Türken in Ulm: "Erdogan führt sich wie ein Diktator auf"

Auch von Deutschland aus schlägt dem türkischen Regierungschef Tayip Erdogan Protest entgegen. Vier Meinungen von in Ulm lebenden Türken.

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    Kadriye Harman fordert, dass Erdogan sein Amt niederlegt. Foto: 
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    Elmas Genisyürek findet es schade, dass sich die Türkei zurückentwickelt. Foto: 
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"Ich finds super, dass die Menschen auf die Straße gehen, um diesen Diktator zu bekämpfen", sagt Kadriye Harman. Bei den Protesten gehe es nicht um drei Bäume in Istanbul, sondern um das ganze Regime. Ihr Mann habe sich der Montagsdemo in Ulm angeschlossen. "Erdogan muss sein Amt abgeben", fordert die 46-jährige Friseurin.

"Endlich wird realistisch wahrgenommen, wie die Regierung mit dem Volk umgeht", sagt Haydar Süslü, Ulmer SPD-Stadtrat und Allgemeinarzt. Staatschef Erdogan sei bislang in Deutschland positiv wahrgenommen worden, weil er der Türkei wirtschaftlichen Aufschwung brachte. "Mit ihm kann man gut Geschäfte machen, dabei wird nicht gesehen, wie er mit den Menschenrechten umgeht, wie viele Menschen ungerechterweise in Gefängnissen sitzen." Süslü hofft, dass die Lage nicht eskaliert: "Es ist Pflicht der Regierung, nun einzulenken."

"Ich verfolge die Proteste sehr genau", sagt Elmas Genisyürek (31), der in Ulm einen Friseursalon betreibt. Die Schilderung in den sozialen Netzwerken sei krass. "Da hieß es zum Beispiel, die Polizei zog ab und das Militär kam." Genisyürek ist ein Anhänger der Politik Atatürks. "Er steht für die moderne Türkei. Ich finde es schade, wie sich das Land zurückentwickelt."

"Das Fernsehen darf nicht frei berichten, daher verfolge ich die Sache über die sozialen Netzwerke", sagt Banu Öner, Mitglied des internationalen Ausschusses. Von Istanbuler Freunden hat sie erfahren, wie brutal die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern vorgeht. Erdogans Drohung, der Geheimdienst würde den Drahtziehern der Demos ihre gerechte Strafe geben, findet Öner unglaublich: "Seine Regierung hat mit Demokratie nichts zu tun! Erdogan hat aber von Europa so viel Unterstützung bekommen, dass er glaubt, sich wie ein Diktator aufführen zu können." Er solle regieren und nicht vorschreiben, was die Menschen trinken, essen und wie viele Kinder sie bekommen sollen. "Zum Glück wehren sich die Menschen endlich."

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