Ulm altert

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Mieter altern oft mit ihren Wohnungen. In den Häusern der UWS am Haslacher Weg 40 bis 62, die einst als Wohnanlage für Senioren konzipiert wurde, ist dies erklärtermaßen so. Ohne Rollator können viele Bewohner ihren Besorgungen nicht mehr nachgehen. Geparkt wurden die Gehhilfen lange Zeit draußen, neben der Haustür, eine neben der anderen. Zu mühsam bis unmöglich war es, sie durchs Treppenhaus hinauf bis zur Wohnung zu hieven.

Das kommunale Wohnungsunternehmen der Stadt, die Ulmer Wohnungs- und Siedlungs-Gesellschaft (UWS), hat deshalb nachgerüstet und in alle zehn Wohnblöcke Aufzüge eingebaut, somit eine große Erleichterung im Alltag der älteren Mieter geschaffen. Nicht nur im Haslacher Weg. Bei jeder Sanierung prüft die UWS, ob Barrieren abgebaut werden können. Es sind übrigens gar nicht so sehr die Anschaffungskosten, die dagegen sprechen, im Nachhinein einen Aufzug zu installieren. Es sind vielmehr die Wartungs- und Stromkosten, die auf die Bewohner zukommen. Ein Aufzug rechnet sich nur, wenn mit ihm neun bis zehn Wohnungen erreicht werden, erklärt UWS-Chef Frank Pinsler. Immerhin: 20 Aufzüge und Treppenlifte wurden in den vergangenen Jahren nachträglich eingebaut - dafür nahm die Wohnungsbaugesellschaft jeweils einen fünfstelligen Betrag in die Hand.

Ulm altert. Die Bevölkerungsprognose der Stadt, die bis ins Jahr 2025 reicht, geht von einer deutlichen Zunahme älterer Bewohner aus. In der Gruppe der 65- bis 84-Jährigen haben die Statistiker zuletzt rund 19 100 Einwohner gezählt, in 14 Jahren werden es etwa 20 700 sein. In der Gruppe der Über-84-Jährigen steigt die Zahl von rund 3000 auf 3600. Ulm will die Alten in der Stadt halten. Das ist erklärtes strategisches Ziel. Der dazu nötige Umbauprozess hat begonnen und folgt der Philosophie: Alle Generationen profitieren. "Gebrechlichkeit und Einschränkungen sind nicht ausschließlich eine Sache des Alters", betont Stadtoberhaupt Ivo Gönner. Am Beispiel Aufzug: Er bietet genauso jenen Bewohnern mehr Komfort, die mit Kinderwagen oder schweren Getränkekisten Etagen überwinden müssen.

In einer alternden Stadt kann es überdies nicht genug Sitzbänke geben. Es ist aber nicht die schiere Zahl von Bänken, die eine Stadt schon seniorenfreundlich macht, sondern deren Beschaffenheit, die sich unter anderem an der Frage entscheidet, ob man auch wieder hochkommt. Armlehnen erleichtern das Aufstehen ungemein.

Antje Rommel kann eine so ausgerüstete Bank im Alten Friedhof sogar ihr eigen nennen. Es handelt sich um ein Geburtstagsgeschenk ihrer Familie zum 100. Geburtstag. Die Bank sollte für sie Anreiz sein, die Spaziergänge auszudehnen, berichtet ihr Sohn Volkmar Rommel. Indes: Die Sitzbank übt auf weitere Parkbesucher einen besonderen Reiz aus und ist meist besetzt, wenn Antje Rommel sie aufsucht. Aber sobald sie sich als Besitzerin zu erkennen gibt, wird ihr natürlich Platz gemacht. In der Nähe von Altenheimen und gerontologischen Einrichtungen (und Orten, wo sich sonst viele Alte aufhalten) wird die Verwaltung aktiv: Sie montiert nachträglich Armlehnen aus Metall rechts und links an die Bänke. 20 wurden auf diese Weise schon komfortabler: Sie finden sich in der Nähe des Clarissenhofs in Söflingen, in der Schloßstraße in Wiblingen nahe des Alten- und Pflegeheims oder beim Seniorendomizil am Böfinger Weg. Sachgebietsleiter Franz Münch sind inzwischen die Armlehnen ausgegangen, er lässt Nachschub im Baubetriebshof anfertigen.

Eine vergleichsweise kompliziertes Unterfangen ist hingegen die Gestaltung der städtischen Informationsbroschüren. "Die Lesbarkeit entscheidet über die Gebrauchstauglichkeit", lautet OB Gönners Credo. Und: "Wir müssen da sensibel bleiben." Die Umsetzung geht allerdings im Einzelfall mit einer Kette von Abwägungen einher. Denn: Die Drucksachen müssen insgesamt drei Ansprüchen genügen. Regel 1 fordert ein identitätsstiftendes Erscheinungsbild, Regel 2 ein klares Design und Regel 3 Alltagstauglichkeit. Ein Leitfaden beschreibt die Gestaltungsstandards: Schriftgrößen, Typen, Raster, Farben. In der Wortmarke "Ulm" ist die Idealvorstellung umgesetzt: schwarz auf weißem Untergrund (somit in den vertrauten Ulmer Farben gehalten), schlichtes HfG-Design, schnörkellose Schrifttype, hoher Kontrast (somit gut leserlich).

Der Handel stellt sich ebenfalls zusehends auf ältere Kundschaft ein. Beispiel Galeria Kaufhof. In neuen Umkleidekabinen werden grundsätzlich Brillenablagen montiert. Die alten werden nachgerüstet. Beim Umziehen legt der Kunde schließlich nicht nur seine Kleidung ab, sondern auch die Brille - mit dem entscheidenden Unterschied, dass er in herkömmlichen Kabinen nicht weiß, wohin damit. Eine Ablage löst nicht nur das Problem, sich der Sehhilfe vorübergehend entledigen zu können, sie erleichtert auch das Wiederfinden enorm - mehr Komfort für Brillenträger jeden Alters.

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