Ulm richtet am Weinhof ein Stadtlabor für kreative Köpfe ein

70.000 Euro für die Welt von morgen: Auf diesen Nenner lässt sich bringen, dass die Stadt am Weinhof ein Stadtlabor Ulm einrichtet. <i>Mit Kommentar von Hans-Uli Thierer: Was sonst?</i>

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Ein Stadtlabor mitten in Ulm, das kreativen Köpfen offen steht; und ebenso freischaffenden Talenten und Künstlern an Schulen und Hochschulen, die sich tummeln auf dem freien Markt und in Initiativen rund um Themen und Tendenzen in den modernen Informationstechnologien (IT); im Mittelpunkt steht die Digitalisierung: Die Stadt Ulm mietet für ein solches „Experimentierfeld für die Welt von morgen“ (Oberbürgermeister Gunter Czisch in einer Vorlage für den Gemeinderat) in den Gebäuden Weinhof 6 bis 10 zunächst einmal Räume mit 300 Quadratmetern an. Die Gebäude gehören der Sparkasse, die sie nach ihren Neubauten in der Neuen Straße aber nicht mehr benötigt. Die Einrichtungen und Geräte im Stadtlabor werden von der Stadt gestellt.

Für dieses Projekt im Rahmen der Digitalisierungsoffensive „ulm 2.0“ stehen aus dem Stadthaushalt zunächst einmal 70.000 Euro als Anschubfinanzierung zur Verfügung. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Hauptausschuss des Gemeinderats am Ende einstimmig. Nicht jedoch, ohne dass zuvor durch Stadträtin Helga Malischewski (FWG) die Frage aufgeworfen worden wäre: Braucht’s so was überhaupt, wo es „doch schon so Vieles gibt“? Dem begegneten Thomas Kienle, CDU („ein vorbehaltloses Ja“) und Lena Schwelling, Grüne („das ist wirklich ein verdammt geiles Projekt, 70.000 Euro dafür sind Peanuts“) mit demonstrativen Gegenpositionen. Martin Rivoir, SPD, ging einen Schritt weiter: Die Stadt sollte nicht bloß Räume anmieten. Sondern sich bemühen, die ganze Immobilie wegen weiterer Perspektiven – womöglich auch für das seit Jahren unter Raumnöten stöhnende Stadtarchiv, das im Schwörhaus unmittelbarer Nachbar ist – von der Sparkasse zu kaufen. „Dann hätten wir den Daumen drauf.“

Ob als Mieter oder Eigentümer – das ist Gunter Czisch erst einmal egal. Der Oberbürgermeister ist zusammen mit Christian Geiger, in der städtischen IT zuständig für Grundsatzfragen von „ulm 2.0“, die treibende Kraft des Stadtlabors. Geiger sieht darin einen weiteren Baustein für eine digitale Modellstadt Ulm, deren Vorreiterrolle bundesweit wahrgenommen werde. „Es geht, einfach gesagt, um die Nachwuchsförderung, um digitale Weiterbildung für Kinder und Jugendliche, um die gezielte Förderung des digitalen Ehrenamts.“

OB Czisch betont gleichsam: „Das wird keine städtische Veranstaltung. Wir stellen lediglich den Rahmen zur Verfügung.“ Entscheidend sei für ihn, ein solches Haus nicht in den Campus-Landschaften der Hochschulen zu platzieren, „sondern mitten unter uns – in der Stadt“. Was ideal sei, weil der Weinhof für Schüler und Studenten dank guter Nahverkehrsanbindung bestens erreichbar sei. „Wird nicht seit eh und je verlangt, Uni und Hochschule stärker in die Stadt hereinzuholen. Hier haben wir die Chance. Es geht darum, zu einem gemeinsamen Denken, Planen und Umsetzen der verschiedenen Aktivitäten, die bereits existieren, zu kommen.“

Interessenten und Kooperationspartner für freie Digital-Initiativen und aktive Einzelpersonen sieht Czisch sowohl in den Schulen und Hochschulen als auch in der freien Wirtschaft. Letztlich werde am Weinhof ein „digitaler Bolzplatz“ geschaffen, auf dem junge Talente gesichtet werden, aus denen dann Fachkräfte für die IT-Branche hervorgehen könnten. Eine Partnerschaft mit einer IT-Unternehmerinitiative, die sich hinter den Kulissen anbahnt, wird angestrebt.

Das Stadtlabor wird zunächst bis Herbst als konkretes Projekt auf dem Papier entwickelt und soll dann noch in diesem Jahr starten und dann 2017 in einen dauerhaften Betrieb übergehen. Es ist fürs Erste angelegt auf eine Dauer von fünf Jahren.

 

Digitales Roxy

Ort der Vernetzung, des Austausches, der Innovation, der kreativen Entwicklung („Fab Lab“) – kurzum: ein „digitales Roxy“. Diese Ziele hat die Ulmer Stadtverwaltung in Bezug auf das Stadtlabor Ulm formuliert, das sie in den alten Sparkassen-Gebäuden am Weinhof schafft. Das Haus soll eine Art Marktplatz für die kreativen Köpfe der digitalen Welt werden. Es ist gedacht als offenes Angebot für Schüler, Studierende, Tüftler, Gründer und Jung-Unternehmer. Die Stadt wird Arbeitstische und eine Werkstatt einrichten, in der auch herkömmliche Maschinen, die zur Entwicklung digitaler Technologien benötigt werden, zur Verfügung stehen. Besonders reizvoll findet Oberbürgermeister Gunter Czisch, dass ein aus dem ganz und gar analogen Zeitalter stammender Tresorraum im Untergeschoss mit Schließfächern ebenfalls genutzt werden kann. „Wenn dieser Kontrast nicht die Kreativität fördert.“ Das Stadtlabor soll außerdem Platz für Vorträge und Seminare sowie ein Café bieten.

Ein Kommentar von Hans-Uli Thierer: Was sonst?

Kann man mit 70.000 Euro – einerseits viel Geld, andererseits bei einem 400-Millionen-Etat wie jenem der Stadt Ulm eine fast läppische Summe – als neuer Oberbürgermeister eine Duftmarke setzen? Man kann. Gunter Czisch zeigt es mit dem Projekt Stadtlabor Ulm. Dessen Idee fußt auf zwei Beinen: zum einen darauf, dem kreativen Potenzial in der Stadt einen Platz zu bieten, wo es sich zusammenrotten kann. Zum anderen, diese kreativen Köpfe herunter von den Hochschulhügeln zu holen herein in die Stadt und durch ein offenes Haus zu zeigen, was da unter jungen Leuten an Uni und Hochschulen so alles läuft in der digitalen Welt.

Die Stadtverwaltung beschreibt dieses Stadtlabor als „digitales Roxy“ und als „digitalen Bolzplatz“. Zweiteres trifft eher zu. Soll doch eine Spielwiese, ein Ermöglichungsfeld, entstehen. Freilich nicht bloß für Spielereien. Am Ende wird auch ein solches Testlabor sich daran messen lassen, was es konkret zum Nutzen der Welt oder der Region und ihrer Menschen hervorbringt. Der neue OB hat sich in der Einschätzung der Bedeutung von IT für die Zukunft einer Stadt von seinem Vorgänger auch schon als Kämmerer unterschieden.

Dass der bekennende Nerd Czisch auf diesem Feld danach trachtet, Profil zu gewinnen, liegt auf der Hand. Was auch sonst? Dem Gemeinderat aber muss klar sein, dass es mit den zunächst einmal bewilligten 70.000 Euro nicht getan ist.

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Kommentare

10.05.2016 17:35 Uhr

Der Tote packt den Lebenden

Mein früherer Supervisor kritisierte mich auch schon für meine wenig anschauliche und mithin kryptische Ausdrucksweise. Deshalb ein plastisches Beispiel: Frau Schavan, der ehemaligen Ulmer Bundestagsabgeordneten und Ministerin im Kabinett von Frau Merkel, ging ihr Doktorgrad deshalb jüngst verlustig, weil sie angesichts der unendlichen Vielfalt der weltweit angebotenen Arbeitskraft sich keiner zulässigen Konsumform (Wittemann) bediente und infolge dessen niemals eigenständig zu Erkenntnissen gelangen konnte, welche notwendig die Wahrheit mehren. Sie verteidigt sich zwar damit, dass die Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf ihre Integrität anzweifelt. Sie hätte aber dem dortigen Untersuchungsausschuss nachweisen müssen, dass ihr Zugriff den von Natur aus gegebenen Anforderungen entspricht. Schon Karl Marx polemisierte gegen den besagten Irrtum mit dem Satz "Le mort saisit le vif!" (Der Tote packt den Lebenden).

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10.05.2016 16:02 Uhr

Entzogene Arbeitskraft

Anzunehmen ist, dass Sie, Herr Vogt, nicht befugt sind, eine psychiatrische Diagnose zu stellen und meiner Person offenkundig geradewegs in die Irre gehend eine "Neurose" zuzuschreiben. Fraglich daher, was Sie dazu veranlasst, vor aller Augen sich anzumaßen, Einblick in meine Seele zu haben. Gemäß § 132a StGB wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wer unbefugt akademische Grade (Abs. 1 Ziff. 1) oder die Berufsbezeichnung Arzt (Abs. 1 Ziff. 2) führt. Insofern sind Sie schlicht eines Verbrechens schuldig geworden. Weil es sich dabei um ein Antragsdelikt handelt und ich Ihr Vergehen gegenüber der Ulmer Staatsanwaltschaft zur Anzeige bringen müsste, berufe ich mich darauf, dass Ihr zweifelsfreies Fehlverhalten meine körperliche Unversehrtheit gefährdet und dadurch vorrangig die Bundesanwaltschaft eigeninitiativ in Ihrem Fall tätig zu sein hätte; wobei schon mathematisch die Wahrscheinlichkeit, dass Sie jemals für Ihren Frevel vor einem irdischen Richter die ansonsten stets gebotene Rechenschaft abzulegen haben, aufgrund der in solchen Angelegenheiten heillos überforderten Gerichtsbarkeit verschwindend gering ist. Das schützt Sie aber nicht davor, komplett mit leeren Händen dazustehen, weil Ihnen ökonomisch-gesellschaftliche Mechanismen meine Arbeitskraft unwiederbringlich entziehen, solange Sie fortgesetzt falsch darauf zugreifen.

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10.05.2016 13:10 Uhr

Wohlan Herr Rath

Will man Kreativität auf gleich welchem Gebiet fördern, die zumindest dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit genügt, dann wäre die Stadt Ulm doch sicherlich gut beraten auf Ihren Fundus unerschöpflichen Wissens zurückzugreifen.
Sie könnten zumindest einigen Ihrer latent vorhandenen Profilneurosen umfassende Tätigkeitsfelder einräumen. Dann kann man beruhigt davon ausgehen, dass die Stadt Ulm ihre Gelder in Höhe von € 70.000 wissenschaftlich fundiert zum Fenster hinauswirft.

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10.05.2016 12:39 Uhr

Verschwendung öffentlicher Gelder

Will man Kreativität auf gleich welchem Gebiet fördern, die zumindest dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit genügt, kommt es "primär auf die Organisation der ... Arbeit an, weniger auf den individuellen ... Genius" (Kern, in: ais-studien.de, Mai 2008). Die Stadt Ulm wirft deshalb ihre Gelder in Höhe von € 70.000 gleichsam aus der vollen Hand zum Fenster hinaus, sobald das geplante "Labor" am Weinhof über keine dementsprechend leistungsfähige Arbeitsorganisation verfügt. Selbst das größte Talent und die höchste Begabung gehen für immer verloren, was bereits der Nobelpreisträger Hermann Hesse anhand seiner Erzählung mit dem Titel "Unterm Rad" kritisierte, falls diese unabdingbare Voraussetzung unerfüllt bleibt.

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