Ulm als Mekka für Schäferhund-Fans

Die Richter sind streng bei der Bundessiegerzuchtschau, was die Anatomie der Tiere betrifft. Bei Laune gehalten werden die Vierbeiner etwa mit neonfarbenem Spielzeug.

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Eine Kommission hat am Donnerstag zunächst die Größe der Schäferhunde gemessen, bevor diese am Freitag und am Wochenende im Stand und beim Laufen bewertet werden.  Foto: 

Pepe vom Leithawald, Goran vom Bierstadter Hof oder Omella von Baccara – wer so heißt, gehört unumstritten zur Weltelite unter den Zuchtrüden und -hündinnen. Diese drei Deutschen Schäferhunde und 1662 weitere sind für die Bundessiegerzuchtschau gemeldet, die seit Donnerstag und noch bis Sonntag im Donaustadion läuft. Ulm wird dadurch bereits zum fünften Mal zum Mekka für Schäferhunde-Fans. Denn sie kommen nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus 50 anderen Ländern, wo es genauso Schäferhundevereine gibt.

Imran Husain beispielsweise ist mit seinen beiden Junghunden im Frachtraum per Flugzeug aus Karachi (Pakistan) „zur schönsten Schau in der ganzen Welt“ angereist. Er spreche hundedeutsch, sagt er schmunzelnd, denn als Vizepräsident der Weltunion der Schäferhundevereine  hat er immer wieder mit Württemberg, dem Ursprungsland dieser Rasse zu tun. Schließlich wurde der Schäferhund vor mehr als hundert Jahren schlicht zum Schafehüten gezüchtet.

Die „Herden-Gebrauchshundeklasse“ ist aber nur noch eine Randerscheinung an diesem Wochenende in Ulm. Schäferhunde sind heute überwiegend Familien- und Polizeihunde. Neu ist seit Mai diesen Jahres, dass nicht mehr die Schutzhundeprüfung als Voraussetzung für den Einstieg in die Zucht gilt, sondern eine Wesensüberprüfung, sagt Norbert Scharschmidt, Zuchtwart der Landesgruppe Westfalen, Zuchtrichter und Körmeister.

Beurteilt werden etwa die Bindung des Hundes zu seinem Menschen, das Sozialverhalten zu Artgenossen und der Spieltrieb. Scharschmidt indes wird in Ulm die Anatomie der Schäferhunde beurteilen. Beispiel: Die umstrittene abfallende Rückenlinie sei gar nicht schlimm, falle aber auf, weil die Züchter ihre Hunde gerne „stramm an der Leine“ vorführen, damit der Hund scheinbar bergauf läuft und im Trab die Vorderbeine hebt. „Wir wollen aber gar keine Lipizzaner“, zieht Scharschmidt einen Vergleich zu der leichtfüßigen Pferderasse.

Auch sollen die Züchter bei der „Standmusterung“ die Hinterbeine des Hundes nicht unnatürlich nach hinten setzen, sondern ihn stehen lassen, wie er gewachsen ist. Sei dann etwa der Kniewinkel zu ausgeprägt, lasse dies auf lose Sprunggelenke und Verschleißgefahr schließen, erklärt der Zuchtrichter. Die Folge: Der Hund wird sofort disqualifiziert.

Stachelhalsbänder harmlos?

Leider noch nicht „disqualifiziert“ wurden die Händler, die Stachelhalsbänder verkaufen. Das wird bei einem Rundgang an den Verkaufsständen der Zuchtschau deutlich. Ein Händler argumentiert: Die Metallstacheln seien abgerundet und könnten den Hund nicht verletzten. Deshalb beziehe er nur Ware von deutschen Herstellern. Seine Entschuldigung: Manche Hunde reagierten halt nicht auf Leckerli und ziehen an der Leine.

Dabei gibt es so schönes Spielzeug zum Ablenken: Zerknautschte Trainingsbälle in Neonfarben, damit das Herrchen den Ball wieder findet, wenn der Hund keine Lust mehr zum Apportieren hat. Für die Schäferhund-Typen Stockhaar und Langstockhaar gibt es Kämme, Bürsten und Nerzöl-Shampoo. Damit das Fell noch mehr glänzt, bekommt der Liebling Truthahn-Snacks sowie Hauptgerichte wie Lamm mit Reis oder Ente mit Süßkartoffeln.

Und was bekommen die weitgereisten Hundebesitzer des Ulmer Weltchampionats für den Hunger zwischendurch? Currywurst und Pommes.

Service Erwartet werden je nach Wetter bis zu 15 000 Besucher. Hunde aller Rassen dürfen – an der Leine – mitgenommen werden ins Donaustadion. Kinder können in der Kids-Corner abgegeben werden, wo die Jugendwartin der Landesgruppe Württemberg mit den Kindern spielt und malt. Für die nicht so hundebegeisterten Ulmer hat die Stadt das Bürgertelefon mit der Handynummer 0163-757 29 93 eingerichtet, falls der Reinigungsdienst in der Friedrichsau mal einen Hundehaufen übersieht oder das Gebell in den Transportboxen gar zu laut wird.

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