Trotz Protest: Ding-Card wird abgeschafft

Viele Fahrgäste sind empört über die geplante Abschaffung der Ding-Card. Günstigere Fahrscheine gibt es von 2019 an nur noch per Handy-Ticket.

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Soll abgeschafft werden: Die DING-Card.  Foto: 

Man kann der Allgemeinheit nicht aufdiktieren, dass sie die Vergünstigung nur noch über das Smartphone bekommen kann.“ Christine Holzmann ist eine von vielen Nutzerinnen des öffentlichen Nahverkehrs, die sich über die geplante Abschaffung der Ding-Card ärgern und sich deshalb in den vergangenen Wochen bei der SÜDWEST PRESSE gemeldet haben.

Wer mit der Chipkarte bezahlt, spart bislang je nach Strecke rund zehn Prozent des Fahrpreises. Dieses System wird es bald nicht mehr geben: Der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund (Ding) hatte vor Kurzem mitgeteilt, dass die veralteten Chipkarten ab 2018 schrittweise abgeschafft werden (siehe Infokasten). Einen günstigeren Fahrschein kann man in Zukunft nur noch über die App Handy-Ticket erwerben.

„Wir haben uns die Sache nicht leicht gemacht“, wirbt Ding-Geschäftsführer Thomas Mügge um Verständnis. „Seit fünf Jahren suchen wir nach einer Nachfolgelösung.“ Das Problem: Weder der in der Karte verwendete Chip noch die entsprechenden Lesegeräte werden noch produziert. „Uns gehen schlicht die Ding-Cards aus.“ Für die Smartphone-Lösung hat der Verbund sich schließlich entschieden, weil die Akzeptanz von Handy-Tickets gewachsen sei, vor allem aber, weil „die neue, berührungslose Chipkartentechnologie nicht finanzierbar ist“. Mügge nennt keine genauen Zahlen, sagt aber, es handle sich um einen recht hohen Millionenbetrag. „Die Investition würde uns doppelt so viel kosten, wie wir jährlichen Umsatz mit der Ding-Card machen.“

Und was ist mit einer analogen Alternative wie einer Streifenkarte? „Genau so teuer“, winkt Mügge ab. „Wenn wir deshalb massiv die Preise erhöhen müssten, wäre auch keinem geholfen.“ Fazit: „Für diejenigen, die nicht mit dem Smartphone umgehen, haben wir keine Lösung.“

Sorge um Kontodaten

Für Fahrgäste wie Christine Holzmann heißt das, dass sie nach der Übergangszeit auf Vergünstigungen wird verzichten müssen. Denn für die 70-Jährige aus Blaustein rentiert sich das Ticket 63 plus nicht: Sie fährt mehrmals die Woche mit dem Nahverkehr, meist für 25 bis 30 Euro im Monat, immer mit der Ding-Card. Ein Smartphone hat sie zwar, nutzt es auch für E-Mails und Fotos, aber einen Ticketkauf per Handy? Das traue sie sich nicht zu, da müsse dann der Enkel helfen, sagt sie. „Die wollen dann ja auch an meine Bankdaten, das finde ich nicht in Ordnung.“ Diese Bedenken will Thomas Mügge zerstreuen: „Auch beim Handy-Ticket gibt es eine anonyme Variante, indem man auf ein Schattenkonto Geld einbezahlt.“ Die eigenen Bankdaten müsse also niemand preisgeben, wenn er es nicht extra-bequem wolle.

Noch etwas macht Christine Holzmann Sorgen: Wenn man das elektronische Ticket erst im Fahrzeug löse, gelte man als Schwarzfahrer. „Aber man kauft die Karte ja auch erst in der Straßenbahn.“ Eine „knifflige rechtliche Angelegenheit sei das“, sagt Mügge. Ding halte sich an die bundesrechtlichen Regelungen, und die bestimmen: „Vor Antritt der Fahrt muss ein Fahrschein gelöst sein.“

Auch, dass es in manchen Ortschaften keinen Empfang gibt sieht Mügge nicht besonders problematisch. Selbstverständlich müsse man mit Mobilfunkbetreibern reden, aber: „Das ist sicher ein Ausnahmefall.“ Dann könne man das Ticket aber auch per SMS beziehen oder über das heimische W-Lan herunterladen.

Kommentar zur Abschaffung der Ding-Card: Alternative ist notwendig

Um eines gleich zu Beginn festzuhalten: Niemand wird in Zukunft vom öffentlichen Nahverkehr ausgeschlossen, wenn er das Handy-Ticket nicht nutzen kann oder will. Wohl aber werden all jene Menschen ohne Smartphone von dem Rabatt ausgeschlossen, den sie mit der Ding-Card bisher bekommen haben. Das ist nichts anderes als eine versteckte Preiserhöhung. Auf eine offene Steigerung hat man dieses Jahr verzichtet, wohlwissend, dass diese nicht zumutbar gewesen wäre. Kommen wird sie aber doch, wenn nicht in diesem, dann wohl im nächsten Jahr. Was eine analoge Alternative zur Ding-Card umso notwendiger macht.

Ding-Geschäftsführer Thomas Mügge rechnet damit, dass 70 Prozent der Fahrgäste zum Handy-Ticket wechseln. Fast ein Drittel der Nutzer bleiben auf dem Weg zur Digitalisierung also auf der Strecke. Das wird überwiegend ältere Menschen treffen. Sie haben dann halt Pech gehabt. Das ist unbefriedigend, geht es doch um den öffentlichen Nahverkehr, von dem man nicht auf ein Konkurrenzprodukt ausweichen kann. Hohe Kosten für ein neues System, die man auf alle umlegen müsste, sind zwar ein Argument. Dass etwa Mehrfahrtenkarten und Stempelkissen aber ebenso teuer sein sollen, ist kaum nachvollziehbar. Hier sollte der Ding sich etwas einfallen lassen, statt Kundschaft zu verprellen.

Erster Schritt Ab dem 1. Januar 2018 werden keine neuen Ding-Cards mehr ausgegeben, man kann sie dann auch nicht mehr aufladen. Mit dem Restguthaben kann man noch bis zum 31. Dezember 2018 Fahrscheine kaufen, der Rabatt für den Einzelfahrschein für Erwachsene entfällt allerdings. Restguthaben wird gebührenfrei erstattet.

Protest Die SPD-Fraktion im Ulmer Gemeinderat hat sich für den Erhalt der Ding-Card eingesetzt (wir berichteten). „Nicht alle Menschen – vor allem ältere – besitzen ein Smartphone“, schreibt die SPD-Fraktionssprecherin Dorothee Kühne. Daher solle es nach wie vor auch analoge Angebote geben.

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Kommentare

07.09.2017 19:59 Uhr

Antwort auf „Aha”

welche Umstellung? Bitte mehr Information hierzu

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07.09.2017 19:58 Uhr

Antwort auf „Ding Card wrid abgeschafft”

FALSCH: ältere Menschen bekommen doch bereits eine Rabatt wegen dem Alter. In Osteuropa z.B. Budapest ist der ÖPNV für alle Rentner über 65 komplett kostenlos.

Also bitte nicht auf die Neiddebatte einsteigen: es geht um lächerliche Beträge die man hier sparen kann.

Mann kann auch fahren und gar nicht bezahlen (100% Rabatt)

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07.09.2017 19:56 Uhr

Antwort auf „Abgehängt”

LOL - anscheinend hatr die Übernahme von Siemens Networks durch Nokia doch was bewirkt: jeder der 700 Mitarbeiter hat ein Windows Phone. Dürfte sich aber bald erledigt haben, denn WP ist mausetot und Nokia brandes Smartphones laufen jetzt mit Android.

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07.09.2017 19:53 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Aha””

absolut korrekt was du sagst, allerdings geht's der SWP ja um die Tatsache, dass die jetzt nur noch der 0,1€/Fahr sparen kann, der ein Smartphone überhaupt besitzt.

Ich finde diese Neiddiskussion wegen diesen Furzbeträgen lächerlich!

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07.09.2017 19:51 Uhr

Antwort auf „Kundenorientiert und servicefreundlich?”

haha, 1-10€ das sind 10e zu viel mein Freund

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07.09.2017 19:49 Uhr

Sommerteather oder wie?

Es geht darum, bei einer Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nur noch mit einem Smartphone einen lächerlich geringen Betrag zu sparen?

Gleichzeitig berichtet unser großartoiges Lokal-Boulevard Blatt auf jeder 2ten Seite, wie gut es im Boom-Town Ulm läuft.

Innovationen wie die Fahrkarte mit dem Smartphone zu verteufeln ist wieder mal typisch DEUTSCH oder sagen wir besser "deutscher Journalismus" - Neidkultur schüren?

In anderen Ländern, allen voran die Boomregionen in Asien oder auch im Baltikum oder in Skandinavien gibt es seit Jahren kontaktlose Systeme basierend auf Smartphone RfID und Kreditkartenbezahlung. Wer Tickets im voraus online oder am Kiosk kauft bezahlt z.B. in Riga 1,10€ für eine Fahrt, im Bus beim Fahrer kostet das ganze 2€ (ja keine 2,2€ weil man den Fahrer auch nicht mit Kleingeld belasten möchte)

Täglich erlebe ich wie Kunden beim Bäcker oder sogar im Discounter "gerne" auf volle Eurobeträge aufrunden. Solange diese Dekandenz tendenziell zunimmt, gibt's keinen Grund sich darüber aufzuregen, dass nur noch diejenigen Rabatte bekommen, die Smartphones besitzen.

Ach ja: der Rabatt ist nur scheinbar ein Rabtt: bezahlt wird mit den Daten des Nutzers (Fahrverhalten, wann, wie, wohin etc.) - das wäre der eigentliche Skandal in diesem Fall, aber publikumswirksam fokussiert die SWP Ulm lieber auf die Gerechtigkeitsdebatte "ich will aber auch ohne Smartphone sparen"..... welch perfides Unterfangen, das Sommerloch zu füllen...

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31.08.2017 16:55 Uhr

Kundenorientiert und servicefreundlich?

DING hat sich mit dieser Maßnahme voll ins Knie bzw. ins Abseits geschossen. Zum Einen: die Chips werden nach wie vor produziert - der SWU-Einkauf sollte sich mal am IT-Markt etwas genauer informieren - derzeitige Preisspanne je nach Ausstattung: 0,99 - 10,00 €. Zum Zweiten: muss sich jetzt jeder DING-Card-Inhaber künftig ein Smartphone kaufen, auf dem diese App läuft? Zum Dritten: kann der DING garantieren, dass seine App "hackerfest" ist und nicht weitere Daten des Nutzers ausgespäht werden? Mit diesem Problem haben i.Ü. auch Finanzinstitute zu kämpfen und deren Verschlüsselung ist sicher ausgefeilter als die der DING-App. Zum Vierten: Kann es sich der DING und die Landkreise bzw. die Stadt Ulm aus politischer Sicht leisten, auf - wie im Artikel genannt - rund ein Drittel seiner Einnahmen aus Fahrkartenverkauf zu verzichten? Gewählt wird immer mal wieder und jeder, der einmal gewählt wurde will es ja wieder ...Übrigens: Kundenorientierung sieht für mich anders aus ...

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30.08.2017 19:13 Uhr

Antwort auf „Aha”

Als Diplom-Informatiker (FH) bin ich durchaus technikaffin.
Die Begründung von DING ist Nonsens.
Man hätte ja eine einfache Lösung wie in London nehmen können.
Entsprechende RFID Leser sind spottbillig und man kann in London neben der Oystercard auch jede Zahlungskarte mit RFID zum schnellen berührungslosen zahlen verwenden.
Zahlen in London auch ohne Internet, 1 Sekunde. Zahlen in Ulm, 1 bis 5 Minuten aber nur bei guter Internetanbindung und die ist an den meisten DING Haltestellen Mangelware.
Und in London zahlt die Karten auch noch die Bank.
Und beim DING wird das Rad neu entwickelt und eine Steinzeitapp (so sahen Apps vielleicht vor 5 Jahren aus) entwickelt, die auf den meisten Handys eh nicht funktioniert und ständig an die aktuellen Handys für teures Geld angepasst werden muss.
Man denke nur an die Steinzeitapp des Ding zu Beginn, die noch unter dem mittlerweile obsoleten Java lief.
Aktuell werden gerade mal lächerliche 10 000 Tickets per Handyapp in Ulm verkauft und die Bahn hat ihr deutlich modernes, kundenfreundlicheres Touch and Travel gerade abgeschafft.
Die Kunden haben sich bereits gegen das Handyticket entschieden und DING läuft mal wieder der Entwicklung hinterher.

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30.08.2017 14:10 Uhr

Antwort auf „Abgehängt”SWU hat kein Interrese

Ich als Windows App Entwickler habe schon der SWU angeboten solch eine App zu erstellen. Und das sogar kostenlos. Aber leider hat wohl die SWU kein Interesse daran ein kostenloses Angebot anzunehmen. Und so die Windows Phone , Windows 10 Mobile Nutzer aus zu hungern.

Ich leide das Projekt "Project AppGap" und dort wurde nicht mal auf die Anfrage geantwortet. Nun ja entweder wir kaufen uns ein Billiges Android Smartphone oder wir zahlen den Normalen Preis ^^

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30.08.2017 09:30 Uhr

Abgehängt

Welche Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die Firma Nokia - nicht nur
einer der wichtigsten Arbeitgeber in Ulm, sondern auch Global Player
in der Kommunikationstechnologie - seine rund 700 Mitarbeiter am Eselsberg
mit Lumia Smartphones als Diensttelefon ausgestattet hat, für
die es dank des populären Windows Betriebssystems voraussichtlich keine
Ding App geben wird.

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30.08.2017 09:17 Uhr

Ding Card wrid abgeschafft

Die SWU muß halt irgendwie Ihre Finanzlöcher stopfen. Und auf wessen Rücken wird das wieder einmal ausgetragen. Der lapidare Kommentar sagt doch alles.

Das wird überwiegend ältere Menschen treffen. Sie haben dann halt Pech gehabt.

Diese geringschätzige Art und Weise ist beschämend für eine reiche Industrienation wie Deutschland. Vielleicht ist es ja am billigsten wenn sie den 30% Smartphone schenken.

Fazit: Die Umstellung auf ein komplett neues System mag im Moment zwar teuer erscheinen, aber esvrentiert sich bestimmt in die Zukunft zu investieren.

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30.08.2017 05:46 Uhr

Aha

Laut der SWU muss ich jetzt dann ja Sorge haben, dass meine Kredit- und EC-Karte demnächst auch abgeschafft wird. Denn schließlich befindet sich darauf ebenfalls ein Chip, der ja scheinbar nicht mehr produziert wird...
Zwar bin ich sehr IT-affin, aber auch ich habe die Ding-Card in Verwendung und bisher keinen Grund gesehen, anstatt dieser mein Mobiltelefon zu verwenden. Für mich persönlich ist das jetzt eine unnötige Umstellung

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