Spenden der Aktion 100 000: Tränen der Erleichterung

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Licht am Ende des Tunnels: Rentnerin Marianna R., Irene K. (Namen geändert) und die drei Vertreterinnen und Vertreter sozialer Einrichtungen und Dienste sind am Montagvormittag überpünktlich im Medienhaus eingetroffen, um die Spendenschecks entgegenzunehmen. Von den Butterbrezeln rührt zunächst niemand etwas an. Erwartungsreiche Spannung liegt in der Cafeteria der SÜDWEST PRESSE.

Bevor Karl  Bacherle, der Organisations-Leiter der Aktion 100 000 und Ulmer helft, die Umschläge übergibt, appelliert er, sorgfältig mit den Spenden umzugehen, sie als Mutmacher in der schwierigen Lebenssituation zu verstehen. „Tun Sie das Beste für sich mit dem Geld, das Ihnen vollkommen fremde Menschen anvertrauen“, forderte er sie auf.

Mal im unteren Bereich, mal im oberen Bereich: Alle fünf Schecks sind vierstellig ausgefallen. Die 68-jährige Neu-Ulmerin Marianna R. blickt auf die Summe und will ihren Augen nicht trauen. Sie stupst ihre „Verstärkung“ an,  die Sozialpädagogin Heike Wiedenmayer von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie Neu-Ulm. Heike Wiedenmayer nickt. Marianna R. schlägt die Hände vors Gesicht. „Dann kann ich mir endlich eine Waschmaschine kaufen“, sagt die Frau, die an der Lungenkrankheit COPD und an Diabetes leidet. Tränen der Erleichterung bahnen sich den Weg. „Ich bin so froh, dass es etwas wie die Aktion 100 000 gibt, die sich um Armut in der Region kümmert“, sagt Marianna R. Obwohl sie nebem der Kindererziehung 37 Jahre Vollzeit gearbeitet  hat, reicht ihre Rente nicht aus, um zuzahlungspflichtige Arznei zu kaufen. Die Spende ändert einiges: „Mal zur Mutter Gottes nach Medjugorje reisen, das wäre schön für mich“, denkt die Rentnerin laut.

Familienhelferin Karin Sahre nimmt den Scheck stellvertretend für Klientin Ute S. entgegen, die schwer krank ist und neben der Arbeit ihren geistig behinderten elfjährigen Sohn betreut. „Sie wird sich sehr über die Spende freuen und bestimmt sofort ein neues, großes Bett kaufen“, ist sich Karin Sahre sicher. Bisher habe die Frau oft auf dem Fußboden neben dem Bett ihres Sohnes geschlafen. „Sie will auch nachts ganz nah bei ihm sein, weil sie Angst hat, dass er an seiner Zunge ersticken könnte“, weiß sie.

Seit der Veröffentlichung ihres Schicksals hat sich bei Irene K., die in einer verschimmelten Wohnung ihre Tochter und ein Pflegkind großzieht,  die Lage sogar verschärft. „Mir wurde mein Job gekündigt“, sagt die Kauffrau für Büromanagement. „Ich möchte mich bei allen, die die Spende ermöglicht haben, ganz herzlich bedanken“, sagt sie.

Den Umschlag hat Irene K. übrigens erst nach der Verabschiedung geöffnet. Sie hatte Angst, in Tränen auszubrechen. Danach läuft sie schnurstracks zum Optiker, weil ein Glas ihrer Brille einen Riss mitten im Blickfeld hat. Marianna R. dagegen will Essen kaufen: „Endlich kann ich mir mal wieder ein richtiges Stück Fleisch vom Metzger leisten!“

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