenen Metzger gelang es fachkundig, es an einem Fahnenmasten anzubinden. Über das weitere Schicksal der Sau wurde nichts bekannt.

Die Doppelrolle

In Neu-Ulm wurde in einer Aufsehen erregenden Aktion die Wohnung eines Mannes durchsucht, der mit der Baader-Meinhof-Gruppe in Verbindung gebracht wurde. Dann sagte das Ulmer Theater eine Aufführung des "Kandid" wegen "Erkrankung im Personal" ab. Dann kam heraus, dass das eine mit dem andern zu tun hatte. In Neu-Ulm wurde nämlich der Schauspieler Wolf-Dieter Tropf verhaftet, der im Kandid den Priester spielte. Drei Wochen später wurde er gegen eine Kaution freigelassen, die das Ensemble zusammengesammelt hatte. Fünf Jahre später wurde er zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, weil er - ebenso gutmütig wie leichtfertig - der linken Terroristengruppe eine Wohnung besorgt hatte.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Laster reißt Ampeln am Bahnhof um - Straßenbahn steht still

Ein Lkw hat in der Friedrich-Ebert-Straße eine Ampel umgerissen. Die Straße ist auf Höhe des Bahnhofs gesperrt. Straßenbahn und Busse haben massive Verspätung. weiter lesen