Tonia Reeh begeistert mit individuellem Klangkosmos im Sauschdall

Tonia Reeh sorgte im sehr gut besuchten Jazzkeller Sauschdall für einen fulminanten Abend zwischen Songwriting und Musik-Experiment.

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Erzählt in ihren Songs mit schriller Ironie durchzogene Geschichten: Tonia Reeh bei ihrem Konzert im Sauschdall.  Foto: 

Der so genannte Berliner Underground war der Nährboden für Tonia Reeh, die zunächst als Sängerin und Gitarristin der Berliner Indieband Masonne erste Akzente setzte, um dann mit ihrem Soloprojekt Monotekktoni zu überraschen. Zuckende und verzerrte elektronische Sounds waren die Grundlage für ihr "Hard Listening", das es den Hörern nicht leicht machen wollte. Als sie dann vor zwei Jahren ihr erstes Piano-Album veröffentlichte, hatte sie als Songwriterin keineswegs an Bissigkeit eingebüßt.

Im sehr gut besuchten Sauschdall konnte man nun live erleben, welchen individuellen Klangkosmos Tonia Reeh in der Zwischenzeit entwickelt hat. Mit Lust warf sie sich in ihre Piano-Songs, entwarf an den Tasten griffige Muster zwischen Klassik und Pop, um diese dann mit atonalen Exkursen und harten Breaks zu zerpflücken. Rudi Fischerlehner war da am Schlagzeug ein exakter und feinfühliger Mitstreiter, der nicht nur für den richtigen Drive sorgte.

Zusammen gestalteten sie den vibrierenden Boden für aufwühlende Songs, die unter anderem vom jüngsten Album "Fight Of The Stupid" stammten. Die Berlinerin bewegte sich stimmlich in der Nachbarschaft von Stilikonen wie PJ Harvey oder Amanda Palmer, bisweilen klang es oktavensprengend operesk, mal verhext, dann ein wenig nach der abgeklärt-emotionalen Patti Smith.

Die Brüchigkeit der Stimme, durch die aufkeimende Erkältung noch forciert, passte zu den dunklen, teils von schriller Ironie durchzogenen Geschichten, die sie in den Texten erzählte.

David Lynch ließ grüßen, im verzweifelten Aufschrei "Madame Et Messieurs" genauso wie in "Cancer Dancer", einem Tanz auf dem Vulkan. Tonia Reeh hämmerte ins Klavier, hüpfte kleine Becken schlagend über die Stühle im Sauschdall und verabschiedete sich mit einer exzentrischen Performance und der Frage: "What The Hell She Is Talking About?"

Man hatte verstanden, und mit der noch tintenfrischen Ballade "Westpoint" setzte die Sängerin einen starken Zugaben-Schlusspunkt.

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