Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

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Auf dem Heimweg vom Neu-Ulmer Glacis: Der Bürgerverein wollte außer Müttern mit Kindern noch ein paar mehr Besucher im Park haben.  Foto: 

In der Woche vom 4. bis 9. August 1975 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über folgende Ereignisse berichtet:

Neues Leben im Glacis

Der Bürgerverein Neu-Ulm schickte sich an, das Glacis zu beleben, stellte am Wochenende zehn Sitzgarnituren auf und verkaufte Flaschenbier und Würstchen, Kaffee, Kuchen, Eis. Für Musik sorgten Schallplatten und Tonbandkassetten. Schaukel und Brettspiele standen auch bereit. Damit sollte getestet werden, ob ein Tagescafé im Glacis wirtschaftlich zu betreiben ist, was in der Tat immer schon im Gespräch gewesen war. Zwar hatte die Stadt seit 1963 mehr als eine Million Mark in die alte Festungsanlage gesteckt, doch der richtig große Durchbruch an Zuspruch ließ auf sich warten. Nur der Wasserspielplatz fand "unter Kindern und Müttern mit Kleinkindern" guten Anklang. "Dabei wären die asphaltierten Wege am Forellenbächle mit ihren schwachen Steigungen gerade für ältere Leute ideale Spazierwege." Das Problem wurde in der Vergangenheit gesehen, als im verwilderten Gebiet mit Überfällen und Belästigungen gerechnet werden musste. Davon konnte längst keine Rede mehr sein. Und der Auftakt zur Bewirtschaftung durch den Bürgerverein machte prompt Mut: Viele kamen und freuten sich nicht zuletzt an zwei Eseln, groß und klein, und einem Ponywagen. Breit ins Bewusstsein kam das Glacis dann mit der Landesgartenschau in Ulm 1980, die grenzüberschreitend auch in Neu-Ulm veranstaltet wurde.

Neuer Wilder Mann

Georg Hilsmann übernahm als neuer Pächter den Wilden Mann im Fischerviertel. Einst Zunftkneipe der Schneider und Küfer, zuletzt Lokal für türkische Gastarbeiter, wollte er aus dem denkmalgeschützten Gebäude von 1550 nach Umbau und Restaurierung jetzt ein Studentenhaus machen. Das hieß: Kneipe im Erdgeschoss und sieben Buden im ersten Geschoss. Bei der Auskernung wurde die alte Holzkonstruktion freigelegt, die künftig Charakter und Charme des Lokals ausmachen sollte, das der HfG-geschulte Designer Hilsmann übrigens als "Wilder Mann" weiterführte - wie die Gastwirtschaft seit ihrer Eröffnung 1878 hieß und heute noch heißt.

Neuer Schwung für Radler

Die Radsportabteilung im SSV Ulm 1846 fühlte sich als fünftes Rad am Wagen und versuchte, wieder Fahrt aufzunehmen. Zur Talentsuche wurde im Rahmen eines Jugendvergleichskampfes zwischen Bayern und Württemberg im Neu-Ulmer Industriegebiet ein Anfängerrennen in zwei Altersklassen gestartet. Die Sieger - Siegfried Hönsch und Armin Mann aus Neu-Ulm - bekamen ein, naja: Klappfahrrad, alle anderen eine Bratwurst. Darüber hinaus nahm sich Robert Starz von der Abteilungsleitung, ehemaliger württembergischer Meister im Bahnsprint, der Sache generalstabsmäßig an und rechnete mit einem Jahresetat von 13 000 Mark samt Trainingslager in Jugoslawien. Noch aber fehlten ihm 15 Talente - und eine Radrennbahn im Großraum Ulm.

Italienisches Flair

"Saluti del Lago die Campoluigi", also Grüße vom Ludwigsfelder See überbrachte die SWP mit einem Luftbild, das an ein Stück italienischen Strands an der Adria erinnerte: Wasser, dahinter ein mit Badegästen gefüllter Uferstreifen, dahinter ein mit parkenden Autos gesäumter Straßenstreifen, dahinter Felder. Das heimische Strandleben war allerdings nicht ganz so ungetrübt, weil der Baggersee in der Dauerhitze vor 40 Jahren an Sauerstoff einbüßte und schon tote Fische herumtrieben. Das Gesundheitsamt gab Entwarnung: Das Wasser war nach wie vor zum Baden geeignet.

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